Papierstrohhalm und Co.
Sieben gut gemeinte Umwelt-Ideen, die im Alltag einfach nur nerven

Papierstrohhalme in Aperol
Papierstrohhalme: An sich eine gute Idee – würden sie sich nicht im Mund in wabbelige Würmer verwandeln
© IMAGO
Gut gemeint ist leider oft schlecht gemacht. So manch nachhaltige Produkte wie Papierstrohhalme erschweren den Alltag.

Der Papierstrohhalm 

Eigentlich ist es eine gute Idee, Plastikstrohhalme EU-weit zu verbieten und durch passende Alternativen zu ersetzen. Papierstrohhalme aber sind leider keine davon. Der Strohhalm wird in Verbindung mit dem Trinken und Speichel weich und beginnt sich aufzulösen. Schon nach wenigen Minuten schwimmen einzelne Papierfetzen im Mund herum, als hätte man sein Notizbuch gegessen. Alles nimmt den Geschmack von Pappe an, dabei wollte man nie wissen, wie Pappe schmeckt. Der Strohhalm verwandelt sich in einen wabbeligen Wurm, der unfähig ist, Flüssigkeit aufzusaugen. 

Besonders ärgerlich ist das bei der bei Kindern beliebten "Capri Sun", älteren Mitbürgern noch schlicht als "Capri-Sonne" bekannt. Das Unternehmen wollte der Welt – und möglicherweise seinem Ruf – etwas Gutes tun und tauschte den Plastikstrohhalm durch Papierstrohhalme aus. Das Problem: Ist das Papier nach kurzer Zeit aufgelöst, gibt es keine Möglichkeit mehr, durch das winzige Loch etwas zu trinken. Wer seine ganze Capri-Sonne trinken möchte, ist also darauf angewiesen, immer einen Umfüllbecher dabei zu haben. Sonst landet mehr als die Hälfte des Getränks womöglich im Müll. Nachhaltig ist das nicht. Das Unternehmen Capri-Sun reagiert auf negative Reaktionen der Konsumenten und steigt in der Schweiz schon wieder auf Plastikstrohhalme um. 

Die Nudel 

Ohne Zweifel ist ein Trinkhalm aus Hartweizengrieß einem aus Papier vorzuziehen, denn er hält der Feuchtigkeit deutlich länger stand. Deutlich länger heißt aber leider nicht auf Dauer. Wer länger an einer Nudel nippt hat, nun ja, irgendwann eine Nudel im Mund. Nichts gegen Nudeln, aber mit Pesto oder Tomatensoße schmecken sie wirklich besser als mit einem Iced Latte oder Moscow Mule. 

Der Deckel an der Flasche 

Nicht weniger nervig als das Gefühl eine schwabbelige, kalte Nudel oder ein durchweichtes Notizbuch im Mund zu haben ist es, beim Trinken aus der Flasche jedes Mal mit der Nasenspitze oder dem Mundwinkel an einen Deckel zu stoßen. Anscheinend kann man sich nicht darauf verlassen, dass die Menschheit die Deckel nicht verliert, deshalb hat die EU den fest angebrachten Deckel als Maßnahme beschlossen, um den Plastikmüll einzudämmen. Dann greift man eben zu Aluminiumdosen, deren Leichtmetall-Verschluss darf weiterhin weggeworfen werden. Unlogisch. 

Der Pappdeckel auf McDonald's-Getränken

Ja, sollte man sowieso nicht hingehen, weiß ich. Doch mindestens für Kinder und Betrunkene ist das Restaurant zum Goldenen M noch immer Sehnsuchtsort. Allerdings ein bisschen weniger, seit dort die Softdrinks Pappdeckel tragen, die man eigentlich nur von Kaffeebechern kennt. Bei McDonald's ist offenbar Clown Ronald für die Nachhaltigkeit zuständig. Denn die von oben einklappbare Trinköffnung besagter Deckel wird beim Trinkversuch von den Eiswürfeln im Getränk wieder zugedrückt. Funktionsfähig ist anders.  

Das waschbare Abschminkpad

Weniger Müll heißt leider nicht immer gleich bessere Ideen. Viele Frauen gehen mittlerweile dazu über, sich waschbare Abschminkpads zu kaufen, um ihr Make-up zu entfernen. Wer hierbei allerdings hygienisch bleiben möchte, müsste sein Pad nach jedem Benutzen waschen. Dann vielleicht doch lieber eine Gesichtsreinigung verwenden, ganz ohne Pad – aber daran würde die Nachhaltigkeitsindustrie leider nichts verdienen. 

Die Stoffwindel

Es gibt einen Grund, warum Menschen im Laufe der Geschichte Windeln erfunden haben. Welche Eltern bitte sollen die Zeit haben, jede volle Stoffwindel zu waschen? Ob die ganzen Waschgänge und die Anschaffungskosten nachhaltiger sind, bleibt auch zu bezweifeln. 

Die Holz-Waschbürste

Holz statt Plastik ist an sich eine gute Idee, leider aber nicht in allen Fällen praktikabel. Wer schon mal mit einer Holz- statt einer Plastikbürste einen größeren Abwasch erledigt hat, sieht immerhin nicht mehr so aus, als würde er nicht mit den Händen arbeiten. 

ame

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