Neues Macbook Neo
Apple macht jetzt auf billig

Das Macbook Neo bei Apples Produktpräsentation in London
Bei Apples Event in London stand das Macbook Neo im Vordergrund
© Malte Mansholt / stern
Ausgerechnet Apple geht gegen den Trend steigender Preise – und setzt auf günstige Einsteigerprodukte. Das neue Macbook Neo ist eigentlich ein iPhone im anderen Gewand. 
 

Es ist alles eine Nummer kleiner als sonst. Statt in die Heimat Kalifornien lud Apple nach London ein, statt eines einstündigen Produktfeuerwerks zeigte der Konzern auf der Bühne nur ein neues Gerät. Das Macbook Neo ist das bunteste, aber auch das günstigste Notebook, das Apple je vorgestellt hat. Und: Es ist ein Symbol für einen bemerkenswerten Strategiewechsel. 

Eigentlich geht es in der Techbranche nämlich gerade in die andere Richtung. Getrieben vom Hardware-Hunger des KI-Booms ziehen die Preise für Speicher immer weiter an und zwingen viele Hersteller, ihre Produkte teurer zu machen (hier erfahren Sie mehr). Zusammen mit der Inflation sorgt das auch für steigende Preise bei Smartphones und Notebooks. Nun setzt ausgerechnet Apple auf den Einsteigerbereich.

Macbook Neo: Ein günstiger Neustart

Dabei steht kaum eine Marke so sehr für Premium wie Apple, und das weit über den Technikbereich hinaus. Kaufte man ein iPhone oder Macbook, war das auch stets ein Statement: Man gönnt sich wertige und schön designte Hardware, eine ausgefeilte Nutzungserfahrung – und zahlt dafür auch etwas mehr. Das neue Macbook Neo ist das Gegenteil dieses Ansatzes: Es ist alles etwas abgespeckt, dafür aber eben deutlich günstiger.

Mit einem UVP von 699 Euro ist das Macbook Neo so günstig wie noch kein Apple-Notebook vorher, Schüler und Studenten zahlen mit Bildungsrabatt sogar nur 599 Euro. Zum Vergleich: Das Macbook Air, Apples bisher günstigstes Modell, kostet bei Apple mindestens 1199 Euro, selbst das Vorjahresmodell ist nicht unter 900 Euro zu bekommen. 

Günstig, aber nicht billig

Für den günstigen Preis muss man allerdings ein paar Kompromisse in Kauf nehmen. Das Display ist minimal kleiner, bietet weniger Farbraum. Statt der modernen Centerstage-Kamera setzt Apple auf die der älteren Modelle. Nur das Modell mit mehr Speicher bietet den Fingerabdruckscanner TouchID. Der Arbeitsspeicher ist mit 8 GB kleiner als bei modernen MacBooks, die doppelt so viel bieten. Der größte Kompromiss ist der Prozessor: Statt des enorm potenten M-Chips werkelt im Innern ein A18 Pro – den Apple eigentlich für sein iPhone 16 Pro entwickelt hat.

Vergleicht man das MacBook Neo mit Konkurrenzmodellen, ist es allerdings enorm attraktiv. Als erstes Apple-Notebook kann es auch preislich mit den vor allem im Bildungsbereich enorm beliebten Chromebooks mithalten. Eine für Apple-Produkte ungewöhnliche Situation.

Apple senkt indirekt die Preise

Tatsächlich zieht sich der überraschend günstigere Preis auch durch die anderen Neuvorstellungen des Konzerns diese Woche. Neben dem Macbook Neo frischte Apple nämlich auch sein Einsteiger-iPhone iPhone 17e, das iPad Air, die Edel-Notebooks Macbook Pro sowie seine Studiodisplays auf. Eines haben fast alle der Neuvorstellungen gemein: Sie sind entweder günstiger geworden oder bieten zum selben Startpreis einen größeren Speicher.

Doch warum setzt Apple ausgerechnet in Zeiten steigender Preise auf eine Preisoffensive? Zumindest zu einem Teil dürfte es ein glückliches Timing sein. Das Macbook Neo ist ein zu umfangreiches Neudesign, um es in der kurzen Zeit seit den Preissteigerungen entwickelt zu haben, Apple hat also in erster Linie einen sehr guten Moment für die Vorstellung erwischt. Weil Apple seine Bauteile mit großem Vorlauf einkauft, dürfte der Konzern seine Preise auch noch länger halten können, während bei den Konkurrenten die Preise anziehen.

Apple will mehr Kunden ins eigene Ökosystem locken

Grundsätzlich dürfte es dem Konzern vor allem um eines gehen: Man will noch mehr Kunden in das eigene Ökosystem holen. Hat man ein iPhone, ist es schließlich auch wahrscheinlicher, dass man sich einen Mac oder ein iPad zulegt. Und für Apples Service-Angebote wie den Clouddienst iCloud zu zahlen. 

In den USA hatte Apple viel Erfolg damit, Schüler und Studenten für seine Geräte zu begeistern. Diese frühen Kunden kaufen dann später auch Apple-Produkte. Indem man nun die Preishürde senkt, holt man also noch mehr Kunden an Bord – die dann später auf die teureren Apple-Produkte wechseln. 

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