Provenienzforschung
Sechs Projekte erforschen Herkunft von Museumsobjekten

Wo Kulturgüter vermeintlich jüdischer Herkunft genau herkommen, wollen Museen in Sachsen-Anhalt erforschen. (Archivbild) Foto: M
Wo Kulturgüter vermeintlich jüdischer Herkunft genau herkommen, wollen Museen in Sachsen-Anhalt erforschen. (Archivbild) Foto
© Matthias Bein/dpa
Museen, ihre Exponate und offene Fragen: In Sachsen-Anhalt gehen Forscher der Herkunft von Sammlungsstücken auf die Spur. Landesweit laufen aktuell sechs Projekte.

Bernburg (dpa/sa) -In Sachsen-Anhalt untersuchen derzeit sechs Forschungsprojekte in Museen die Herkunft von Kulturgütern in ihren Sammlungen. Ein Projekt befasst sich seit Anfang des Jahres mit 176 Objekten vermeintlich jüdischer Herkunft, wie der Museumsverband Sachsen-Anhalt anlässlich des internationalen Tages der Provenienzforschung am 8. April mitteilte. Das Vorhaben läuft demnach in 22 Museen und in Kooperation mit der Moses Mendelssohn Akademie Halberstadt.

"Fehlende Puzzleteile" in Objektbiografien

Es gehe um "fehlende Puzzleteile" in Objektbiografien von Gegenständen des jüdischen Alltags und um Dinge, die mit einem jüdischen Namen in der Museumsdokumentation stünden. Geforscht werde an Objekten, "bei denen der Verdacht besteht, dass sie in der NS-Zeit verfolgungsbedingt verkauft, abgepresst oder zurückgelassen worden sein könnten". Die Leitung habe das Halberstädter Berend Lehmann Museum für jüdische Geschichte und Kultur. 

Koordinierungsstelle seit 2019 aktiv

In einem weiteren Projekt werden Unterlagen des Landesamtes zur Regelung offener Vermögensfragen mit Unterstützung des Landesarchivs geprüft und ausgewertet. Auch die Stiftung Luthergedenkstätten Wittenberg, die Anhaltische Gemäldegalerie Dessau und die Franckeschen Stiftungen in Halle befassen sich aktuell mit Provenienzforschung, teilte der Museumsverband mit. Unter seinem Dach arbeitet seit 2019 eine Koordinierungsstelle Provenienzforschung, die Museen bei der Erforschung der Herkunft von Objekten berät. 

Zum internationalen Tag der Provenienzforschung sind laut Museumsverband sieben Veranstaltungen in Sachsen-Anhalt geplant, darunter Führungen und eine Buchpräsentation. Provenienzforschung untersucht die Herkunft und Geschichte von Kulturgütern im historischen Kontext.

dpa