Politisch motiviert
Mehr rechte Straftaten und Hasspostings in MV

Die größte Gefahr geht nach Angaben der Behörden von rechten Straftaten aus. (Symbolbild) Foto: Stefan Sauer/dpa
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Mit insgesamt 3.360 Fällen ist die politisch motivierte Kriminalität im Nordosten erneut auf hohem Niveau. Und immer mehr Jugendliche geraten ins Visier der Ermittlungen.

Die politisch motivierte Kriminalität in Mecklenburg-Vorpommern hat im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht. 2025 wurden insgesamt 3.360 Fälle registriert, wie das Schweriner Innenministerium und das Landeskriminalamt mitteilten. Das waren 1,3 Prozent mehr als im Vorjahr (3.317 Fälle). 2024 war die Fallzahl sprunghaft um 43 Prozent gestiegen.

Deutlich mehr rechte als linke Delikte

"Die größte Gefahr geht in Mecklenburg-Vorpommern leider auch weiterhin von rechten Straftaten aus", sagte Innenminister Christian Pegel (SPD). Der Statistik zufolge begingen mutmaßliche Täter aus dem rechten Lager im vergangenen Jahr 2.282 Delikte und damit knapp 100 mehr als ein Jahr zuvor. 1.566 davon waren Propagandadelikte, 103 Gewaltdelikte.

Vergangene Woche hatte der Verein Lobbi MV von einem erneuten Anstieg und neuen Höchststand rechts motivierter Angriffe berichtet. 2025 dokumentierte der Verein 157 solcher Angriffe, sieben mehr als im Vorjahr. In rund drei von vier Fällen habe es sich um Körperverletzung gehandelt. Die Beratungsstelle unterstützt nach eigenen Angaben Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt.

Mutmaßliche Täter aus dem linken Lager begingen den Behörden zufolge zuletzt 392 Straftaten, rund 30 mehr als 2024. Meistens (209 Fälle) habe es sich in diesem Phänomenbereich um Sachbeschädigung gehandelt, 57 Mal um Verstöße gegen das Versammlungsgesetz und 17 Mal um Gewaltdelikte. Lediglich knapp 50 Straftaten wurden den Phänomenbereichen ausländische oder religiöse Ideologie zugeordnet. 

Auf hohem Niveau blieb die Zahl der antisemitischen und rassistisch motivierten Straftaten, wie es hieß. 2025 wurden demnach 544 solcher Fälle vermerkt. Im Vorjahr lag die Zahl auf ähnlichem Niveau, hatte sich seit 2021 allerdings mehr als verdoppelt.

Mehr Hasspostings im Netz

Ebenfalls zugenommen haben Straftaten im Internet und in den sozialen Netzwerken. Die Zahl der Fälle stieg im vergangenen Jahr von 670 auf 740. Damit setze sich der Aufwärtstrend der vergangenen Jahre fort. Mehr als zwei Drittel dieser Delikte seien dem rechten Spektrum zuzuordnen.

In rund 300 Fällen habe es sich um Hasspostings gehandelt. "Hass im digitalen Raum ist kein isoliertes Phänomen einzelner Kommentare. Er ist Ausdruck politisch motivierter Kriminalität und richtet sich gezielt gegen Menschen, deren Herkunft, Religion oder Identität zum Angriffspunkt gemacht wird", sagte Pegel. 

Wahlplakate beschädigt, besprüht und gestohlen 

Während des Wahlkampfes im Vorfeld der Bundestags- und Kommunalwahl wurden in MV im vergangenen Jahr demnach 1.681 Wahlplakate beschädigt, besprüht oder entwendet. Oft gebe es bei diesen Straftaten kaum Hinweise oder Spuren für die Ermittlungen. 

751 tatverdächtige Kinder und Jugendliche

Wie schon im Vorjahr lag die Aufklärungsquote bei der politisch motivierten Kriminalität nach Angaben der Behörden bei rund 45 Prozent. Insgesamt seien 2.081 Tatverdächtige ermittelt worden, mehr als die Hälfte von ihnen sei zum Tatzeitpunkt mindestens 21 Jahre alt gewesen.

Allerdings waren auch 751 Kinder und Jugendliche unter den Tatverdächtigen, die Mehrheit von ihnen (77 Prozent) mutmaßlich aus dem rechten Lager, hieß es. Wie bereits im Vorjahr stieg die Zahl der tatverdächtigen Jugendlichen im Vergleich zu anderen Altersgruppen überproportional an.

Diese Entwicklung zeige, wie groß die Gefahr ideologischer Einflüsse sei, betonte Pegel. "Besorgniserregend ist dabei die Rolle digitaler Räume, die als Beschleuniger wirken und junge Menschen frühzeitig mit extremistischen Einflüssen in Kontakt bringen." Prävention sei daher in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung zentral, ob in Bildungseinrichtungen oder im sozialen Umfeld.

dpa