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Modefotografie: "Die Frauen wollten wieder rauschen"

Mit seinen Bildern stillte er das Fernweh und die Lust auf Glamour der jungen Bundesrepublik. Nun wird dem Fotografen F. C. Gundlach eine große Ausstellung gewidmet. Im stern erzählt er die Geschichten hinter seinen bekanntesten Motiven.

Von Dirk van Versendaal

Zu seinen Lieblingsaufträgen gehörte die Jungfernfahrt der "MS Hanseatic". 1958, das stolze Schiff verlässt den Hamburger Hafen, und F. C. Gundlach ist als Chronist mit an Bord. Leider war das Schiffsinnere noch im Bau, kein Passagier in Sicht, und so wurde die Redaktion des stern vom damaligen Chefredakteur Henri Nannen verpflichtet, als Komparserie gute Figur zwischen halbfertigen Aufbauten zu machen. Fünf Stunden Überfahrt bis nach Cuxhaven, man hatte seinen Spaß, improvisiert wurde ordentlich, aufgetischt auch, jedenfalls, bis sich plötzlich etliche Kubikmeter Wasser durch ein Loch in der Decke auf die Tische im Speisesaal ergossen. In Gundlachs Fotostrecke, die später im stern unter dem Titel "Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise" erschien, ist vom Provisorium an Bord nichts zu sehen, von der Baupanne und dem feuchten Menü nichts zu ahnen.

Alles perfekt inszenieren - so lautete Franz Christian Gundlachs Auftrag, seit er Ende der 50er Jahre innerhalb kurzer Zeit mit Fotostrecken aus der Glamourwelt zum Star der westdeutschen Modefotografie aufgestiegen war. Seinen Durchbruch hatte er in Paris und Berlin. Dort porträtierte er die Schönen und Berühmten aus Theater und Film, jene Stars, von denen man in den jungen Jahren der Bundesrepublik Deutschland träumte: Simone Signoret und Yves Montand, Gina Lollobrigida, Curd Jürgens, Romy Schneider, Hildegard Knef. Als einer der Ersten wagte er es, sie ohne Weichzeichner abzulichten, in einer Schwarz-Weiß-Welt harter Schatten, nicht als glatte Hochglanz-Helden, sondern als Persönlichkeiten. Den Magazinen, für die er arbeitete, war das häufig zu gewagt. Jederzeit gefragt dagegen war sein Gespür für die Inszenierung, sein Blick auf die Mode.

Von den Pyramiden an die Copacabana

Der geborene Hesse zog nach Hamburg und reiste fortan für verschiedene Illustrierte um den Globus. Mit seinen Modefotos vor den Pyramiden von Gizeh, am Strand der Copacabana und am Macchu Picchu lieferte er den Duft der Ferne in die Heimat. 1963 unterzeichnete er einen Exklusivvertrag mit der "Brigitte": Die Zusammenarbeit währte 18 Jahre, umfasst 5650 Seiten und rund 160 Titelbilder.

Mitte der Siebziger wurde aus dem Fotografen auch ein Sammler von Fotografie. Getreu der Überzeugung, dass "Modefotografie mehr abbilden kann als Dokumentarfotografie", setzte er sich als Kurator, Galerist und Hochschullehrer für die längst fällige Anerkennung der Fotografie als Kunstform ein. Heute ist der 81-Jährige Herr über eine der größten Sammlungen Europas; zu seinen etwa 10.000 Bildern gehören auch Werke von Richard Avedon und Irving Penn. 1999 holte er die erste "Triennale der Photographie" nach Hamburg, 2005 wurden die Hamburger Deichtorhallen auf sein Betreiben zum "Haus der Photographie" umgebaut. Dort wird vom 11. April bis zum 7. September die Retrospektive "F. C. Gundlach. Das fotografische Werk" gezeigt.

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