Der Weg in die Belletage des deutschen Fußballs ist für den SV Darmstadt 98 mehr eine Fantasie denn Realität. Und dennoch überwog bei den Spielern nach dem 3:3 (2:3) gegen die SV Elversberg, das jegliche Aufstiegshoffnungen brutal begrub, der Stolz. Sie hatten in Unterzahl vehement um den Sieg gekämpft, viel Moral gezeigt. "Dieser Punkt ist, so ehrlich muss man sein, zu wenig, um noch Druck auf die ersten Drei zu machen", resümierte Coach Florian Kohfeldt nüchtern.
Die Perspektive lautet nun wohl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch mindestens ein Jahr 2. Bundesliga. Doch der Katzenjammer hielt sich bei den Hessen nach einer starken zweiten Hälfte in Grenzen, in der sie wegen einer Roten Karte gegen Patric Pfeiffer (44. Minute) dezimiert waren.
"Diese 45 Minuten haben mir erneut die starke Basis dieses Standorts gezeigt, auf der dieser Verein steht und immer sein wird. So eine Halbzeit abzuliefern, ist unfassbar toll. Wir sind über uns physisch hinausgewachsen", sagte Kohfeldt und konstatierte: "Ein unfassbar geiler Bölle-Abend."
Schuhen: "Bölle-Feeling" gehabt
Das sah auch Marcel Schuhen nach den Toren von Fraser Hornby (15./51.) und Pfeiffer (14.) sowie den Elversberger Treffern durch Tom Zimmerschied (26.), Maximilian Rohr (34.) und Lukas Petkov (45.+2.) so. "Was in der Mannschaft und auf den Rängen passiert ist, war Wahnsinn. Ich habe nach langer Zeit mal wieder so richtig Bölle-Feeling gehabt", sagte der Torwart. Der Punkt sei extrem wichtig für die Moral.
Vor dem Spiel wäre man damit nicht zufrieden gewesen, gab er zu. "Jeder kann die Tabelle lesen. Wir wollten gewinnen, wollten irgendwo noch eine Möglichkeit haben, mitzuspielen. Jetzt ist es noch hypothetischer", betonte der 33-Jährige. Aber es gebe manchmal Punktgewinne, die könnten wichtiger sein als ein Sieg. "Nicht nur für diese Saison, sondern auch für das, was noch kommen kann und mag", sagte Schuhen.
Klefisch: "Muss realistisch sein"
Diese Saison scheint gelaufen. Es müsste extrem viel passieren, damit die Hessen doch noch ins Aufstiegsrennen eingreifen können. Drei Spieltage vor Saisonende haben die Lilien als Tabellenfünfter nun 51 Punkte auf dem Konto und damit sechs Zähler Rückstand auf den Relegationsplatz, den Hannover 96 innehat. Elversberg (56) liegt nur einen Punkt hinter den Niedersachsen auf Rang vier.
"Es ist wirklich schade, bitter und traurig. Wir hätten den Fans hier gern zu Hause einen Sieg beschert, um weiter im Rennen zu bleiben. Es ist uns nicht gelungen, aber wir hören nicht auf", sagte Mittelfeldspieler Kai Klefisch. Rechnerisch sei zwar noch alles möglich und man sei dran. "Aber es wird nicht leichter. Man muss realistisch sein."