Es hätte ein Triumph werden sollen - und wurde zunächst zur Zitterpartie. Mit "The Mandalorian and Grogu" wagte Disney den ersten großen "Star Wars"-Kinofilm seit Jahren, doch der Kinostart verlief für die Macher alles andere als berauschend. Für die Filmreihe eher magere 33 Millionen US-Dollar spielte der Film am Eröffnungstag in nordamerikanischen Kinos ein - gerechnet auf 4.300 Leinwände. Zum Vergleich: "Solo: A Star Wars Story" hatte 2018 am selben Wochentag 35,4 Millionen Dollar eingespielt, nicht inflationsbereinigt. Damit war "Mando" kurzzeitig auf Kurs, den unrühmlichen Rekord des schwächsten Starts im "Star Wars"-Universum von Disney zu erben.
Doch dann kippte die Stimmung - und zwar deutlich. Auf der Bewertungsplattform Rotten Tomatoes erreichte der Film einen Publikumsscore von 89 Prozent, das beste Ergebnis des gesamten Franchises. Baby Yoda alias Grogu, der kleine grüne Herzensbrecher aus der gleichnamigen Disney+-Serie von Schöpfer Jon Favreau (59), hatte offenbar genau die Wirkung entfaltet, die Disney erhofft hatte: Er lockte Familien in die Kinos.
Günstigere Kalkulation als "Solo"
Disney-Insider gehen davon aus, dass "Mando" zum familienfreundlichsten Film der modernen "Star Wars"-Ära werden könnte - ein Prädikat, das in dieser Franchise nicht selbstverständlich ist. Damit rückt auch eine Trendwende an den Kinokassen in greifbare Nähe: Aktuell liegt der Streifen laut "Box Office Mojo" bei 102 Millionen Dollar in Nordamerika und 63 Millionen Dollar weltweit - eine erstaunliche Parallele zu "Solo".
Der Film von Ron Howard (72) gilt bis heute als einer der größten Flops in der Geschichte von Lucasfilm. Trotz Erwartungen von weit über 300 Millionen Dollar weltweit schloss der Film das Memorial-Day-Wochenende 2018 mit lediglich 165 Millionen Dollar global ab - davon ebenfalls 102 Millionen in Nordamerika und 63 Millionen international. Das Budget war mit mindestens 275 Millionen Dollar Produktionskosten, ohne Marketingausgaben, astronomisch hoch, die Verluste entsprechend massiv.
Das Budget macht den Unterschied
Hier liegt ein wesentlicher Unterschied: "The Mandalorian & Grogu" kam deutlich günstiger aus der Produktion. Das Budget belief sich laut Berichten auf rund 165 Millionen Dollar - teuer, aber weit entfernt vom finanziellen Abenteuer "Solo". Das bedeutet: Selbst bei einem vergleichsweise verhaltenen Start ist die Schmerzgrenze für Disney eine andere.
Ob "Mando" den Kurs noch drehen kann, dürfte sich im weiteren Wochenverlauf entscheiden. Die Publikums-Reaktionen sind jedenfalls das stärkste Argument dafür, dass Grogu und sein schweigsamer Beschützer, dargestellt von Pedro Pascal (51), noch lange nicht am Ende sind - weder auf Disney+ noch auf der großen Leinwand.