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Asthma: Mit Blasinstrumenten gegen Atemnot

Kinder und Jugendliche mit Asthma können ihre Lunge stärken, wenn sie ein Blasinstrument spielen. Dadurch brauchen sie weniger Asthmamedikamente und gewinnen an Selbstvertrauen.

Von Martina Janning

Das Spielen eines Blasinstruments kann die Lunge stärken

Das Spielen eines Blasinstruments kann die Lunge stärken

Viele Eltern haben Angst, ihr asthmakrankes Kind körperlich zu überfordern, dies gilt auch für das Erlernen eines Instrumentes. Gerade Blasinstrumente meiden Eltern und asthmakranke Jugendliche, da sie fürchten, damit die überempfindlichen Bronchien des Asthmakranken zu reizen und damit einen Anfall auszulösen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall: "Gerade Oboe, Trompete und Klarinette stärken die Lunge, dies belegen eine Reihe von Studien", erläutert Lungenfacharzt Michael Kreuter von der Universitätsklinik Heidelberg.

Eine starke Lunge braucht weniger Medikamente

Es habe sich gezeigt, dass Asthmakinder, die über einen Zeitraum von mehreren Jahren regelmäßig zwei bis drei Mal pro Woche ein Blasinstrument spielen, ihre Lungenfunktion im Vergleich zu Nichtbläsern deutlich verbessern konnten, berichtet Kreuter, der die vorhandenen Untersuchungen zum Thema ausgewertet hat. Demnach steigert das Musizieren die physische Leistungskraft; die jungen Patienten erleiden wegen ihrer besser trainierten Atemmuskulatur weniger Atemnotanfälle. Auch die anfallartige Verschlechterung der Asthmaerkrankung, die sogenannten Exazerbationen, werden seltener.

Asthmakranke Kinder mit "Bläser-Training" bräuchten auch weniger Notfallmedikamente und die Dosis von regelmäßig eingenommenen Arzneimitteln könne sich verringern. Der Lungenexperte geht davon aus, dass das Spielen von Blasinstrumenten bei endogenem und allergischem Asthma gleich gut wirkt. In den vorhandenen Studien wurde dies nicht untersucht.

Weniger Angst vor der Atemnot

Das Musizieren auf Blasinstrumenten hat aber auch einen psychologischen Nutzen: Besonders asthmakranken Jugendlichen gebe es Selbstvertrauen, so dass sie ihre Erkrankung auch psychisch besser bewältigen können. Und sogar durch Asthma bedingte Verformungen des Skeletts, die sogenannte Trichterbrust, bildete sich bei jugendlichen Bläsern im Laufe der Jahre zurück. Die Studienergebnisse sind so eindeutig, dass auch die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin jungen Asthmatikern das Musizieren auf Blasinstrumenten empfiehlt.

Trompete besser als Tuba

„Während bei den tiefen Blechbläsern, wie zum Beispiel Tuba, relativ niedrige Anblasdrücke ausreichen, um einen Ton zu erzeugen, erfordert das Spielen einer Oboe oder Klarinette das Erzeugen höherer Luftdrucke – und erzielt damit auch einen größeren Trainingseffekt für die Atemmuskulatur.“ Aber schon das Spielen einer Blockflöte wirke sich positiv aus, sagt der Lungenfacharzt.

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