VW-Finanzchef Arno Antlitz bemüht sich, den Vorwurf zu entkräften, er habe bei den Finanzkennzahlen getrickst, um dem Vorstand trotz schlechter Geschäfte Boni zuzuschanzen. Zuvor hatte die „Bild-Zeitung“ berichtet, dass Antlitz kurzfristig Barmittel im Wert von 6 Milliarden Euro aufgetan habe – sodass den Vorständen doch ihre vollen Boni gezahlt werden können. Bei den Beschäftigten soll der üblicherweise im Mai ausbezahlte Bonus wegen des schwachen Geschäfts im vergangenen Jahr hingegen 2026 und 2027 ausfallen.
In einem intern im Unternehmen veröffentlichten Interview erklärte Antlitz nun, die jüngsten Verbesserungen beim Barmittelzufluss des Unternehmens seien „das Resultat intensiver Kostenarbeit“ und vor allem anderen seien diese Anstrengungen nachhaltig, also nicht nur kurzfristig. Ende Januar hatte der Konzern überraschend gemeldet, dass er im abgelaufenen Jahr einen freien Barmittelzufluss (Free Cashflow) von 6 Milliarden Euro erwirtschaftet habe.
6 Milliarden statt 0
In einer Pflichtmitteilung vom 21. Januar hieß es dazu: „Damit liegen beide vorläufigen Kennzahlen wesentlich oberhalb der von der Volkswagen AG für das Geschäftsjahr 2025 erwarteten Werte von rund 0 Milliarden Euro für den Netto-Cashflow bzw. rund 30 Milliarden Euro für die Nettoliquidität und oberhalb der dem Unternehmen aktuell vorliegenden mittleren Markterwartung.“ Eine erstaunliche Zahl, die die VW-Aktie steigen und Bankanalysten wider Erwarten jubeln ließ. Denn ursprünglich hatte das Management hier nur null Euro prognostiziert.
Dem Verdacht der Bilanzkosmetik widersprach Antlitz in dem internen Interview. Der mächtige Betriebsrat äußert trotzdem Unmut: „Wir teilen die Kritik an der bisherigen Informationspolitik des Konzerns zu den 6 Milliarden Euro Netto-Cashflow“, sagte ein Sprecher. „Ebenso können wir das damit verbundene Unverständnis der Beschäftigten nachvollziehen.“ In dieser Woche noch werde es in Wolfsburg ein Spitzengespräch geben, „bei dem die Arbeitnehmerseite ihre Positionen unmissverständlich deutlich machen wird“, so der Sprecher zu Capital. Zu erwarten ist, dass der Betriebsrat den Vorstand drängen könnte, öffentlich auf die Boni für 2025 zu verzichten.
Das Antlitz-Interview sollte die Wogen glätten. Begleitend dazu wurde im Konzern darauf hingewiesen, dass über die Vorstandsboni noch gar nicht entschieden sei. Sie seien nach den internen Regeln außerdem nicht allein vom Wert beim Free Cashflow abhängig. Die operative Rendite zähle ebenfalls mit – und die könnte unter den Zielwerten landen, wenn der Konzern am 10. März seine Jahreszahlen veröffentlichen wird.
Bonus in Millionenhöhe
Laut „Bild“ erhalten die Manager die volle Bonusstufe ab einem Barmittelwert von 5,6 Milliarden Euro. Hätte er bei 0 Euro gelegen, hätte der Vorstand demnach auf große Teile dieser Zahlungen verzichten müssen. Nun aber solle jeder Vorstand zusätzlich 1,75 Millionen Euro bekommen.
Sogar intern habe die Meldung für Überraschung unter Vorständen gesorgt, berichtet „Bild“ unter Verweis auf Informationen von Insidern aus dem Unternehmen. Fraglich ist, wie viel unternehmerischer Erfolg hinter der Boni-Meldung steckt: Denn die 6 Milliarden Euro soll Antlitz demnach hereingeholt haben, indem VW Ausgaben für die Entwicklung ins Jahr 2026 geschoben habe. Außerdem soll das Unternehmen Lagerbestände reduziert und Rückstellungen aufgelöst haben. Damit wären die Ausgaben aber nur aufgeschoben, bezahlt werden müssen die Rechnungen trotzdem.
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