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Editorial: Der Mann hinter dem Amt

Liebe stern-Leser!

Joseph Ratzinger ist jetzt der mächtigste Deutsche auf dieser Erde. Als Papst Benedikt XVI. hat er Einfluss auf das alltägliche Leben von 1,1 Milliarden Katholiken.

Die Skepsis ist groß, ob er die Hoffnung vieler Gläubigen auf Reformen erfüllen kann und will. Seine rigide Haltung zu Verhütung, Zölibat und zur Rolle der Frauen in der Kirche ist bekannt. Als Leiter der Kongregation für die Glaubenslehre war er 23 Jahre lang der Zuchtmeister des Vatikan. Über den Menschen Ratzinger hingegen weiß man wenig. Wer ist dieser Mann? Wo kommt er her? Was hat ihn geprägt? Was sind seine Ziele?

Peter Seewald, der Autor unserer Titelgeschichte, ist Ratzinger so nahe gekommen wie kein anderer Journalist. Er hält ihn für eine der verkanntesten Persönlichkeiten unserer Zeit, ja sogar für einen der größten christlichen Gelehrten seit Thomas von Aquin.

Seewald, 50, war früher Redakteur beim "Spiegel", beim stern und bei der "Süddeutschen Zeitung"; heute arbeitet er als freier Publizist. 1992 besuchte er Ratzinger im Vatikan, um ein Porträt des Kardinals zu schreiben. Obwohl es kritisch ausfiel, setzte sich der oberste Dogmatiker des Vatikan 1996 wieder mit ihm zusammen. Sie sprachen über Christentum und katholische Kirche an der Jahrtausendwende und machten daraus ein gemeinsames Buch, das unter dem Titel "Salz der Erde" weltweit ein Bestseller wurde.

Seewald, der in Passau geboren wurde und heute mit Frau und zwei Kindern in München lebt, hat nicht zuletzt dadurch zum Glauben zurückgefunden. Ende 1996 trat er wieder in die katholische Kirche ein. 2000 folgte sein zweites Buch mit Ratzinger. Titel: "Gott und die Welt". Vier Tage redeten die beiden im Mutterkloster des Benediktinerordens, der Abtei Montecassino, über Glauben und Leben in unserer Zeit.

Seewald hielt über all die Jahre Kontakt zu Ratzinger, besuchte ihn im Vatikan, ging mit ihm in Rom essen und versuchte trotz allem, die notwendige Distanz zu bewahren. Seine Biografie des neuen Papstes, die er exklusiv für den stern geschrieben hat, lesen Sie ab Seite 16.

Als Ratzinger

am Dienstagabend gewählt wurde, war der letzte stern bereits im Druck. Deshalb haben wir nun das Erscheinen dieses Heftes vorgezogen. Die nächste Ausgabe des stern erscheint wegen des Himmelfahrtstags ebenfalls früher, am Mittwoch, den 4. Mai - so Gott will und nicht wieder etwas dazwischenkommt.

Herzlichst Ihr


Thomas Osterkorn

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