Herr Krause-Dünow, laut World Travel & Tourism Council verzeichneten die USA 2025 als einziges Land weltweit rückläufige Tourismusausgaben. Wie schwierig war das letzte Jahr für Sie?
Wir hatten 2025 etwa zehn Prozent weniger Anfragen für Reisen in die USA. Besonders nach der Sicherheitskonferenz in München war eine deutliche Zurückhaltung zu spüren. Dass wir das Jahr dennoch nur mit einem sehr kleinen Minus abschließen konnten, liegt an unserem Geschäftsmodell: Als Fernreiseveranstalter mit sehr langem Buchungsvorlauf hatten wir rund 80 Prozent der Reisen für 2025 bereits fest im System, ehe die politische Verunsicherung einsetzte. Und bei etwa 1,7 Mio. deutschen USA-Urlauber stehen wir weiterhin sehr stabil da.
Sie beobachten, dass die zweite Trump-Präsidentschaft stärker auf Urlaubspläne einwirkt. Wie entwickelt sich 2026 derzeit?
Momentan liegen wir bei den Anfragen etwa zehn bis zwölf Prozent unter dem Vorjahr. Wir sehen jedoch, dass die Kunden ihre Urlaubsentscheidungen deutlich kurzfristiger treffen. Das liegt wohl an den weltweiten Unruhen. Was uns optimistisch stimmt: Die „Realisierungsquote“ ist gestiegen, wer jetzt Interesse an einer Reise zeigt, bucht häufiger als früher.
Gestern endete die Eingabe-Frist für geplante ESTA-Verschärfungen wie die Social-Media-Offenlegung und DNA-Abgaben. Verkauft man die USA noch guten Gewissens, wenn der Grenzübertritt zur Hürde wird?
Das Thema verunsichert, aber wir müssen sachlich bleiben. Social-Media-Konten werden schon heute optional abgefragt, und dass eine DNA-Abgabe kommt, halte ich für extrem unwahrscheinlich. Man darf nicht vergessen: Die USA nutzen das sogenannte MPC-Verfahren (Mobile Passport Control), eine App, mit der Reisende ihre Daten vorab digital übermitteln, um die Einreise massiv zu beschleunigen. Ich selbst bin so erst vor wenigen Monaten in unter fünf Minuten eingereist. Alles, was den Grenzübertritt in eine „Black Box“ verwandeln würde, stünde im krassen Widerspruch zu solchen technischen Erleichterungen.
Zur Person
Tilo Krause-Dünow ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von CANUSA Touristik. Seit 1983 hat er das Unternehmen vom kleinen Spezialveranstalter zu einem der Marktführer für Individualreisen in den USA und Kanada ausgebaut. Krause-Dünow gilt als einer der versiertesten Kenner der nordamerikanischen Tourismus-Infrastruktur. Er leitet das Familienunternehmen von Hamburg aus gemeinsam mit seinem Sohn Timmo.
Ab welchem Punkt wird ein Trip in die USA, etwa durch verschärfte Reisehinweise, eben doch politisch?
Etwa 10 bis 15 Prozent der Urlauber pausieren derzeit aufgrund der Nachrichtenlage ihre USA-Reisepläne. Die Regel „Bad News are Good News“ gilt im Tourismus leider nicht. Aber das Vertrauen derer, die tatsächlich in dem Land reisen, ist unerschütterlich. Die oft erwähnten abgewiesenen Personen verfügten zum Teil bei genauer Betrachtung schlicht nicht über ein korrektes Visum für ihre individuellen Vorhaben. Zudem zeigen Daten der Lufthansa, dass solche Problemfälle an den US-Grenzen, sofern sie die LH-Flotte betreffen, insgesamt um circa 15 Prozent abgenommen haben.
Kanada erlebt derweil einen Boom, auch in Ihrem Angebotsportfolio. Ein nachhaltiger Trend oder bloßer Trump-Protest?
Kanada ist seit der Pandemie massiv „in demand“, wir liegen dort für 2026 bereits bei fast 20 Prozent mehr Buchungen als im Vorjahr. Dennoch ersetzt Kanada die USA nicht vollumfänglich: Es bleibt ein stark saisonales Ziel für den Sommer oder den Ski-Winter. Die USA hingegen sind mit Zielen wie Florida oder Hawaii ein Ganzjahresgeschäft für volle zwölf Monate.
USA-Reisen gelten als so günstig wie seit Langem nicht. Warum?
Die Preisentwicklung überkompensiert ein Stück weit das Image-Defizit, würde ich sagen. Hinzukommen der schwache Dollarkurs und Preissenkungen vor Ort, die sich zu ungefähr 15 bis 20 Prozent geringeren Reisekosten verglichen mit 2025 summieren dürften. Ein wichtiger Faktor dabei ist, dass gut 28 Prozent weniger Kanadier in die USA reisen, wodurch massiv Hotelkapazitäten frei werden. Auch die Binnennachfrage scheint etwas zu schwächeln. Das drückt die Preise weiter und sorgt für äußerst attraktive Raten.
Merken Sie durch die Kürzung des „Brand USA“-Budgets für die Promotion des Landes als Urlaubsziel – von 100 Millionen auf 20 Millionen Dollar – einen Unterschied in der Zusammenarbeit?
Im Gegenteil: Wir haben noch nie so hohe Werbekostenzuschüsse der einzelnen US-Bundesstaaten erhalten wie aktuell. Das dürfte den Lesern auch an Flughäfen und in Innenstädten auffallen, wo einzelne Regionen äußerst aktiv für sich „trommeln“. Die Staaten haben die nationalen Kürzungen abgefedert.
Im Juni startet die Fußball-WM in den USA. Ist das Mega-Event für Sie eher Preistreiber oder Hoffnungsschimmer? Man las kürzlich von 38.000 Zimmerstornos ...
Zunächst war es eine Belastung. Plötzlich kosteten in den Austragungsstätten einfache Zwei-Sterne-Hotels zeitweise 700 Dollar die Nacht – von Atlanta bis Seattle. Doch die Lage entspannt sich gerade, weil die FIFA große Zahlern geblockter Zimmerkontingente an den Markt zurückgibt, da zu solchen Extremtarifen schlicht die Nachfrage fehlte.
Wenn Sie dem Interims-US-Botschafter in Berlin, Alan Meltzer, einen Rat geben könnten, wie lautete der?
Signalisieren Sie der deutschen Bevölkerung deutlich: „Ihr seid nach wie vor herzlich willkommen!“. Es muss klar kommuniziert werden, dass keine Widerstände gegen den Tourismus existieren. Schließlich stellt der eine der wichtigsten Wertschöpfungsketten des Landes dar, an der laut U.S. Travel Association direkt und indirekt 15,8 Millionen Arbeitsplätze hängen. Damit das so bleibt, dafür braucht es eine Willkommenskultur, ganz prominent im Schaufenster.
Capital ist eine Partnermarke des stern. Ausgewählte Inhalte können Sie mit Ihrem stern+ Abo sehen. Mehr aus Capital finden Sie auf www.stern.de/capital.