Menschenraub, Erpressung, Körperverletzung: Im Streit um Schulden aus Drogengeschäften haben mehrere Jugendliche einen heute 17-Jährigen über mehrere Tage hinweg festgehalten und misshandelt. Davon war das Landgericht Hechingen überzeugt und verurteilte die Angeklagten wegen verschiedener Tatbeteiligungen zu mehrjährigen Haftstrafen.
Der Haupttäter muss unter anderem wegen erpresserischen Menschenraubes für sechs Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Fünf weitere Jugendliche erhielten Haftstrafen von zwei Jahren und neun Monaten bis zu fünf Jahren und sechs Monaten. Ein weiterer Angeklagter wurde wegen Beihilfe zu einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung verurteilt.
Zum Tatzeitpunkt waren die Angeklagten zwischen 16 und 19 Jahre alt, bei ihnen wurde daher Jugendstrafrecht angewendet. Vier der Angeklagten waren vor einiger Zeit einen sogenannten Deal mit der Staatsanwaltschaft eingegangen und hatten gestanden.
Richter beklagt zunehmende Gewalt von Jugendlichen
Der Vorsitzende Richter Volker Schwarz betonte angesichts der Schwere der Straftaten in diesem und anderen Verfahren die Entwicklung der Gewaltkriminalität bei jungen Tätern seit der Corona-Pandemie. Dabei spiele auch das Internet mit seinen virtuellen Welten eine Rolle, vermutete der Richter. Es herrsche ein bedenklicher Mangel an Rechtstreue und Empathie.
"Auf der Straße nimmt die Gewalt zu", sagte Schwarz. Viele trügen Messer mit sich. "Einhandmesser sollten verboten werden, weil sie unter bestimmten Umständen auch gezogen werden." Viele Jugendliche versuchten, das Faustrecht durchzusetzen. "Gestern Bro (Bruder), heute Opfer, morgen Täter und dann andersherum."
Der Tatablauf folgte laut der Staatsanwaltschaft einem Drehbuch, das aus einem amerikanischen Thriller stammen könnte. Es handle sich nicht um einfache Petitessen, sagte der Richter. Die Tat sei geeignet, einen Menschen zu traumatisieren. Den meisten Angeklagten, die mit Fußfesseln im Gerichtssaal saßen, attestierte er schädliche Neigungen. Einige der Angeklagten grinsten bei der Urteilsverlesung.
Jugendlicher über mehrere Tage festgehalten, geschlagen und gedemütigt
Das 17 Jahre alte Opfer wurde nach Überzeugung des Gerichts ab dem 11. April von den Angeklagten an wechselnden Orten festgehalten und erpresst. In der Nacht zum 15. April wurde er von der Polizei befreit, wo er umfassend aussagte. Vor Gericht nahm das Opfer das meiste zurück. Er habe überzogen und die Polizei habe Druck ausgeübt, sagte der 17-Jährige. Nichts von alledem sah das Gericht als gegeben an. Vielmehr sei auf Zeugen Einfluss genommen worden, von wem auch immer.
Bereits Anfang 2025 war das Opfer laut Gericht in einer Kellerwohnung geschlagen worden. Daraufhin habe dessen Familie 3.100 Euro bezahlt. Dann – am 11. April – schnappten sich die Täter den Jugendlichen erneut und brachten ihn nach Mössingen. In einem Hotelzimmer sollen sie rund 4.000 Euro gefordert sowie den 17-Jährigen bedroht und geschlagen haben.
Weil dieser das Geld nicht beschaffen konnte, sollen die Angeklagten am Abend des 13. April mit Hilfe des Mobiltelefons des Opfers einen gleichaltrigen Bekannten an eine Bushaltestelle in Haigerloch (Zollernalbkreis) gelockt und auch ihn geschlagen haben. Von ihm sollen sie 5.000 Euro gefordert haben. Dies misslang, der junge Mann floh und informierte die Polizei. Durchweg sei es darum gegangen, Schulden aus illegalen Drogengeschäften einzutreiben. "Das Martyrium hat vier Tage gedauert", sagte der Vorsitzende Richter.
Angeklagt sind eigentlich zwölf Männer. Die Kammer hat ihr Verfahren aber abgetrennt. Die Angeklagten haben ihren Wohnsitz überwiegend im Raum Mössingen/Bodelshausen und in einem Fall in Bisingen.