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von-sinnen: Yvonne und Brendan

Yvonne McIntyre, 31, Informatikerin, und Brendan McIntyre, 26, Illustrator, aus Dresden

SIE: Ich wollte eigentlich nie ins Ausland, ich dachte immer, da verliert man seine Freunde. Aber dann bekam ich ein Stipendium vom Deutschen Akademischen Auslandsdienst in Brisbane. Dort habe ich mir ein Zimmer in einer WG gesucht, um Australier kennen zu lernen. Und da hat Brendan zusammen mit zwei Mädchen gewohnt. Er war mir sofort sympathisch, hatte karierte Shorts an, ein labbriges T-Shirt und ganz viele Locken. Ich dachte: So sieht ein relaxter Australier aus.

ER: Sie sah total interessant aus mit diesen hohen Wangen, ihrer trashigen Frisur mit Haarspangen. Ich wusste sofort, ich wollte mich mit dieser Frau hinsetzen und über alles reden.

SIE: Wir haben uns an diesem Abend über Sachen unterhalten, die wir beide mochten: den Film »Paris, Texas«, die Band Stereolab.

ER: Alle in der WG haben monatelang die sexuelle Spannung gemerkt. Ich wollte einen Schritt weiter, aber es kam kein Zeichen von ihr. Als ich sie mal einlud, auf dem Sofa meine Haare zu streicheln, hat sie das Zimmer verlassen. Schließlich schrieb ich ihr einen langen Liebesbrief und schob ihn unter ihrer Tür durch.

SIE: Ich dachte zuerst, er will mich mal wieder verarschen - und ich mochte ihn doch so sehr. Ich war völlig aufgelöst. Dann bin ich zur Uni, Brendan hat mich abgeholt und stand kreidebleich in meinem Büro. Wir gingen in den Botanischen Garten, setzten uns. Er ist eher hingefallen, völlig am Ende. Ich sagte: Ich hab doch gar nichts gemerkt, du hättest doch auch mal was sagen können. Dann haben wir uns geküsst, umarmt, gestreichelt.

ER: Das war sehr romantisch.

SIE: Plötzlich kamen Gewitterwolken.

ER: Ein tropischer Sturm, grüne Wolken, Donner, Blitz, eine echte Oper.

SIE: Wir lagen auf der Wiese und haben uns umarmt, es fing an zu regnen, wir waren klitschnass und durchgeweicht. Plötzlich war mir völlig klar: Der isses. Am selben Tag waren wir miteinander im Bett. Er hat mich in mein Zimmer geführt. Sein Zimmer war zu müllig und staubig. Die erste Nacht war schlimm.

ER: Ein bisschen peinlich.

SIE: Ich dachte: Aha, das isses jetzt. Die Australier: Buschmenschen. Es war nicht so, dass es nicht geklappt hat, aber es war scheiße.

ER: Ich hatte vorher keine echte Beziehung, das war der erste Sex aus Liebe.

SIE: Der Sex ist schnell besser geworden. Ich habe gesagt, so und so musst du das machen, Brendan. Die ersten Wochen und Monate kamen wir kaum aus dem Bett.

ER: Wir haben eineinhalb Monate nur zusammen gegessen und gepoppt. Es war ein Traum, ich war im siebten Himmel.

SIE: Am Anfang war ich die Aktivere. Inzwischen ist es eher klassisch geworden. Und es war am Anfang eher romantisch, erst nach zwei, drei Wochen mehr lustbetont.

ER: Es war gut, dass man kämpfen musste, sonst ist es nicht so bedeutungsvoll.

SIE: Wir haben auch gleich davon geredet, dass wir zusammen alt werden und Kinder haben wollen.

ER: Ich kannte keine australische Frau, die so was sagte. Das hat mir an ihr gefallen.

SIE: Mir war völlig klar, ich hab den Mann meines Lebens gefunden, ich werde jetzt eine Familie gründen. Nur haben wir uns plötzlich viel mehr wegen des Essens gezofft. Ich wollte nichts Scharfes, er schon.

ER: Essen war immer ein wichtiger Faktor in unserer Beziehung.

SIE: Eine Freundin hat uns dann ein griechisches Kochbuch geschenkt.

ER: Das Buch hat die Beziehung gerettet.

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