Surf Club München
Streit um Eisbachwelle: "Die Verwaltung hat den Blick für die Bürger verloren"

Die provisorische Rampe an der Eisbachwelle wurde heute früh von der Feuerwehr entfernt
Die provisorische Rampe an der Eisbachwelle wurde von der Feuerwehr entfernt
© Wolfgang Maria Weber / Imago Images
Nachdem die Stadt eine Rampe entfernt hat, wächst der Ärger: Hat sie wirklich Interesse, die Eisbachwelle wiederherzustellen? Surfer nennen das Vorgehen "absurd".

Herr Malsy-Mink, an den Weihnachtsfeiertagen wurde von Unbekannten eine Rampe in den Eisbach gebaut, um die Welle wieder zum Leben zu erwecken. Wer war daran beteiligt?
Das weiß ich nicht. Es war keine offizielle Aktion, weder vom Surf Club München noch von der IGSM, der Interessengemeinschaft Surfen in München.

Wie steht der Surf Club München zu dieser Aktion?
Auf der einen Seite begrüßen wir jede Initiative, die zeigt: Wenn man will, funktioniert es. Das ist die Botschaft an die Stadt. Auf der anderen Seite erschwert es die Situation, wenn man parallel in konstruktiven Gesprächen sitzt, auch wenn diese zuletzt abgebrochen wurden. Trotzdem "Daumen hoch" für den Einsatz.

© privat

Zur Person

Maximilian Malsy-Mink, 49, ist Mitglied im Surf Club München und kümmert sich dort um die Pressearbeit. Er lebt in München und surft seit 17 Jahren

Zuvor wollte der Surf Club München einen Antrag für einen offiziellen Einbau stellen. Aus Frust über die Auflagen der Stadt haben Sie diesen wieder zurückgezogen. Welche konkreten Auflagen waren aus Ihrer Sicht besonders unrealistisch oder nicht praktikabel?
Der Antrag wurde gemeinsam mit der IGSM und Professor Staude von der FH erstellt, der die physikalischen Berechnungen übernommen hatte. Die Stadt hat uns jedoch mit Auflagen überhäuft, die teils absurd waren. So hätten wir etwa eine Aufsichtspflicht erfüllen und 24 Stunden am Tag erreichbar sein müssen, um bei Rettungen zu helfen. Außerdem sollte es eine dreimonatige Testphase mit Surfverbot geben, in der eine laufende Welle niemandem zur Nutzung erlaubt gewesen wäre. Auch die Auflage, ein statisches Gutachten für die Prinzregentenbrücke, über die täglich Tausende Autos fahren, einzuholen, machte das Ganze lächerlich. Am Ende war klar: Die Stadt suchte keine Lösung, sondern versuchte, das Projekt mit Vorschriften zu verhindern.

Die illegal eingebaute Rampe wurde kurz nach dem Einbau von der Feuerwehr wieder entfernt. Sie sprachen von einer "Kampfansage der Stadt an uns Surfer". Das klingt, als verhärteten sich die Fronten immer mehr.
Ja, das war ein übergriffiges Vorgehen. Die Stadt hätte die Chance gehabt, das Thema pragmatisch zu lösen, indem sie die Rampe über die Feiertage duldet und beobachtet. Stattdessen wurde sofort gehandelt, angeblich aus Lebensgefahr. Das ist absurd. Vielmehr war der Feuerwehreinsatz im Eisbach lebensgefährlich. Aus meiner Sicht sollten die Einsatzkräfte zur Weihnachtszeit vielleicht auch andere Prioritäten haben. Diese Reaktion zeigt, dass Kontrolle und Bürokratie wichtiger sind als Eigeninitiative. Die jahrzehntelange Surfkultur in München scheint der Verwaltung egal zu sein, was viele Menschen empört.

In der Debatte spielt auch der tödliche Unfall einer Surferin im Frühjahr eine Rolle. Denken Sie, dass die Stadt ohne dieses tragische Ereignis, auch so streng vorgehen würde?
Nein, ich glaube nicht. Fairerweise muss man aber auch sagen: Der Fall ist abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft hat entschieden, und die Stadt hat eine neue Allgemeinverfügung erlassen, die das Surfen ausdrücklich erlaubt. Trotzdem wurde zuletzt so stark gebaggert, dass die Welle nicht mehr läuft. Eine Rampe wäre die einzige kurzfristige Lösung, bis sich das Sediment wieder stabilisiert hat. Das wissen alle. Nur die Stadt tut so, als wäre das gefährlich. Sie weigert sich, diesen pragmatischen Weg zu gehen. Anstatt den Dialog mit den erfahrenen Surfern und Fachleuten vor Ort zu suchen, werden externe Gutachten in Auftrag gegeben – etwa in Hamburg, wo man mit der tatsächlichen Situation hier in München wenig vertraut ist. Das kostet nicht nur Steuergeld, sondern verzögert auch jede sinnvolle Lösung.

Warum, glauben Sie, agiert die Stadt so?
Ich glaube, man muss Politik und Verwaltung klar unterscheiden. Auf politischer Ebene gibt es durchaus Verständnis und Gesprächsbereitschaft. Auf Verwaltungsebene – sei es im Bau-, Wasser- oder Wirtschaftsreferat – scheint jedoch der Blick für die Bürgerinnen und Bürger völlig verloren gegangen zu sein. Dort geht es nur noch darum, Vorschriften abzuarbeiten, Prozesshandbücher zu erfüllen und jedes Risiko zu vermeiden. Bürgernähe, Pragmatismus oder gesunder Menschenverstand spielen dabei kaum noch eine Rolle. Ein Satz von Christian Heindl vom Wasserreferat bringt das gut auf den Punkt: Nachdem die Rampe entfernt worden war, sagte er, alles sei nach Vorschrift gelaufen. Genau das ist das Problem. Vorschriften ersetzen kein Denken. Die Verwaltung schafft so viele Hürden, dass am Ende niemand mehr etwas wagt oder umsetzt. Das führt uns in eine Sackgasse.

Wird die Stadt München überhaupt eine dauerhafte Lösung finden?
Auf Verwaltungsebene sehe ich aktuell keine Chance. Dort herrscht bloßes Regeldenken. Auf politischer Ebene gibt es dagegen Hoffnung. Man hat ja gesehen, wie unterschiedlich beide Ebenen agieren. Nachdem die Rampe entfernt wurde, erklärte die dritte Bürgermeisterin Verena Dietl, die derzeit den Oberbürgermeister Dieter Reiter vertritt, sie sei über den Einsatz der Feuerwehr nicht informiert gewesen und unterstütze ihn auch nicht. Das zeigt deutlich, dass die Verwaltung ihre eigene Suppe kocht. Das ist bedenklich. Wir werden nicht aufhören, für die Welle zu kämpfen. Wenn es sein muss, werden wir wieder Protestaktionen durchführen, wie wir es schon 2010 getan haben. Es kann nicht sein, dass etwas so Einzigartiges wegen einiger Vorschriften und Verwaltungsentscheidungen verloren geht. Die Verhältnismäßigkeit ist schlicht nicht mehr gegeben.

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