Editorial Das Ende des Jugendwahns

Liebe stern-Leser!

Die Rente mit 67 ist unter den Deutschen so beliebt wie die Krätze. Für die meisten Jüngeren bedeutet sie unter dem Strich weniger Geld, wenn sie früher in den Ruhestand gehen wollen oder müssen. Für die anderen bedeutet sie eine längere Lebensarbeitszeit - wer will das schon? Und wie soll das gehen bei derzeit fast fünf Millionen Erwerbslosen?

Ein Blick auf die Alterspyramide zeigt jedoch, was heute noch unvorstellbar erscheint: Schon in zehn Jahren werden wir zu wenig junge Arbeitskräfte haben, die Alten werden dann wieder gebraucht. Deshalb täten Firmen gut daran, Abschied zu nehmen von Altersrassismus und Jugendwahn.

Erste Anzeichen für ein Umdenken sind bereits erkennbar. stern-Redakteur Markus Grill, 38, fand sie in Firmen wie MTU Friedrichshafen, die schon heute händeringend ältere Ingenieure suchen. Er traf einen Lateinlehrer, der mit 67 wieder unterrichtet, Ford-Arbeiter, die mit über 60 noch am Band stehen, und eine 70-jährige Dame aus Hamburg, die sich vor einiger Zeit mit einer Kaffeerösterei selbstständig gemacht hat, weil ihre Rente nicht ausreicht.

Die Reportage über "Die graue Revolution" lesen sie ab Seite 76. Gleich im Anschluss daran finden Sie ein ausführliches Geld-Journal zum Thema Altersvorsorge: Sechs Schritte zur sicheren Rente. Wie notwendig es ist, zusätzlich etwas anzulegen, zeigt eine Berechnung des Rentenexperten Diether Döring von der Uni Frankfurt für den stern: Demnach kann ein gesetzlich Versicherter, der heute 35 Jahre alt ist, im Jahr 2040 nur noch eine staatliche Rente in Höhe von 34 Prozent seines Bruttolohns erwarten. Das ist weniger, als die Experten der Bundesregierung immer wieder behaupten.

Mehr als 100 Millionen Menschen weltweit sind dem Sudoku-Fieber verfallen. Auch in Deutschland hat sich das Zahlenrätsel zum Volkssport entwickelt. stern-Mitarbeiter Matthias Schmidt wurde erst bei seinen Recherchen infiziert. Mittlerweile ist er aber der Sudoku-Experte der Redaktion. Für seinen Bericht über "Die Magie der Zahlen" (Seite 186) traf er unter anderem die deutsche Sudoku-Meisterin Kerstin Wöge in Berlin. In Tokio besuchte stern-Korrespondent Adrian Geiges den als "Sudoku-Papst" berüchtigten Tetsuya Nishio. Der hat das Zahlenrätsel in seiner Heimat bekannt gemacht und damit den weltweiten Durchbruch vorbereitet. Von asiatischer Gelassenheit war bei ihm freilich wenig zu spüren: Nishio ist Kettenraucher und gönnt sich abends eine halbe Flasche Scotch zur Entspannung.

Fazit der Geschichte: Das Lösen der Zahlenrätsel ist pures Gehirn-Jogging. Es verbessert die Konzentration, bringt die grauen Zellen in Schwung und macht, wenn man erst einmal die ersten Hürden genommen hat, eine Menge Spaß.

Ab sofort bringt nun auch der stern jede Woche Sudokus in vier verschiedenen Schwierigkeitsgraden: von "Bonsai" (leicht) bis "Kamikaze" (sehr schwer).

Herzlichst Ihr

Thomas Osterkorn

print

Mehr zum Thema