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Speakeasy Bars in Paris: Psst! Diese Bar versteckt sich hinter einer Waschmaschine – und ich habe sie besucht

In Paris gibt es schicke Bars an jeder Ecke. Manche sind aber so geheim, dass man Insiderwissen benötigt. Hinter einer kleinen roten Tür, der Küchentür eines Taco-Ladens oder hinter einer Waschmaschine eröffnet sich ein völlig neuer Kosmos: der zu den Speakeasy Bars. 

Tagsüber fällt das "Lavomatic" in der Rue René Boulanger im Pariser Szeneviertel Marais überhaupt nicht auf. Ein Waschsalon eben. Wäre da nicht die stylische Leuchtschrift und die Getränkekarte vor dem Eingang. Cocktails und Waschsalon – wie passt das zusammen? Die Tür geht auf, heraus kommt ein Franzose in den Dreißigern, mit einer Sporttasche um die Schulter, die ist rappelvoll mit frisch gewaschener Wäsche. Dieser Waschsalon dient also tatsächlich dem einen Zweck: Wäsche zu waschen. Viel Platz ist in dem kleinen Vorraum nicht, gerade einmal acht und Trockner sind hier aufgebaut. Aber eine Waschmaschine ist etwas Besonderes. Es ist die Nummer vier. Ihr Zweitleben offenbart sie, wenn es dunkel ist.

Nur etwa zehn Gehminuten weiter hinter einer unscheinbaren kleinen aber quietschroten Tür befindet sich ein Pariser Juwel: die Bar "Little Red Door", die zu den Top 15 der besten Bars der Welt zählt. Abends steht hier ein Türsteher, der nicht jeden rein lässt und auch nicht zu viele Gäste. Schließlich soll man es sich in der Bar richtig gemütlich machen, denn hier sind nicht nur die Cocktails von großartiger Kreativität, auch die warme Atmosphäre lädt zum Verweilen ein – zudem soll es hier die bequemsten Barhocker in ganz Paris geben. Das kann mein Hinterteil bestätigen. 

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Ein Beitrag geteilt von Héloïse Outtier (@lescahiersdhelo) am

 

Schmuddelige Tür, großartige Bar

Wer es etwas hipper, quirliger und voller mag, muss nicht weit gehen. In der Rue de Saintonge gibt es nicht nur schicke Restaurants, sondern auch einen verschlissenen Taco-Laden. Der Imbiss ist klein, eng und brechend voll, die Gäste rufen Bestellungen zu, die Kellner kritzeln diese auf vergilbte Blöcke. Es zischt, brodelt, Margaritas und Bier werden ausgeschenkt und herumgereicht. Und ein Türsteher steht vor dem Laden. Um etwa die aufgeregte Menge zu bändigen? "Boissons ou pour manger?", fragt mich der Hüne. Also Drinks oder etwas zu essen? Drinks natürlich, nur wo? Der Türsteher weist mich mit einer Handbewegung an, durch eine schmuddelige Tür zu gehen. Ist das nicht der Weg in die Küche? Und ob. Doch dahinter gibt es eine zweite Tür und plötzlich stehe ich mittendrin: in der wohl coolsten Bar in ganz Paris.

Der Kontrast zum schmuddeligen Taco-Imbiss ist immens. (Die Tacos sind trotzdem großartig.) Die Bar ist schick und mondän, aber trotzdem cool. Die Wände sind aus groben Steinblöcken, sehr rustikal, als wäre man unterirdisch in einer Katakombe. Die Cocktails haben passend zum Ambiente besondere Zutaten und Namen wie "La Llorona" mit Mezcal, Tamarindensirup, rohem Eiweiß und Sahne oder aber "El Caipora" mit Cachaca, Nussbutter, Bananensirup und BBQ-Gewürzen. 


Waschmaschine auf, Treppe hoch, genießen in Paris

Hinter der Waschmaschine Nummer vier verbirgt sich der Eingang zu einer gemütlichen Bar.

Hinter der Waschmaschine Nummer vier verbirgt sich der Eingang zu einer gemütlichen Bar.

Es ist spätabends als es mich zurück in die Rue René Boulanger verschlägt. Etwas ist anders. Vor dem Waschsalon "Lavomatic" hat sich mittlerweile eine Schlange gebildet und es steht ein Türsteher davor. Ernsthaft, ist das die Rushhour zum Wäschewaschen? Keineswegs. Denn wer hier wartet, weiß ganz genau, was sich hinter Waschmaschine Nummer 4 verbirgt, oder möchte es herausfinden. Ich auch. Nach einer kurzen Wartezeit lässt mich der Mann mit dem Knopf im Ohr in den kleinen Raum mit den Waschmaschinen. Darin dröhnen die Bässe der Musik. Doch woher kommt sie?

Ich stehe vor Waschmaschine Nummer 4 und drücke den Startknopf. Die Tür schwingt auf, nicht die Klappe der Waschmaschine, sondern eine Tür, in der die Waschmaschine wohl verankert ist. Sie gibt den Blick frei in einen dunklen Flur, in dem sich eine Treppe hinaufschraubt. Ich gehe hinein und kann meinen Augen kaum trauen: eine kleine schnuckelige Bar, mehrere Sitzgelegenheiten, Schaukeln, großartige Cocktails.

"Speakeasy Bars" – eine grandiose Erfindung

Die sogenannten "Speakeasy Bars" sind in den 1920er Jahren in den USA entstanden. Als eine Art "Flüsterkneipe" wurden während der Alkoholprohibition in den USA von 1919 bis 1933 illegale Kneipen oder Clubs bezeichnet. Ihre Existenz war aber häufig ein offenes Geheimnis. Heute verstecken sich die Speakeasy Bars in dunklen Kellern oder hinter verschlossenen Türen und profitieren von ihrem besonderen Flair. Bei vielen hilft nur Insiderwissen. Die Eingänge zu den bekanntesten Bars sind aber schnell gefunden, fragen Sie einfach die Einheimischen.

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