HOME

Tod eines Frühchens: Dokumentation eines zu kurzen Lebens

Die letzten Stunden von Roxanne sollte der Niederländer Bertil van Beek festhalten, die Eltern wünschten es so. Die Schwarzweißbilder, die entstanden, nennt der Fotograf "sein fotojournalistisches Meisterwerk": brutal, herzzerreißend und zärtlich.

Von Susanne Baller

Die Eltern stehen ums Krankenbett

Die friedliche Atmosphäre kann nicht darüber hinwegtäuschen: Roxanne hat nicht mehr viel Zeit. Sie kam einfach viel zu früh zur Welt. Durch ihr Bettchen auf der Frühgeborenenstation ist sie an unterstützende Geräte angeschlossen.

Er erhielt den Anruf seines Freundes und Kollegen Hans, erzählt Bertil van Beek zu den Bildern, die er vom Abschied eines zu früh geborenen Säuglings gemacht hat, "es wird nicht gut ausgehen für Roxanne", sagte Hans, der gerade Großvater geworden war. Die ganze Familie hatte sich auf das Baby gefreut, doch es kam bereits nach der 24. Schwangerschaftswoche zur Welt. Obwohl die Frühgeborenenstation alles in ihrer Macht stehende tat, war nach vier Wochen abzusehen, dass Roxanne nicht überleben konnte. 

Um die letzten Stunden ihres kurzen Lebens für immer festzuhalten, hatten sich Roxannes Eltern, Charlotte und Sebastiaan, gewünscht, dass van Beek dabei sein und Fotos machen würde. "Ich fühlte mich geehrt und zögerte keine Sekunde", erinnert sich der Niederländer. Auf der Station angekommen, bat er alle Anwesenden, dass sie ihn so gut es ging ignorierten. Sich selbst nahm er vor: "Denk nicht nach, schau einfach hin und fotografier." Hätte er sich emotional auf die Situation eingelassen, wäre er dazu wohl nicht mehr im Stande gewesen.

Die Macht der Bilder

In den folgenden Stunde entstanden 50 Schwarzweißbilder, auf die der Fotograf besonders stolz ist. "Als meine Fotos allerdings ein paar Tage später auf großer Leinwand bei Roxannes Beerdigung zu sehen waren, konnte ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten", gesteht van Beek. So wie ihm erging es auch den anderen Gästen bei der Trauerfeier. "In solchen Momenten wird dir klar, welche Wirkung deine Bilder haben können. Die Kraft für die ergreifende Serie hatte ich in erster Linie durch das Vertrauen der jungen Eltern in mich - als Fotografen und als Mensch. Dafür bin ich sehr dankbar!"

Am 24. April bekamen Charlotte und Sebastiaan ihre zweite Tochter, Alexis.

Bertil van Beek reichte seine Fotografien bei der European Imaging ans Sound Association ein - und wurde mit dem 3. Platz beim Eisa Maestro Award ausgezeichnet.