Der Mann hat kein Mitleid mit sich selbst: "Verblendet" sei er gewesen, "fehlgeleitet" auch, als er an Treffen der rechten "Kaiserreichsgruppe" teilnahm und die Umstürzler unterstützte. Nach Überzeugung der Generalstaatsanwaltschaft wusste der Mann aus dem Landkreis Freudenstadt von Februar 2022 an von dem Umsturzvorhaben der Gruppe.
Mitglied sei er zwar nicht gewesen, hieß es zum Prozessauftakt vor dem Oberlandesgericht in Stuttgart. Aber der 41-Jährige habe die Ziele der Gruppe geteilt. So habe der Mann unter anderem ein selbst entworfenes Formular in eine gemeinsame Chatgruppe eingestellt, um Vorschläge für mögliche spätere "Reichskanzler und Reichsverweser" zu sammeln. Im April 2022 habe er zudem an einem Treffen der Gruppe in Brandenburg teilgenommen. Der Mann ist unter anderem wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung angeklagt.
Bahn-Stellwerke für Anschläge ausgekundschaftet?
Gegen mutmaßliche Rechtsterroristen aus der "Kaiserreichsgruppe", die die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik abschaffen wollte, gab es bereits Urteile mit mehrjährigen Haftstrafen. Mit Sprengstoffanschlägen wollten sie die Stromversorgung in Deutschland wochenlang lahmlegen. Zudem wollte die Gruppe nach Angaben der Ermittler den früheren Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) entführen.
Der angeklagte Mann aus dem Schwarzwald räumte vor Gericht alle Vorwürfe ein. Die erstellten Formulare seien dilettantisch gewesen, er habe "unpopuläre und teils heftige Aussagen getätigt" und schäme sich. Aber die Corona-Zeit sei kräftezehrend gewesen, er habe seinen Kompass verloren und nicht mehr die mentale Stärke gehabt. Daher sei er "verblendet und fehlgeleitet" gewesen. Er habe schließlich erkannt, dass Vereinigungen wie die "Kaiserreichsgruppe" "egoistische Rachefeldzüge" führen und distanziere sich.