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Kinderzähne in der Klammer

Zahnklammern sind zwar nicht gerade schön. Später wird sich das Kind aber über eine perfekte Gebissreihe freuen. Neu sind fast unsichtbare Plastikschienen, die das Kind leicht herausnehmen kann.

Eine gründliche Reinigung ist auch bei losen Klammern Pflicht

Eine gründliche Reinigung ist auch bei losen Klammern Pflicht

Sobald die ersten bleibenden Zähne schief wachsen, kann Ihr Kind eine Klammer bekommen. In dieser Phase wächst der Kiefer, Fehlstellungen können daher leicht korrigiert werden. Im Durchschnitt sind Kinder etwa neun bis elf Jahre alt, wenn sie ihre erste Spange tragen.

Die Kieferorthopädin wird eine herausnehmbare Zahnspange empfehlen, wenn die Zähne zu weit nach innen oder zu weit nach außen wachsen, wenn der Ober- oder der Unterkiefer zu eng sind und die neuen Zähne deshalb keinen Platz finden oder wenn der Kiefer vor- oder zurückgedrängt werden soll. Eine Klammer kann auch dann sinnvoll sein, wenn Ihr Kind schon im Vorschulalter Probleme mit dem Beißen hat - zum Beispiel, weil es einen Kreuzbiss hat.

Für Erwachsene eignen sich hingegen keine herausnehmbaren Spangen: Nur fest sitzende Klammern können Zahnwurzeln oder ausgewachsene Kiefer noch beeinflussen.

Eine Spange wirkt nur dann, wenn Ihr Kind sie regelmäßig trägt, zum Beispiel nachmittags und nachts. Etwa 12 bis 18 Stunden täglich müssen es sein. Will Ihr Kind essen oder Sport treiben, kann es die Klammer herausnehmen. Bis sich Ihr Kind an die Spange gewöhnt hat, kann etwa eine Woche vergehen. In dieser Phase ist es normal, dass die Klammer nachts ab und zu aus dem Mund fällt.

Drei Arten von Klammern

Lose sitzenden Spangen bestehen meist aus einem Plastikstück, in das bogenförmige Drähte eingelassen sind. Diese Bügel drücken einzelne Zähne in die gewünschte Richtung. Manche Klammern können Sie - nach Absprache mit dem Arzt - selbst nachziehen: Kleine Schrauben erhöhen den Druck auf die jeweiligen Zähne. Diesen Typ von Klammer nennen Fachleute aktive Platte. Sie sollte fest im Mund sitzen und beim Sprechen oder Lachen nicht verrutschen.

Spangen, die gleichzeitig auf den Ober- und Unterkiefer Druck ausüben können, nennen Mediziner Aktivatoren. Diese Klammern korrigieren die Position der beiden Kieferhälften zueinander und können vorstehende Vorderzähne wieder zurück in Reih und Glied holen. Aktivatoren liegen locker im Mund, sind ziemlich groß und stören beim Sprechen. Die meisten Kinder tragen sie deshalb nur in der Nacht.

Invisalign - eine fast unsichtbare Spange

Seit 2001 ist in Deutschland eine neue Art herausnehmbarer Zahnspangen zugelassen: die Invisalign-Klammer. Ihr Name leitet sich ab vom englischen "invisible" für unsichtbar und von "align", englisch für: in eine Linie bringen. Sie besteht aus durchsichtigem Plastik, das die Zähne umhüllt. Die Schienen aus Kunststoff können nicht ganz so stark auf Zähne und Kiefer drücken wie herkömmliche Klammern, daher eignet sich Invisalign nur für leichte bis mittelschwere Probleme.

Das Plastik ist starr und kann dem fortschreitenden Erfolg der Korrektur nicht angepasst werden. Deshalb müssen Sie damit rechnen, dass der Kieferorthopäde alle zwei Wochen neue Kunststoff-Schienen anfertigen muss. Bei leichten Korrekturen reichen etwa15 bis 30 Spangen, wenn Sie Pech haben, muss der Arzt bis zu 60 Stück herstellen.

Invisalign-Schienen sind für Kinder und Erwachsene geeignet. Sie sollten täglich mindestens 22 Stunden getragen werden. Wollen Sie essen, können Sie das Plastik problemlos herausnehmen. Bevor Sie es wieder einsetzen, sollten Sie Ihre Zähne aber putzen, sonst entsteht schnell Karies. Anders als herkömmliche Spangen müssen Sie die Klammer komplett selbst bezahlen.

Was ist besser: lose oder fest?

Ob für Ihr Kind eine lose oder eine fest sitzende Spange besser ist, hängt vom Problem ab: Meist reicht eine herausnehmbare Klammer aus, um schief wachsende Zähne zu korrigieren. Soll die Klammer die Lage der Zahnwurzeln verändern, wird der Arzt eine festsitzende Klammer empfehlen. Beide Methoden haben Vor- und Nachteile:

Die Vorteile einer herausnehmbaren Zahnspange: Sie lässt sich leicht reinigen, sie schadet Zahnwurzeln und Gewebe nur selten und sie ist vergleichsweise günstig. Zudem kann Ihr Kind sie herausnehmen: Das beugt Verletzungen beim Sport vor.

Die Nachteile einer herausnehmbaren Zahnspange: Sie kann leicht verloren gehen, und sie stört beim Sprechen. Die Korrektur dauert länger als mit einer festsitzenden Klammer. Zudem müssen viele Kinder nach einer losen Spange trotzdem noch eine feste tragen.

Die richtige Pflege

Weil in den herausnehmbaren Klammern viele Drähte sitzen, können sich dort leicht Speisereste verfangen. Und am Plastik entsteht, genau wie an den Zähnen, Belag, den Ihr Kind regelmäßig wegputzen muss. Reinigungstabletten allein reichen nicht aus.

Ihr Kind sollte die Spange unter fließendem, lauwarmem Wasser putzen: mit einer Zahnbürste und Zahnpasta. Alle Spalten und Vertiefungen, Drähte und Stellschrauben sollten sauber sein.

Beläge, die nicht weggehen wollen, lassen sich mit Essig entfernen. Mischen Sie dafür zwei Teile Wasser und einen Teil Essig und legen Sie die Klammer hinein. Danach gründlich abspülen. Auf dem Kunststoff sollten keine weißen Ablagerungen zu sehen sein, alle Metallteile sollten glänzen.

Im Übrigen sollten Sie oder Ihr Kind die Spange nur am Plastik anfassen, nicht an den Drähten. Bei zu starkem Druck können sich sonst die Bügel verbiegen.

Wann die Kassen zahlen

Die Krankenkassen bezahlen eine Klammer, wenn sie medizinisch notwendig ist und wenn die Behandlung vor dem 18. Lebensjahr begonnen wurde. Die Kasse übernimmt beim ersten Kind zunächst 80 Prozent der Kosten, beim zweiten Kind sind es 90 Prozent. Den Rest der Behandlung müssen Sie erst einmal selbst bezahlen. Diesen Eigenanteil bekommen Sie zurück, sobald die Behandlung erfolgreich abgeschlossen ist.

Grundsätzlich gilt: Die gesetzliche Krankenkasse bezahlt, was zweckmäßig, ausreichend und nicht zu teuer ist. Das können - je nach Spange - zwischen 4000 und 15000 Euro sein. Herkömmliche, lose sitzende Spangen werden in der Regel erstattet. Teurere Klammern wie etwa die Invisalign-Spange müssen Sie selbst bezahlen. Bei den privaten Krankenversicherungen gibt es erhebliche Unterschiede. Fragen Sie nach, ob Ihre Versicherung die geplante Behandlung übernimmt.

Viele Jugendliche tragen die Spange nicht so oft, wie sie sollten. Dadurch dauert die Behandlung länger. Dann besteht die Gefahr, dass die Krankenkasse den von Ihnen gezahlten Eigenanteil nicht erstattet. Sie bezahlt die Kosten nur bis zum 18. Lebensjahr.

Nina Buschek
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