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Partnersuche für Karrierefrauen: Runterschlafen ist auch keine Lösung

Die Eva Hermans sterben aus: Immer mehr Frauen machen Karriere. Allerdings bringt ein Vorteil im Job nur Nachteile in der Beziehung, denn es gibt nicht genügend Männer, die da mithalten können. Doch kann die Akademikerin mit dem Brummi-Fahrer wirklich glücklich werden?

Von Ulrike Blieffert

Es gab einmal eine Zeit, da erhörte der Chefarzt noch die Krankenschwester, die ihn anhimmelte, und heiratete sie. Sie bekam daraufhin Kinder, engagierte sich ehrenamtlich im Elternbeirat der Schule, sammelte bei Kaffeekränzchen Geld für wohltätige Zwecke, schmiss den Abend, wenn die Kollegen ihres Gatten zum Essen kamen. Eine Änderung dieses Heiratsschemas wurde deutlich, als Schwester Christa aus der Schwarzwaldklinik 1985 eine Fortbildung machte. In Nullkommanix wurde sie Ärztin und stand ihrem Professor Doktor Brinkmann bereits Anfang 1986 auf Augenhöhe gegenüber. In diesem Tempo ist es seitdem weitergegangen: 1999 gab es in Deutschland zum ersten Mal mehr Frauen als Männer an den Universitäten. Zum Weltfrauentag am 8. März meldete das Statistische Bundesamt, dass Frauen jetzt auch männliche Domänen wie Ingenieurwissenschaften erobern. Frauen sind besser ausgebildet, sie brechen seltener ihr Studium ab als ihre Kommilitonen, sie haben beste Karrierechancen. Die Frauen könnten sich freuen. Aber der real existierende Postfeminismus hat auch seine Schattenseiten.

Masochistisches Verhalten der Studentinnen

Der zukünftigen Frontfrau mit 60-Stunden-Woche wäre gedient, wenn sie es machen würde wie der Schwarzwald-Doktor (vor Christas Fortbildung) und downdaten würde. Das heißt: Sie könnte mühelos einen Mann wählen, der auf der Einkommensleiter unter ihr steht. Sie könnte dann die Familie ernähren, und er sich zumindest in Teilzeit um Haushalt und Kinder kümmern. Stattdessen kloppt sie sich,schon an der Universität mit ihren Kommilitoninnen um die wenigen gebildeten Männer.

Bei Internet-Agenturen wie Parship das gleiche Szenario. "Bei der Partnerwahl steht heute ein gemeinsamer Lebensstil im Vordergrund", erklärt Professor Heinz Bude, Soziologe an der Universität Kassel, das masochistische Verhalten, das er bei seinen Studentinnen beobachtet". Auch Männer bleiben lieber im eigenen Milieu, denn es gilt als machohaft, eine weniger gebildete Partnerin zu haben. Da braucht man schon viel Selbstbewusstsein, um dem gesellschaftlichen Druck standzuhalten." Schließlich will man nicht, dass die Freunde mit den Augen rollen, wenn sie Bru-Schetta sagt, wenn sie Bruschetta bestellt. So ist zurzeit zu beobachten, dass man in allen gesellschaftlichen Milieus - von Akademiker- bis zu Facharbeiterkreisen - gern unter sich bleibt: Alt- oder Neubau? Parkett oder Laminat? St. Barth oder Menorca? Da muss Einigkeit bestehen. Diese Einigkeit hat ihren Preis. Und im Zweifel ist es die Frau, die draufzahlt.

Windelexperten sind nicht sexy

"Die Eva Hermans sind ausgestorben", so Bude, "keine Frau will sich heute noch ihrem Mann widmen und sich in seinem Schatten ein bisschen ehrenamtlich verdient machen." Darum muss in Beziehungen, in denen zwei gleiche Partner sich beruflich wie privat verwirklichen wollen, das Zusammenleben neu geregelt werden. Bis man da etwas Passendes gefunden hat, ist man schon ein paar Jährchen im heiratsfähigen Alter. Wenn es dann um Kind und Karriere geht, versucht die Frau nicht mehr, eine traditionell männliche Position einzunehmen. Sie will beides und nimmt die Mehrbelastung in Kauf. Heinz Bude: "Frauen sind auch hier schlauer als die Männer", sie stabilisieren die Beziehung, indem sie den Spagat zwischen Chefetage und Wickeltisch meistern. Entlastung bekommen sie auch deshalb nicht, weil sich das Modell des Vollzeit-Hausmannes nicht durchgesetzt hat. Auf dem Arbeitsmarkt nicht und auch nicht auf dem Heiratsmarkt. Windelexperten sind nicht sexy.

Das Segment mit den angemessenen Partnern ist also immer kleiner geworden, und für Frauen, die aus ihrer Zielgruppe keinen abbekommen, wird es Zeit, sich nach Alternativen umzusehen - solche, an die sie noch gar nicht gedacht haben. Seit Jahrtausenden geht es in Beziehungen entweder um Geld, Bildung oder - Sex. "Da hat sich nichts geändert", sagt Bude. Weil nicht alles auf einmal zu haben ist, arrangieren sich die Frauen. In Frankreich sind laut Bude deshalb magrebinisch gemischte Männer sehr attraktiv, für Deutschland sagt er dem arabisch-stämmigen Künstlertyp einen Kursanstieg voraus. "Das sind alte Muster" erklärt der Soziologe, "nur das Spiel, mit dem man gegenseitig die Attraktivität aufrecht erhält, ist komplizierter geworden." Denn was tut die Frau des Künstlers, damit sich dieser wegen ihres höheren Einkommens nicht auf den Pinsel getreten fühlt? Sie wird ein bisschen mehr im Haushalt machen, den Attraktivitätsgewinn genießen - und beide werden darüber schweigen. Ähnliches besagt schon eine Studie des französischen Soziologen Jean-Claude Kaufmann zu Ehen, in denen die Frau mehr verdient.

Tatsache ist also, dass ein Vorteil im Job den Frauen nur Nachteile in der Beziehung bringt. Neben der Doppelbelastung müssen sie sie sich, wenn sie downdaten, auch noch um die angeschlagenen Egos ihrer Partner kümmern. Ein Skandal, den die Frauen scheinbar hinnehmen. Sind sie wieder mal schlauer und sehen großzügig über männliche Schwächen hinweg? Oder haben sie Angst, sich zu streiten? Um etwas zu ändern, müssten beide Partner das Missverhältnis nämlich erst einmal zugeben und thematisieren. "Das ist sehr schwer, hier die richtigen Worte zu finden. Man riskiert viel, wenn man das Schweigen bricht", meint Bude. Eines ist sicher: Hier sind wieder mal die Frauen gefragt.