Schlaf-Apnoe "Ich atme nachts nicht richtig"


Viele Menschen haben nächtliche Atemaussetzer - häufig ohne es zu merken. Die Gefahren für die Gesundheit sind erheblich.

"Der Schock kam am Frühstückstisch: 'Du hältst nachts immer die Luft an", sagte meine damalige Freundin. Mir ist fast das Brötchen im Hals stecken geblieben. Ich wusste zwar, dass ich schnarche - dass ich aber nachts angeblich nicht atme, hat mich furchtbar erschrocken. Ich bin gleich zum Hausarzt gegangen, der hat mich zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt überwiesen und der wiederum ins Schlaflabor. Dort wurde dann festgestellt: Ich habe nachts tatsächlich bis zu drei Minuten lange Atemstillstände, eine Schlaf-Apnoe.

Davon hatte ich überhaupt nichts geahnt. Andere Patienten bemerken die Krankheit, weil sie tagsüber sehr müde sind. Aber ich arbeite im Schichtdienst und kann mich auch am Tag mal hinlegen - deshalb war mir mein schlechter Schlaf nie aufgefallen.

Nach der Diagnose wurde ich zunächst operiert, denn meine Nasenscheidewand stand schief und behinderte die Atmung. Anschließend habe ich eine Schlafmaske bekommen, durch die ich während der Nacht beatmet werde. Das Gerät ist kleiner als ein Schuhkarton, es steht neben meinem Bett und kommt auch in jeden Urlaub mit.

Am Anfang hatte ich große Schwierigkeiten mit der Beatmung. Ich musste erst einige Geräte ausprobieren, bis ich eines fand, mit dem ich zurechtkam. Aber inzwischen, nach acht Jahren, kann ich ohne Maske gar nicht mehr schlafen. Meine jetzige Frau wusste von Anfang an, dass ich auf die Schlafmaske angewiesen bin. Für sie war das nie ein Problem, das gehört einfach zu mir dazu."

Dr. Thorsten Schäfer von der Ruhr-Universität Bochum rät: Durchatmen mit der Maske

Kein Atemzeichen. Keine Bewegung. Kein Ton. Eine halbe Minute lang ..., eine Minute ..., noch eine ... Wie tot liegt der Schläfer da. Bis er, endlich, mit gurgelndem Röcheln wieder Luft bekommt. Patienten mit Schlaf-Apnoe sind rekordverdächtig beim Luftanhalten (Apnoe heißt Atemstillstand). Oft stockt ihnen der Atem nachts minutenlang, mehrmals in jeder Stunde. Etwa drei Prozent der Deutschen sind betroffen, meist Schnarcher. Gefährlich ist vor allem unregelmäßiges Sägen: "Drei, vier laute Schnarcher, dann eine halbe Minute Ruhe - so ein Rhythmus weist auf eine Schlaf-Apnoe hin", sagt Thorsten Schäfer, der an der Ruhr-Universität Bochum Atmungserkrankungen erforscht.

Die Betroffenen sind im Schlaf enormem Stress ausgesetzt: "Der Körper ist durch den Sauerstoffmangel ständig im Alarmzustand, schüttet vermehrt Stresshormone wie Cortisol oder Adrenalin aus. Der Schlaf wird leichter - irgendwann hat man kaum noch Tiefschlafphasen", so Schäfer.

Bluthochdruck, ein höheres Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle sind die Folge. Eine neuere Studie aus den USA zeigt sogar, dass beim nächtlichen Luftanhalten Nervenzellen absterben, die für das Lernen besonders wichtig sind. Und: Viele Betroffene sind tagsüber wahnsinnig müde und haben Konzentrationsprobleme - wenn nicht der Partner Alarm schlägt, ist das oft der einzige Hinweis auf die Schlafstörung.

Männer und Übergewichtige sind zwar überdurchschnittlich oft von Schlaf-Apnoe betroffen. Doch auch Normalgewichtige und Frauen, vor allem nach den Wechseljahren, können unter den Aussetzern leiden, ja sogar Kinder.

Meist sind die oberen Atemwege im Rachen verengt - durch weiches Gewebe, Fettablagerungen oder aufgrund eines ungünstigen Körperbaus. "Wer dann noch im Schlaf entspannt auf dem Rücken liegt, dem rutscht die Zunge nach hinten und die Atemwege sind völlig zu", erklärt Schäfer. "Das ist wie ein Stopfen im Rachen - es geht keine Luft mehr durch." Der Schläfer versucht, gegen die Verstopfung zu atmen, schreckt unbewusst auf, die Muskelspannung nimmt wieder zu, und mit einem lauten Schnarcher sprengt er die Atemwege wieder auf.

Behandelt wird Schlaf-Apnoe meist mit einem Überdruckgerät. Das funktioniert wie ein umgekehrter Staubsauger: Es bläst kontinuierlich Raumluft in die Nase des Schläfers. "Dadurch wird der Rachen aufgeblasen, die Enge wird überwunden", erklärt Schäfer. Die Geräte wirken schon nach der ersten Nacht, manchmal ist es aber schwierig, aus den mehr als 50 verschiedenen Modellen das passende zu finden. Bisweilen sind Operationen notwendig, wenn die Atmung behindert ist und das Gerät sonst nicht richtig funktionieren würde.

Erste Anlaufstelle ist ein Lungenfacharzt, ein Internist oder der Hals-Nasen-Ohren-Arzt. "Die Diagnose wird heute meist mit tragbaren Messgeräten gestellt: Sie messen während einer Nacht im heimischen Bett beispielsweise die Sauerstoffsättigung im Blut und zeichnen die Werte auf", erläutert Schäfer. Besteht danach der Verdacht auf eine Schlaf-Apnoe, überweist der Arzt den Patienten meist an ein schlafmedizinisches Zentrum. Ist der Fall eindeutig, kann mitunter auch sofort die Suche nach einem geeigneten Beatmungsgerät losgehen.

"Wenn der Schlaf trotz der Atemstillstände erholsam ist, würde ich allerdings erst einmal zur Gelassenheit raten und mir keine Sorgen machen", rät Schäfer. Kinder müssen aber in jedem Fall behandelt werden, denn bei ihnen drohen schlechte Schulnoten und Entwicklungsnachteile durch die nächtlichen Atempausen. Ihnen hilft meist eine Operation.

Nicht alle Atemstillstände im Schlaf verraten sich durch Schnarchen: Bei der zentralen Schlaf-Apnoe gerät das Atemzentrum im Hirn aus dem Takt, der Befehl zum Luftholen bleibt eine Zeit lang aus, ohne dass der Schläfer schnarcht. Sie wird ebenfalls mit Atemmasken behandelt, allerdings mit Geräten, die richtig beatmen und nicht nur den Rachen aufpusten.

"Regelmäßiges Schnarchen dagegen ist harmlos", sagt Thorsten Schäfer. Wenn auch nicht unbedingt für deren Bettpartner: Schnarcher lärmen mit bis zu 90 Dezibel, eine Kettensäge röhrt nur 10 Dezibel stärker.

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