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von-sinnen: Kerstin und Jens

Kerstin Melzer, 45, Bankangestellte, und Freund Jens Lehmann, 38, Glasermeister, aus Berlin:

SIE: An einem Sonntag bin ich ins Sportstudio gefahren. Es war eigentlich schon zu spät, aber irgendeine Kraft hat mich dorthin getrieben.

ER: Ich gehe sonst nie am Sonntag ins Sportstudio. Wir sind vom Schicksal zusammengeführt worden.

SIE: Im Spinning-Raum sehe ich ihn stehen, wie so eine Lichtgestalt. Och, das ist ja ein süßer junger Mann, denke ich. Er kommt verschwitzt raus, lächelt mich an. Da war eine Wahnsinnsenergie zwischen uns, so viel Wärme, so was Harmonisches und Vertrautes. Wenn man Liebe in sich trägt, dann passieren solche Dinge.

ER: So was habe ich noch nicht erlebt. Als ich Kerstin zum ersten Mal in ihrer Wohnung besuchte, hatte ich das Gefühl, ich komme nach Hause.

SIE: Der erste Kuss hat gekribbelt wie im Teenie-Alter. Ich war richtig aufgekratzt, mein Blutdruck war bestimmt auf 180. Ich hab innerlich gezittert. Und er hatte ganz verklärte Augen. Ich habe mal gelesen, wie man sich so verhält, wenn man einen neuen Mann kennen lernt. Den ersten Sex drei Monate hinauszögern und so. Da hat mein 19-jähriger Sohn gesagt: Mama, wer wartet denn, bitte schön, drei Monate, bis du dich herablässt? Also hab ich's nach zwei Wochen provoziert. Jens hatte ein Wellness-Wochenende gebucht. Am Tag davor war er abends bei mir, und ich zog bewusst ein enges Shirt und eine enge Hose an. Ich dachte mir, o Scheiße, wenn das nicht klappt im Bett mit dem, dann kannste das ganze Wochenende abhaken. Am meisten habe ich noch seinen knackigen Hintern in Erinnerung.

ER: Ich hab ihr immer nur in die Augen geguckt. Und war freudig überrascht, dass sie die Initiative ergriffen hat.

SIE: Natürlich hätten wir schon früher Sex haben können. Was haben wir stattdessen gemacht nach dem Abendessen: Wir haben uns Heimatfilme angesehen, ich lag in seinem Arm, und er hat mich gestreichelt. Bevor es zu heiß wurde, bin ich nach Hause. Vor dem ersten Mal hatte ich trotzdem Bammel. Es war aber von Anfang an so, als ob man sich kennen würde, alles lief so unausgesprochen. Das hat mich total umgehauen, das habe ich noch nie erlebt.

ER: Wir haben uns ohne Worte verstanden. Sie braucht gar nichts zu sagen, ich weiß, was sie denkt.

SIE: Stimmt wirklich! Neulich hatte ich den Gedanken: Doch, dich würde ich auch heiraten. Sagt er im selben Moment: Ich weiß.

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