Erektionsstörungen Penis aus der Retorte


Für Männer mit Erektionsstörungen gibt es neue Hoffnung: US-Forschern ist es gelungen, Kaninchen mit einem funktionstüchtigen Penis aus künstlichen Gewebe auszustatten. Die Methode könnte auch bei Menschen funktionieren.

Amerikanischen Forschern ist es gelungen, Kaninchen mit einem voll funktionsfähigen künstlichen Penis auszustatten. Dazu züchteten sie aus körpereigenen Zellen ein für jedes Tier maßgeschneidertes Schwellkörpergewebe und ersetzten damit anschließend den natürlichen Schwellkörper des Penis. Bereits nach einem Monat war das künstliche Geschlechtsteil nach Angaben der Wissenschaftler voll einsatzbereit: Die Kaninchen bekamen Erektionen, konnten den Geschlechtsakt vollziehen und zeugten gesunde Nachkommen.

Erektionsstörungen heilbar?

Die Methode, mit der das Team um Anthony Atala bereits funktionierende menschliche Harnblasen künstlich erzeugt hat, könnte in Zukunft helfen, schwere Erektionsstörungen zu heilen. Über die Arbeit der Forscher von der Wake-Forest-Universität in Winston-Salem berichtet der Online-Dienst des Wissenschaftsmagazins "New Scientist".

Schätzungen zufolge leidet etwa die Hälfte aller Männer zwischen 40 und 70 Jahren an Erektionsstörungen, von denen jedoch ein Großteil mithilfe von Medikamenten oder Psychotherapien behandelt werden kann. Ist allerdings das schwammartige Gewebe des Schwellkörpers, der sich bei einer Erektion normalerweise mit Blut füllt, geschädigt, helfen diese Ansätze nicht mehr. In einem solchen Fall muss das vernarbte Gewebe entfernt und ein Implantat eingesetzt werden, das entweder bei Bedarf aufgepumpt werden kann oder dem Penis eine ständige Steifheit verleiht. Beide Methoden haben jedoch den Nachteil, dass eine natürliche Erektion nicht mehr möglich ist.

So gut wie neu

Um dennoch genau das ermöglichen zu können, entnahmen Atala und sein Team den Kaninchen Muskel- und Gefäßzellen aus dem Schwellkörper und verpflanzten diese auf ein Gerüst aus dem Bindegewebsprotein Kollagen. Dieses Gerüst war genau wie die natürlichen Schwellkörper der Tiere röhrenförmig und so konstruiert, dass die darauf wachsenden Zellen das typische schwammartige Gewebe bildeten. Die neuen, künstlichen Schwellkörper setzten die Forscher schließlich in die Penisse der Kaninchen ein, nachdem sie zuvor das ursprüngliche Gewebe vollkommen entfernt hatten.

Als die Forscher die Tiere etwa einen Monat nach dem Eingriff mit ein paar Weibchen zusammenbrachten, zeigte sich, dass das neue Gewebe fast genauso gut arbeitete wie die ursprünglichen Schwellkörper: Der Blutdruck während der Erektion war praktisch normal, und auch die Spermaproduktion und -weitergabe funktionierte problemlos.

Abstoßung fast ausgeschlossen

Die Wissenschaftler hoffen nun, mit ihrer Methode bald auch maßgeschneiderte menschliche Schwellkörper züchten zu können. Damit könnte auch Männern mit angeborenen Fehlbildungen geholfen werden oder solchen, die ihre Erektionsfähigkeit aufgrund einer Krebserkrankung verloren haben. Da das neue Gewebe aus den körpereigenen Zellen der Patienten bestehe, sei eine Abstoßung praktisch ausgeschlossen, berichten die Forscher.

DDP DDP

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