SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach hält nichts von der Entscheidung, Finanzsenator Stefan Evers auch die Verantwortung für die Kulturverwaltung zu übertragen. "Es wäre so wichtig gewesen, dass der Regierende Bürgermeister eine für die Kultur gute Lösung findet", sagte er auf dpa-Anfrage. "Stattdessen wird ausgerechnet der Finanzsenator eingesetzt, unter dem die größten Einsparungen im Kulturetat erfolgt sind."
Die Kultur sei kein Nebenjob in Berlin, erklärte Krach, der Wegner bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September herausfordert. Dafür sei sie zu wichtig für Berlin und die Strahlkraft der Stadt. "Kai Wegner selbst hat immer betont, dass sein Senat bis zur Wahl im September richtig durcharbeiten wird. Nun stellt er die Kultur unter Notverwaltung", kritisierte Krach. "Das klingt nicht nach voller Power bis zum Schluss."
Harte Kritik von der Linke
Der Berliner Linke-Fraktionsvorsitzende Tobias Schulze übte ebenfalls deutliche Kritik: "Diese Entscheidung zeigt einmal mehr, dass Kai Wegner und die Berliner CDU ein kulturpolitischer Totalausfall ist", sagte er.
"Wie wenig muss man die Kultur mögen, dass man der Kulturverwaltung ausgerechnet den Senator als Chef vor die Nase setzt, der der Berliner Kultur die härtesten Kürzungen seit Jahrzehnten verordnet hatte?" Das mache deutlich, dass Kultur beim Regierenden Bürgermeister offensichtlich keinen besonderen Stellenwert genieße.
Wegner hatte am Vormittag mitgeteilt, dass Evers auch die Leitung für die Senatskulturverwaltung übernehmen soll. Er wird damit Nachfolger von Sarah Wedl-Wilson (parteilos). Sie war als Kultursenatorin am Freitag zurückgetreten und hatte damit die Konsequenzen aus einem Bericht des Landesrechnungshofs gezogen. Er hatte die Förderung von 13 Projekten im Bereich der Antisemitismusprävention im Umfang von 2,6 Millionen Euro als rechtswidrig bewertet. Wedl-Wilson hatte die Fördermittel freigegeben.