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Angst vor Coronavirus: Kontaktsperre im Krankenhaus: Britische Eltern dürfen todkrankes Baby nicht gemeinsam besuchen

Der wenige Monate alte Arlo leidet an einem seltenen Gendefekt und könnte jeden Tag sterben. Wegen der Corona-Schutzmaßnahmen im Krankenhaus können ihn seine Eltern aber nur jeweils einzeln besuchen.

Ein Baby im Krankenhaus

Der kleine Arlo leidet an einem seltenen Gendefekt (Symbolbild)

Getty Images

Sechs Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin kam der kleine Arlo im Januar zur Welt. Das Baby leidet am Kleefstra-Syndrom, einer extrem seltenen genetischen Störung. Die ersten Wochen seines Lebens verliefen relativ ruhig, dann aber traten immer mehr lebensbedrohliche Komplikationen auf. Mittlerweile geben die Ärzte dem Neugeborenen nur noch eine sehr geringe Überlebenschance. 

Als wäre all das für die Eltern Luke und Sophie Evans nicht schon traurig genug, kam noch das Coronavirus hinzu. In dem Krankenhaus in Manchester, in dem ihr Sohn behandelt wird, sind Besuche für Eltern von kleinen Kindern zwar erlaubt. Doch aufgrund der Vorsichtsmaßnahmen kann das Paar aus der englischen Stadt Ashton sein Baby nie zur gleichen Zeit sehen. Immer nur eine Person darf am Krankenbett sein.

80 bis 90 Prozent des Gehirns beschädigt

"Wir können nicht einfach gemeinsam Zeit mit ihm verbringen", sagte Luke Evans der Zeitung "Manchester Evening News", "auch wenn das wahrscheinlich die letzte Chance sein wird, die wir bekommen." Arlo wurde zunächst beatmet, in der vergangenen Woche entschied das Paar jedoch, seinen Sohn vom Beatmungsgerät nehmen zu lassen. 

Die Ärzte hatten den Eltern danach noch eine halbe Stunde mit ihrem Sohn prognostiziert – "aber jetzt sind sieben Tage vergangen und er ist immer noch da". Dennoch haben die beiden keine Hoffnung, dass sich der Zustand von Arlo verbessern wird. 80 bis 90 Prozent seines Gehirns sind beschädigt. "Es geht nur noch darum, es für ihn angenehmer zu machen", sagte sein Vater den "Manchester Evening News".

Die Eltern sehen sich nur noch auf dem Parkplatz

Umso schmerzhafter ist es für das Paar, dass es durch die Coronavirus-Beschränkungen die verbleibenden Stunden nicht als Familie gemeinsam verbringen kann. Luke Evans und seine Frau wachen jeweils allein am Bett ihres Sohnes: Einer schläft im Krankenhaus, der andere kümmert sich zu Hause um die Tochter. Sie sehen sich nur auf dem Parkplatz vor der Klinik, wenn sie sich ablösen.  

Für die Vorgaben im Krankenhaus haben sie dennoch Verständnis. Ihre Familie hat im Internet eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, mit der sie die Behandlung des Neugeborenen und seine Beerdigung finanzieren, aber auch die Arbeit der Klinik unterstützen möchten. Unter anderem sollen mit den Spenden Geschenke für andere todkranke Kinder und deren Eltern gekauft werden.

Quellen: "Manchester Evening News" / "GoFundMe"

epp

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