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Joop Swart Masterclass: Interview mit Lana Slezic

Lana Slezic wurde als Kind kroatischer Eltern in Kanada geboren. Seit 2 Jahren lebt und arbeitet sie in Afghanistan und dokumentiert das Leben der Frauen in dem ehemaligen Taliban-Regime.

Hallo Lana, können Sie uns sagen, wie Sie zur Fotografie kamen?
Ich kam ziemlich spät zur Fotografie, mit fast 27 Jahren. Ich studierte vorher Kinesiologie, was eigentlich nicht so viel mit Fotografie zu tun hat. Aber irgenwann kam ich an einem Punkt, an dem ich nicht zufrieden war mit dem was ich tat. Also entschloss ich mich, für ein paar Monate auszusteigen und ging nach Asien. Mein Vater gab mir eine kleine manuelle Pentax-Kamera mit und empfahl mir einfach, ein paar Fotos zu machen. Und das war es, plötzlich

wusste ich auf der Reise, was ich machen wollte. Es war einfach da dieses Gefühl. Ich denke, man muss auf seinen Körper und seine Gefühle hören, das macht die Entscheidung im Leben leichter. Viele Menschen sind auf der Suche und wissen nicht, was sie machen sollen. Das ist traurig.
Verfolgen Sie mir ihrer Fotografie ein übergeordnetes Ziel?
Ja, letztendlich möchte ich Geschichten erzählen, und zwar auf meine eigene Art. In den letzten zwei Jahren in Afghanistan habe ich gemerkt, dass es immer die eine und die andere Seite einer Geschichte gibt. Die eine Seite ist, dass Frauen in Afghanistan immer noch unterdrückt werden und in ständiger Angst leben. Aber es gibt auch die andere Seite, die Hoffnung, eine neue Selbständigkeit der Frauen. Ich brauche auch immer einen Text dazu, eine Geschichte, ich könnte nicht nur mit den Bildern leben. Das wäre irgenwie unvollständig. Ich hoffe, dass die Fotos, die ich und meine Kollegen mache, die Welt zusammenrücken lässt. Dadurch, dass wir von dem Leid aber auch der Freude anderer Menschen erfahren, können wir vielleicht ein wenig mehr Menschlichkeit spüren, für uns selbst aber auch für andere. Wir sind manchmal so von unserem Leben eingenommen, dass wir nicht mehr wahrnehmen, was um uns herum pasiert. Ich möchte Menschen daran erinnern, was es heißt, menschlich zu sein.
Gibt es einen Moment oder eine Begegnung in Ihrer fotografischen Arbeit, der sie besonders berührt hat?
Vor ein paar Monaten fotografierte ich ein Mädchen in einem Waisenhaus in Afghanistan. Sie war 11 Jahre alt und die Art, wie sie mir ihre Geschichte erzählte, machte mich einfach fertig. Als sie zwei Jahre alt war, starb ihr Vater. Mit vier Jahren heiratete ihre Mutter wieder und sie wurde verkauft und verheiratet - mit 4 Jahren. Von da wurde sie immer wieder geschlagen, bis sie dann irgendwann flüchten konnte und in diesem Waisenhaus unterkam. Sie erzählte ihre Geschichte so emotionslos und distanziert und pragmatisch, als ob sie über eine dritte Person spricht. Und auch auf den Fotos sieht sie viel älter aus, dabei ist sie erst 11 Jahre. Aber auf der anderen Seite konnte ich auch sehen, dass sie sehr intelligent und entschlossen wirkte. Ihre Augen funkelten und sie wartete nur darauf, ihr Leben zu leben, zu lernen und sich zu entfalten. Aber sie hat überhaupt nicht die Chance dazu. Das war so traurig und ich musste immer wieder an sie denken, auch als ich schon lange weg war.
Könnten Sie sich vorstellen, beruflich etwas anderes zu machen?
Nein, ich könnte nichts anderes machen. Zumindest nicht in dieser Phase meines Lebens. Ich fühle mich so priviligiert in meiner Arbeit. Menschen lassen mich in ihr Leben eintauchen mit meiner Kamera und ich fühle mich so reich durch diese Erfahrungen.
Vielen Dank für das Gespräch

www.lanaslezic.com

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