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Podcast "Faking Hitler": Folge 2: Die miese Masche des Meisterfälschers – wie Konrad Kujau aus alten Helmen ein Vermögen zauberte

Gestatten: Konrad Kujau, von Beruf Meisterfälscher. Er verkauft stern-Reporter Gerd Heidemann Anfang der 1980er-Jahre 62 Tagebücher von Adolf Hitler - allesamt gefälscht. Der stern-Podcast "Faking Hitler" legt die Geschichte des Presseskandals neu dar. Folge 2: Wer ist er eigentlich dieser Konrad Kujau?

"Guten Morgen Conny, hier ist Gerd", knarzt es auf den Originaltonbandaufnahmen aus den 1980er-Jahren, die die Autoren für den Podcast "Faking Hitler" ausgewertet haben. Auf Basis dieses Recherchematerials ist die "wahre Geschichte der gefälschten Hitler-Tagebücher" entstanden. In zehn Episoden erzählen die Macher, wie es zu dem größten Presseskandal in Deutschland kam. Am 25. April 1983 hatte der Stern mit großem Getöse der Welt die Hitler-Tagebücher präsentiert. Wenig später stellte sich heraus, die Bücher sind gefälscht, das Ganze ein Riesenbetrug (zu Folge 1 geht es hier).

In Folge 2 des Podcasts geht es um die Männerfreundschaft zwischen dem Fälscher und dem Reporter, die sich über die Monate entwickelt hat. Aus diesem Herrn Fischer - dem Mann, der eigentlich Konrad Kujau heißt - und Herrn Heidemann sind schon bald zwei Duz-Freunde geworden, die ein gleiches Hobby haben: das Interesse an historischen Dokumenten und anderem Rüstzeug aus der Rumpelkammer der Geschichte. Zwei Freunde, die auch voneinander profitieren wollen. Denn während der Journalist Heidemann die Story seines Lebens wittert, tut sich für den Fälscher Kujau auf einmal ein sprudelnder Geldbrunnen auf - er muss nur immer liefern.

Die Fälschungen aber sind aufwendig, das Schreiben kostet Zeit. Kujau kann die ganzen Tagebücher nicht mal eben so aus dem Ärmel schütteln. Da hilft es ungemein, dass er so gut trösten und vertrösten kann, wie auf den Tonbandaufnahmen im Podcast zu hören ist. Über Monate, am Ende über Jahre, lässt sich Kujau am Telefon eine abstruse Ausrede nach der nächsten einfallen, warum neue Lieferungen der Tagebücher immer wieder auf sich warten lassen. Und bei Reporter Gerd Heidemann scheinen auf einmal alle Instinkte zu versagen, er scheint seinem Lieferanten blind zu vertrauen. 

"Faking Hitler": Zu Besuch im Kujau-Kabinett
Ein Foto von Götz George als Gerd Heidemann in der Satire "Schtonk!". Daneben eine Requisite aus dem Film: das Glas mit dem goldenen Adler drauf, AH für Adolf Hitler. Das Kujau-Kabinett in Bietigheim-Bissingen, 20 Kilometer nördlich von Stuttgart gelegen, ist ein privates Museum, das sich ausschließlich den Fälschungen Konrad Kujaus widmet.

Ein Foto von Götz George als Gerd Heidemann in der Satire "Schtonk!". Daneben eine Requisite aus dem Film: das Glas mit dem goldenen Adler drauf, AH für Adolf Hitler. Das Kujau-Kabinett in Bietigheim-Bissingen, 20 Kilometer nördlich von Stuttgart gelegen, ist ein privates Museum, das sich ausschließlich den Fälschungen Konrad Kujaus widmet.

Wer war er eigentlich, dieser Konrad Kujau?

Kujau wurde 1938 in Löbau in der Oberlausitz, im tiefsten Sachsen, geboren. Als drittes von später fünf Kindern. Sein Vater war Schuhmachermeister, seine Mutter war Hausfrau - und mit so vielen Kindern hatte sie alle Hände voll zu tun. Kujau sagt später in einem ARD-Interview, im Oktober 1996, dass er eine wirklich schöne Kindheit hatte, trotz der Kriegswirren. Mehr über die Kindheit von Konrad Kujau und wie er zum Meisterfälscher Conny Fischer wurde, erfahren Sie in Folge 2 des stern-Podcasts "Faking Hitler", wenn Sie oben den Play-Button drücken (und auf Apple Podcasts, Spotify und Deezer).

Außerdem besuchen wir den Kujau-Experten Marc-Oliver Boger in Kujaus ehemaligem Wohnort Bietigheim-Bissingen. Im Dezember 2017 hat Boger dort das Kujau-Kabinett eröffnet, ein Museum ausschließlich mit Kujau-Fälschungen. Boger erzählt anhand einer - natürlich gefälschten - Pickelhaube, wie das System Kujau funktionierte: "Kujau hat immer irgendwo Objekte herbekommen und sie dann mit dem entsprechenden Brief einer historischen Persönlichkeit zugeordnet. Und so ist aus etwas, was 200 Mark wert war, schnell etwas geworden, was 20.000 Mark wert war." Aber wie ist Boger überhaupt zum Kujau-Kenner geworden? Das alles in Folge 2 von "Faking Hitler". (Im Player oben und auf Apple Podcasts, Spotify und Deezer. Und hier geht es zur Übersicht aller Folgen.)

Anmerkung der Redaktion: Dieser Podcast wurde am 17. Januar 2019 gegen 18:30 Uhr um eine Hörnote ergänzt.

Marc-Oliver Boger war etwa 12 Jahre alt, als er eine Schatzkarte anfertigen wollte. Aber wie trimmt man neues Papier auf alt? Von seiner Mutter bekam er den Tipp, Konrad Kujau anzurufen. Der bekannte Fälscher wohnte schließlich im gleichen Ort, in Bietigheim-Bissingen. Und tatsächlich fand Boger Kujaus Geheimnummer heraus. Und damit auch das Geheimnis, Schatzkarten anzufertigen.

Marc-Oliver Boger war etwa 12 Jahre alt, als er eine Schatzkarte anfertigen wollte. Aber wie trimmt man neues Papier auf alt? Von seiner Mutter bekam er den Tipp, Konrad Kujau anzurufen. Der bekannte Fälscher wohnte schließlich im gleichen Ort, in Bietigheim-Bissingen. Und tatsächlich fand Boger Kujaus Geheimnummer heraus. Und damit auch das Geheimnis, Schatzkarten anzufertigen.