Der Generationenforscher Rüdiger Maas steht gerade im Mittelpunkt einer Debatte: In einem Artikel der ZEIT werden Zweifel an seiner Außendarstellung und Arbeitsweise laut, parallel wurde der viel gefragte Gen-Z-Experte nach entsprechenden Vorwürfen aus einer ZDF-Expertenliste gestrichen. Ein Strafbefehl wegen angeblichen Titelmissbrauchs wurde inzwischen zurückgenommen – juristisch ist der Vorwurf damit vom Tisch. Aber die grundsätzliche Frage bleibt: Wer spricht eigentlich über meine Generation? Und auf welcher Grundlage?
Über meine „Gen Z“ wird vermutlich so viel wie über keine andere Alterskohorte gesprochen. Wir beschweren uns über die Generationen-Debatte, andere beschweren sich über unsere Beschwerde, und irgendwo dazwischen entstehen Artikel. Ein Kreislauf, der erstaunlich zuverlässig funktioniert. Am Ende polarisieren die Generationsdebatten, und das ist eine Binsenweisheit – denn sie haben immer polarisiert. Auch die Generation X hat sich über die Millennials aufgeregt, und ganz ehrlich: Wir Gen Z meckern schon fleißig über Gen Alpha. Man muss ja früh anfangen mit der Generationenkritik.
Verrückte Idee: Man könnte die Gen Z einfach mal fragen
Dennoch halte ich es für wichtig, dass man auch die Betroffenen – also die Generationen selbst – reden lässt. Denn über sie kann man viel sagen, man kann mutmaßen und verurteilen. Das repräsentiert die Betroffenen oft falsch, und die eigene Erfahrung ist oft anders als die öffentliche Darstellung. Logisch, oder?
Hier ein Beispiel: Wenn gesagt wird, die Gen Z sei faul, ist mein erster Reflex, dass ich denke: Falsche Zielgruppe erwischt! Wir nennen das nicht Faulheit, sondern Prioritäten – Leistung wird bei uns einfach anders definiert. Was ungefähr gleich schlecht klingt, je nachdem, wer es hört.
Zwischen Bratwurst und Realität
Natürlich ist das Bild der Gen Z ungefähr so präzise wie: „Alle Deutschen essen nur Bratwurst.“ Das ist nicht nur ein Gefühl, sondern lässt sich auch wissenschaftlich untermauern. Der Organisationspsychologe Hannes Zacher von der Universität Leipzig sagt dazu in der Wochenzeitung „Die Zeit“: „Aus psychologisch-empirischer Sicht ist an Generationenunterschieden sehr wenig dran. Die wissenschaftliche Evidenz und die methodische Qualität entsprechender Studien sind äußerst fragwürdig.“ Was ich übrigens auch so beobachtet habe. Es gibt auch zwischen der Gen Z faule Leute, die nicht arbeiten wollen. Grundsätzlich gilt doch: Eine Generation ist heterogen und nicht einheitlich.
Gleichzeitig ist es schwierig, wenn wenige Personen die öffentlichen Narrative prägen. Sie deuten oftmals ganze Jahrgänge, und ich habe das Gefühl, als würden sie nicht großartig mit den betroffenen Generationen sprechen. Oder vielleicht nicht genau zuhören? Das würde Zeit sparen und komplizierte Gespräche. Und das ist das Hauptproblem.
Vor Kurzem habe ich einen Dialog mit Andrea Klemz, Expertin für Gen Z und Generationenwandel, geführt. Sie macht etwas, was nur wenige machen: Sie spricht nicht nur über die Gen Z, sie spricht mit der Gen Z – damit sie sie besser verstehen und ihre Schlüsse ziehen kann. Und genauso kann es funktionieren. Genauso können alle Seiten profitieren und besser verstehen, wie eine Zusammenarbeit funktionieren kann.
Zwischen Expertise und Etikett
Weitere Probleme sind meiner Meinung nach – wie so häufig – die Darstellung auf Social Media. Komplexität ist im Internet ungefähr so beliebt wie schlechtes WLAN. Oft gewinnt die einfache These – egal, wie falsch sie manchmal ist. Aber wenn das Resultat ist, dass eine ganze Generation verteufelt wird, finde ich das äußerst problematisch.
Zwischen Forschung und Meinung liegt heute teilweise nur noch ein gut klingender Titel und ein Kamerateam. Und manchmal reicht auch schon ein LinkedIn-Profil. Und klar: Ich habe gut reden. Ich schreibe am Ende einen Meinungsbeitrag. Der ist dann aber transparent als solcher gekennzeichnet. Wenn sogenannte Experten das machen, ist auch dies wieder einmal problematisch. Sie haben automatisch eine wissenschaftliche Autorität.
Vielleicht wäre der erste Schritt ganz simpel: weniger über Generationen reden – und einfach mit ihnen. Klingt banal, scheint aber erstaunlich schwer umzusetzen zu sein.