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"Rayman Raving Rabbids: TV Party": Der Häschenwitz wird alt, zieht aber noch

Im dritten Teil der Minispiel-Serie sorgen Raymans rasende Hasen für Fernsehunterhaltung der abgefahrenen Art.

Die umschließende Klammer für die Partyspiel-Sammlung ist diesmal das Fernsehen. Durch einen Blitzeinschlag ist die Hasenschaar in Raymans Fernseher gefangen und dieser gezwungen, das trashige Unterhaltungsprogramm der Langohren anzusehen. So sind die einzelnen Spiele wie in einer Programmzeitschrift nach Tagen und Zeiten geordnet. Für jeden Zuschauergeschmack ist etwas dabei - von Trash und Macho TV über Sport- und Shopping-Kanäle bis hin zu Filmklassikern. Dass der Geschmack der hasenschartigen Programmmacher den selbsternannten Fernsehkritiker Marcel Reich-Ranicki in seinen Vorurteilen bestärken würde, versteht sich für Kenner der Spielreihe quasi von selbst. Was im Fernsehen aber seichte Unterhaltung, billige Gags und nervige Protagonisten wären, ist in Spielform äußerst unterhaltsamer Partyspaß. Nicht zuletzt, weil Fernsehklischees bewusst aufs Korn genommen werden und Seitenhiebe auf bekannte Formate und Stars deutlich erkennbar sind.

Die Minispiele sind - wie das reale Fernsehprogramm - öde bis originell, alles in allem aber haben sie nicht das Zeug zum Quotenrenner. Die aus den Vorgängern bekannten Schütteleinlagen zum Takt von parodierten Songs hätte man sich sparen können, und auch bei einer Art "Deutschland sucht den Superhasen", wo vor einer Jury getanzt wird, weiß man nie, ob man mit seinen Bewegungen richt liegt.

Richtig komisch sind dagegen ein paar andere Mini-Games ausgefallen. So muss der Spieler als Armee-Hase im Wettbewerb mit anderen Rekruten die Morgentoilette als Erster erledigen. Dabei wird die Wii Mote nacheinander wie ein Deoroller, Rasierer, Ohrstäbchen und eine Zahnbürste bewegt. Statt "Raab in Gefahr" gilt Hase in Gefahr, wenn dieser im freien Fall vom Hochhausdach auch noch Bilder malen soll. Ebenfalls im Programm: eine Lore als Fluchtfahrzeug, Rasenmäher als Hubschrauberersatz, ein Bügelbrett als Raumschiff, ein Chuck-Norris-Hase als Fitness-Trainer. Bei "Pimp My Rabbid" gilt es, die Rammler modisch einzukleiden nach Vorgaben wie "unglaublich cool und rustikal, aber auf keinen Fall Blingbling".

Natürlich dürfen auch die aus den ersten beiden Teilen bekannten Shooter-Passagen nicht fehlen. So muss man zum Beispiel bei "Langohrzombies" ein Teenager-Paar retten, indem man freilaufende Hühnchen-Hasen erlegt. Der Clou bei den Shooter-Sequenzen: Wie bei Fernsehserien sind diese in Folgen unterteilt, mit einem spannenden Cliffhanger am Ende, der neugierig auf die nächste Episode macht ...

Wie für alle Teile der Serie (und gewisse andere Dinge im Leben) gilt auch für Raymans "TV Party": Alleine macht es nicht mal halb so viel Spaß. Das ist allerdings nicht wirklich als Kritikpunkt zu verstehen, es beschwert sich schließlich auch niemand darüber, dass Fußball ohne Mitspieler eintönig ist. Apropos Mitspieler: Gezockt werden kann klassisch mit bis zu vier realen Spielern oder im neuen Multiplayermodus mit bis zu acht Partyhasen.

Rayman Raving Rabbids: TV Party

Hersteller/Vertrieb

Ubisoft/Ubisoft

Genre

Geschicklichkeit

Plattform

Nintendo DS, Wii

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

ab 6 Jahren

Bei aller Ideenflut: Die Herstellerangabe "50 Minispiele" entpuppt sich jedoch als Mogelpackung: Auf diese Zahl kommt man allenfalls, wenn man jeden Song bei den Musikspielen, jede Strecke bei den Renneinlagen und jede Kulisse bei den Ballersequenzen als eigenes Spiel zählt. Dieser Häschenwitz wird langsam alt. Aber die Pointe sitzt auch beim dritten Hören noch. Raymans Hasen bleiben die Alleinherrscher über das Minispiel-Genre und sind unterhaltsamer als vieles, was man im Fernsehen sieht.

Michael Eichhammer/Teleschau / TELESCHAU