Fürs Homeoffice und Büro
Platz nehmen und wohlfühlen: Diese Bürostühle schonen den Rücken

Bürostuhl Test: Fünf Produkte im Vergleich
Im Bürostuhl-Test treten fünf bei Online-Käufern beliebte Modelle gegeneinander an
© Roland Kontny / stern

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Verbringen Sie viel Arbeitszeit am Schreibtisch? Dann sitzen Sie hoffentlich auf einem bequemen, ergonomischen Bürostuhl. Sonst drohen Schmerzen oder Schäden.

Lange Videokonferenzen, der Aufbau einer fetten Excel-Tabelle oder Arbeiten an einer umfangreichen Präsentation: Manche Tätigkeiten im Homeoffice oder dem klassischen Büro sind ganz schön anstrengend. Wenigstens der Rücken sollte dabei seine Ruhe haben und nicht auch noch ächzen müssen. Ein guter Bürostuhl bestimmt dabei maßgeblich mit, ob Sie den Arbeitstag mit oder ohne Zwicken überstehen. Der stern-Kaufkosmos hat darum fünf aktuelle Modelle auf den Komfort, die individuellen Einstellmöglichkeiten, das Material und die Verarbeitung überprüft. Hier das Ergebnis.

Bürostuhl-Test: Die ausgewählten Produkte

  1. Clouvou CleverSeat Office Chair zum Shop
  2. Eliteseats Ergonomischer Bürostuhl zum Shop
  3. Ofinto Ergonomischer Stuhl Active zum Shop
  4. Ergotopia NextBack Pro zum Shop
  5. Sihoo M18 zum Shop

Weitere lohnende Modelle

Folgende Bürostühle haben wir nicht selbst getestet, sie sind uns aber bei der Recherche aufgefallen:

Testsieger: Welcher ist der beste Bürostuhl?

Wir gratulieren dem Clouvou CleverSeat (329 Euro UVP) zum Testsieg bei den Bürostühlen. Je nach Angebotslage ist er im Online-Handel für rund 250 Euro zu bekommen und verpasst die bestmögliche Bewertung von fünf Sternen nur knapp. Er lässt sich in allen wichtigen Achsen und Maßen verstellen, steht auf leisen Rollen, hat eine angenehme Kopfstütze und setzt sich optisch von vielen anderen Bürostühlen ab. Als Preis-Leistungs-Tipp der Redaktion küren wir den zweitplatzierten Eliteseat Ergonomischer Bürostuhl, der etwas altbacken, dafür aber ebenfalls bequem und vielseitig einstellbar für knapp unter 200 Euro ins Haus kommt.

Am unteren Ende der Rangliste patzt der Stuhl von Sihoo, von dessen Kauf wir eher abraten: Der günstigste Kandidat geht schon beim Zusammenbau kaputt, kann abfärben, riecht unangenehm, hat eine viel zu niedrige Kopfstütze und klapprige Armlehnen. Das sollten Sie sich nicht unbedingt antun.

Ein allgemeiner Tipp an dieser Stelle: Allen Stühlen lagen Stoffhandschuhe bei, die Verletzungen bei der Montage verhindern sollen. Durchaus sinnvoll, wie wir finden. Denn viele Bauteile sind schwer und aus gekanteten oder geschweißten Blechen. Ist hier etwas nicht entgratet, kann das ganz schön wehtun. Zudem finden sich mitunter Öle und weitere fertigungsbedingte Stoffe auf Bauteilen. Solche Flecken gehen schwer raus, machen Sie also von den Handschuhen ruhig Gebrauch.

Alle Details, Eindrücke und Testergebnisse finden Sie in den Einzeltests unter der Tabelle.

Roland Kontny

Über den Tester

Produkte testen macht mir großen Spaß. Vor allem deshalb, weil ich Hand anlege: Zusammenbauen, Ausprobieren, Abmessen und so weiter. Dabei bin ich in Bewegung und halte so Körper und Geist in Schwung. Dennoch muss ich am Ende alle Erkenntnisse verständlich aufschreiben – meist im Sitzen. Das kann eine Weile dauern, darum ist ein bequemer Bürostuhl im Arbeitsalltag wichtig und mir ein Anliegen, Ihnen möglichst viele nützliche Hinweise und Empfehlungen zu diesem wichtigen Thema zu vermitteln.
Weitere Informationen über Roland Kontny

Vergleichstabelle: Bürostuhl im Test

Preis
Testsieger
Clouvou CleverSeat
Clouvou CleverSeat*
1.
Preis-Leistungs-Tipp
Eliteseats ergonomischer Bürostuhl
Eliteseats ergonomischer Bürostuhl*
2.
Ofinto Ergonomischer Stuhl Active
Ofinto Ergonomischer Stuhl Active*
3.
Ergotopia NextBack Pro
Ergotopia NextBack Pro*
4.
Sihoo M18
Sihoo M18*
5.
Valkenstol M2
Valkenstol M2*
6.
FlexiSpot C7
FlexiSpot C7*
7.
HJH Office Pro-Tec 200
HJH Office Pro-Tec 200*
8.
Trendoffice to-strike comfort Pro
Trendoffice to-strike comfort Pro*
9.
Interstuhl Bürostuhl Every Active Edition
Interstuhl Bürostuhl Every Active Edition*
10.
€ 199,98
160,65 €
448,00 €
449,00 €
€ 129,96
189,95 €
€ 189,99
€ 262,99
320,00 €
569,00 €
Bewertung Nicht in der Wertung Nicht in der Wertung Nicht in der Wertung Nicht in der Wertung Nicht in der Wertung
Gewicht in kg 18 20 18 23 17.2 - 21.3 19 - 15.6
Maximale Belastung (in kg) 150 150 130 150 150 150 136 120 125 150
Oberfläche Sitzfläche / Rückenlehne Kunstfaser / Mesh Kunststoff / Mesh Stoff / Mesh Stoff / Mesh Kunstfaser / Mesh Kunstfaser / Mesh Kunstfaser / Mesh Kunstfaser / Kunstfaser Kunstfaser / Kunstfaser Kunstfaser / Mesh
Rollenaufbau 5 Einzelrollen 5 Einzelrollen 5 Doppelrollen 5 Doppelrollen 5 Doppelrollen 5 Doppelrollen 5 Doppelrollen 5 Doppelrollen 5 Doppelrollen 5 Doppelrollen ohne zentrale Nabe
Größenempfehlung (in cm) 160 - 200 160 - 200 160 - 200 160 - 185 < 185 bis 185 170 - 195 150 - 185 k. A. 160 - 190
Stuhlbreite gesamt (in cm) 70 68 67 70 70 45 75 60 69 72
Abstand zw. den Armlehnen (in cm) 50 - 53 44 - 48 44 - 48 47 46 47 49 - 51,5 49 51 k. A.
Sitztiefe min. / max. (in cm) 49 - 55 47 - 52 46 - 51 43 - 51 45 45 - 51 45,5 - 51,5 45 40 - 45 45 - 51
Sitzhöhe min. / max. (in cm) 47 - 59 47 - 60 44 - 54 45 - 57 44 - 54 42,5 - 52,5 47,5 - 56 46 - 59 41 - 52 43,5 - 53,5
Armlehnen verstellbar in Höhe / Breite / Tiefe / Winkel ja / ja / ja / ja ja / ja / ja / ja ja / ja / ja / ja ja / ja / nein / ja ja / nein / nein / nein ja / k. A. / k. A. / k. A. ja / ja / ja / ja ja / nein / nein / nein ja / ja / ja / nein ja / ja / nein / nein
Lordosenstütze / verstellbar ja / ja, in der Tiefe ja / ja, in der Tiefe ja / ja, in der Höhe ja / ja, Höhe ja / ja, in Höhe und Tiefe ja / ja, in der Höhe ja / "verstellbar selbstanpassend" nein nein ja / ja, in der Höhe
Neigungswinkel Rückenlehne bis zu 135° 90, 110, 135° k. A. 97 - 125° 110 - 126° 90 - 118° 93 - 115° k. A. k. A. k. A.
Kopfstütze / verstellbar ja / ja, in Höhe, Tiefe und Neigung ja / ja, in Höhe und Neigung - / - ja / ja, Höhe und Neigung ja / ja, in Höhe und Neigung ja / ja, in Höhe und Neigung ja / ja, in Höhe und Neigung nein nein nein
Verstellung Rückenlehne / Arretierung / Widerstand einstellbar ja / ja / ja ja / ja / ja - / - / ja, 4 Stufen ja / ja / ja, stufenlos ja / ja / ja ja / ja / k. A. ja / ja / ja ja / ja / ja ja / ja / ja ja / ja / ja
Zubehör "orthopädisches Rückenkissen" - - - - - - - - -
Garantie 5 Jahre 2 Jahre / lebenslang auf die Rollen 10 Jahre 5 / 3 auf Stoff und Polster 3 Jahre 5 Jahre 5 Jahre 2 Jahre 5 Jahre bei gewöhnlicher Nutzung 10 Jahre
Erhältlich bei
-20%
199,98 €
249,99 €
199,99 €
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189,99 €
-15%
262,99 €
309,90 €
319,90 €
-11%
320,00 €
359,00 €
569,00 €

* Herstellerangabe

So haben wir die Produkte ausgewählt

Nach diesen Kriterien haben wir die Produkte für den Bürostuhl-Test ausgewählt:

  • Markenbekanntheit: Wir haben uns bei der Auswahl auf jene Bürostühle konzentriert, die von einem Marken- oder bekannten Hersteller im getesteten Bereich stammen. Wir gehen davon aus, dass diese Kunden besonders anziehen.
  • Reputation: Ein guter Ruf eilt bekanntlich voraus. Wir wollen wissen, ob der gerechtfertigt ist. Wir achten daher bei der Auswahl auf Bewertungen und sichten Testergebnisse.
  • Preis: Sie können ohne Weiteres viel weniger oder mehr für Ihren neuen Bürostuhl ausgeben. Wir legen jedoch Wert auf die Mittelklasse zwischen rund 150 und 400 Euro.
  • Verfügbarkeit: Was nützt der schönste und beste Bürostuhl, wenn er kaum zu finden ist? Genau. Wir sind daher immer bemüht, jene Produkte auszuwählen, die aktuell relevant und gut verfügbar sind.
  • Gewicht und Größe: Menschen bis 1,85 Meter Körpergröße und 130 Kilogramm Gewicht sollten problemlos jeden Bürostuhl im Test wählen können. Das entspricht rund 95 Prozent der Deutschen.

So haben wir getestet

Wir heben alle Bauteile der stets zu montierenden Bürostühle aus ihren Kartons und gehen sicher, dass alle nötigen Teile dabei und nicht beschädigt sind. Außerdem machen wir uns ein erstes Bild von Material- sowie Verarbeitungsqualität – und schnüffeln gleich nach dem Auspacken und nach ein paar Tagen dann wieder an den Materialien, um mögliche unangenehme Gerüche zu entdecken. 

Es folgt der Aufbau der Bürostühle nach Anleitung. Wir notieren, wie gut die Anleitung an Stellen hilft, an denen wir nicht intuitiv weiterwissen. Nach dem Aufbau hören und fühlen wir genau hin: Welche Verstellung verursacht welche Geräusche? Wie leise und leicht können wir den Stuhl durch den Raum bewegen? Wie stabil sind die Stühle in sich, wie robust sind die Konstruktionen und können wir alle Verstellmöglichkeiten gut erreichen? Je nachdem, wie leicht oder schwer es uns der jeweilige Bürostuhl macht, bekommt er mehr oder weniger Punkte von uns. Mit einem feuchten Tuch und etwas Druck auf der Sitzfläche und der Rückenlehne untersuchen wir zudem, ob die Stoffe abfärben oder nicht.

Bürostühle sind schwer und jeden Tag stark belastet. Dennoch sollten sie ein paar Jahre halten. Eine beschleunigte Nutzung können wir nicht realistisch simulieren. Wohl aber bewerten, wie solide sich die Bürostühle im alltäglichen Gebrauch geben und ob sich nach einigen Tagen schon erster Verschleiß in Form von Knacken, Knarzen, Wackeln oder Quietschen einstellt. Das können die Vorboten von späteren Schadstellen sein, die auch in unsere Bewertung einfließen. Die vom Hersteller gegebene Garantiedauer hat ebenfalls Einfluss auf unsere Bewertung.

Alle Stühle stehen über mehrere Wochen in einem Gemeinschaftsbüro insgesamt drei Personen unterschiedlicher Physiognomie zur Verfügung. Deren Feedback aus dem alltäglichen Einsatz wird zu einem weiteren Bestandteil der Gesamtwertung.

1. Testsieger mit Kissen: Clouvou CleverSeat Office Chair

Bürostuhl Test: Clouvou CleverSeat Office Chair
Der Clouvou sichert sich am Ende des Testsieg als bestes Produkt im Bürostuhl-Test
© Roland Kontny / stern

Aufbauen: Es geht gut los: Die Hochglanz-Anleitung hebt die bei jedem Schritt hinzukommenden Teile farblich ab, das erleichtert die Arbeit vor allem für unerfahrene Selbstaufbauer ungemein. Insgesamt sind es reichlich Schrauben, die wir an die passenden Stellen setzen müssen. Ein nettes Detail beim Aufbauen des Bürostuhls von Clouvou sind die bereits mit Unterlegscheiben und Federringen ausgestatteten Schrauben für die Befestigung des L-Stücks, das Bodenplatte und Rückenlehne verbindet. Das spart uns einen Arbeitsschritt und Pulen in der Packung nach allzu vielen Kleinteilen. Danke.

Clouvou CleverSeat
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Material und Design: Auch wenn es Geschmackssache ist und bleibt, macht die Kombination aus Chrom- und dezenter Optik in Schwarz einen optisch hochwertigen Eindruck und gefällt uns deutlich besser als Stühle ganz in Schwarz. Auch die kugelgelagerten Einzelrollen, die an Inlineskates erinnern, werten den Stuhl unserer Meinung nach optisch auf. Der Kunstlederbezug der Kopfstütze liegt angenehm an, die Armlehnen haben in ihren beweglichen Teilen trotz der vielen Verstellmöglichkeiten nur wenig Spiel. Darüber freuen wir uns, vor allem im Vergleich mit Modellen, an denen mehr herumwackelt.

Das zusätzliche Rückenkissen findet bei einem unserer Testsitzer Anklang und ist sicher auch für viele Interessenten ein nützliches Accessoire, um die perfekte Sitzposition zu finden. Es stützt vor allem den unteren Rücken, der von langem Sitzen besonders belastet werden kann. Nach dem Auspacken riecht das Kissen noch etwas unangenehm, der Geruch verfliegt jedoch nach wenigen Tagen. Insgesamt ein Bürostuhl, den wir gern ansehen. Ein Abfärben der Bezüge konnten wir nicht feststellen.

Handhabung und Komfort: Die Verstellmöglichkeiten am Clouvou sind äußerst vielfältig und gut zu bedienen. Das geht bei der Rückenlehne los, die wir durch Herausziehen des Hebels auf der rechten Seite aus ihrer Arretierung lösen und durch Hineindrücken in der gewünschten Neigung wieder feststellen. Die Armstützen können wir in alle Richtungen bewegen, und sie lassen sich so hochsetzen, dass die Arme für die allermeisten Nutzenden im rechten Winkel ihre Position finden. Den Anpressdruck der Lordosenstützen verstellen wir auf der Rückseite des Sitzes mit einem gut zu greifenden Drehknauf. Zu guter Letzt gleitet auch die in der Tiefe verstellbare Sitzfläche geschmeidig und geräuschlos nach hinten und vorn, sobald wir den vorderen Hebel auf der rechten Seite ziehen. Einzig das Einstellen des Widerstands für das Kippen der Rückenlehne ist fast mittig und weit unter dem Sitz, sodass wir erstens für das Verstellen aufstehen und zweitens viel und kräftig daran drehen müssen, ehe sich der gewünschte Effekt spürbar einstellt.

Die eher harte Sitzfläche mit griffigem Stoffbezug empfinden wir für den Arbeitsalltag am Schreibtisch als gute Lösung. Einer der Testsitzer monierte allerdings die Rückenlehne, die sich nicht ganz senkrecht stellen lässt. Positiv fällt uns die Kopfstütze auf, die sich überaus großzügig in der Höhe und in der Neigung verstellen lässt und so für fast jede Körpergröße und sogar als Nackenstütze taugt. 

Die fünf Rollen sind am Boden sehr leichtgängig, ohne dass der Stuhl beim Sitzen unerwünscht seine Position verlässt. Hier ist Clouvou eine gute Abstimmung gelungen. Dieser Stuhl bewegt sich besonders leise durchs Büro, was sicher auch die Kollegen und Kolleginnen freut. Die Armlehnen lassen sich gut in allen Achsen verstellen und finden immer eine feste Rastposition.

Bürostuhl Test: Clouvou CleverSeat Office Chair
Die Lordosenstütze verstellen wir mit einem leichtgängigen Drehknauf
© Roland Kontny / stern

Fazit: Viel vorwerfen können und wollen wir dem Testsieger nicht. Die Sitzfläche gibt je nach Geschmack vielleicht etwas zu wenig nach. Schmale und leichte Menschen könnten daher das Gefühl gewinnen, etwas verloren auf ihm zu sitzen, nicht aber unbequem. Dafür bekommen sie einen leisen, solide gebauten und gut anzusehenden Bürostuhl, der nicht einmal zu den teuersten zählt, dafür aber sehr viele Funktionen mitbringt und den meisten Nutzenden so eine angenehme und gesunde Haltung bei der Schreibtischarbeit ermöglicht.

2. Preis-Leistungs-Tipp mit wenig Garantie: Eliteseats Ergonomischer Bürostuhl

Bürostuhl Test: Eliteseats Ergonomischer Bürostuhl
Der Eliteseats-Bürostuhl macht auf edel
© Roland Kontny / stern

Aufbauen: Absolut nicht entscheidend für den Test, aber eine interessante Feststellung gleich nach dem Öffnen des Kartons: Während wir die Einzelteile des Eliteseats-Stuhls fast wie einfach reingeschmissen in der Verpackung vorfinden, ziehen wir dazwischen einen schicken schwarzen Umschlag mit Goldrand und goldenem „Vielen Dank“-Schriftzug auf der Rückseite aus den Tiefen des Kartons und finden darin eine auf Hochglanzpapier gedruckte Montageanleitung. Ein ebenso edel gestalteter Beipackzettel begrüßt uns „in der Elite“. Mal sehen, wie diese sich zusammenbauen lässt, ehe wir uns auf sie setzen können.

Alle Einzelteile, von Schraube bis Rückenlehne, sind alphabetisch markiert, und das einzige benötigte Werkzeug, ein Sechskant mit Griff, liegt ebenfalls bei. Wir gönnen uns die im Karton enthaltenen Stoffhandschuhe für die Montage, sehen uns ein gut gemachtes Aufbauvideo an, das wir nach dem Scannen eines QR-Codes zu Gesicht bekommen – und legen los.

Die Schrauben der fünf Beine sind mit Schraubensicherung behandelt. Das ist dieses blaue Zeug, damit Schraubgewinde fester in ihrer jeweils vorgesehenen Position bleiben. Durch ständige Bewegungen beanspruchte Verbindungen müssen Sie so nicht andauernd nachziehen – ein schönes Detail. Nicht so schön sind dagegen die Abweichungen zwischen der Darstellung der Bohrungen zur Befestigung der Rückenlehne und den tatsächlich vorhandenen Schraublöchern. Unerfahrene Hobbyhandwerker könnten verunsichert sein, wie sie zu verfahren haben. Zudem sind die Aussparungen für die Schraubverbindungen nicht kreisrund, sondern länglich. Das ermöglicht uns zwar, schon beim Zusammenbau individuell auf die Körperproportionen des späteren Nutzers einzugehen, jedoch gibt die Anleitung keinerlei Hinweise oder Vorschläge, worauf dabei genau zu achten wäre. Wir wünschen uns hier eine genauere Beschreibung oder einen Vorschlag seitens des Herstellers.

Eliteseats ergonomischer Bürostuhl
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Material und Design: Die Anmutung der gewählten Materialien mäandert zwischen zweckmäßig und solide. So sind die Armlehnen aus geschäumtem Kunststoff keine perfekten Hautschmeichler, die Stoffe der Sitzfläche und der Netz-Rückenlehne fühlen sich dagegen ziemlich angenehm an. Nur die Blende über dem fünfzackigen Kreuz, das die Beine aufnimmt, ist weich und wirkt billig. Die Steckachsen der Rollen sind aus Metall, was mutmaßlich langlebiger sein dürfte als Buchsen aus Kunststoff, wie sie einige Wettbewerber einsetzen.

Die Verarbeitung sagt uns insgesamt zu. Die Einzelräder rollen sehr leicht – der Favorit für das nächste Bürostuhlrennen sitzt auf einem Eliteseats. Die vielen Verstellmöglichkeiten der Armstützen bringen zugleich recht viel Spiel und Geklacker in den beweglichen Teilen mit. Während andere Stühle im Test in der richtigen Sitzhöhe mit den Armstützen unter unseren Tisch passen, gelingt das mit dem Eliteseats nicht. Wir wünschen uns eine noch niedrigere minimale Lehnenhöhe.

Kein Designpreis gewinnt der Sakko-/Jackenhalter, den wir unterhalb der Kopfstützen einrasten können. Er passt zwar gut in seine Führung, wirkt aber instabil und seine Rastnase rastet nicht wirklich ein. Aber: Wir können eine Jacke daran aufhängen. Das können die anderen Kandidaten nicht. Unser Riechtest ergibt direkt nach dem Aufbau eine leichte Note von Kunststoffen, die aber schnell verfliegt und deswegen noch völlig akzeptabel ist.

Handhabung und Komfort: Kommen wir noch einmal auf die Anleitung zurück: Sie erklärt uns in einfachen Worten und mit nicht zu viel und nicht zu wenig Hintergrund alle Einstellmöglichkeiten. Ein ganz unprätentiöses, leicht verständliches Heftchen, das uns genau darum gut gefällt. Einige Tippfehler irritieren uns allerdings: Das sollte einem „Familienunternehmen mit Sitz in Deutschland“, wie Hersteller Eliteseats schreibt, nicht passieren und passt auch nicht zum sonst zweckmäßigen, aber soliden Eindruck. Aber Schwamm drüber, wir wollen sitzen, nicht lesen.

Der Eliteseats-Bürostuhl bietet uns reichlich Verstellmöglichkeiten. An Bord sind die obligatorische Höhenverstellung der Sitzfläche, eine arretierbare Rückenlehne mit Wippfunktion, eine in Höhe und Neigung verstellbare Kopfstütze, eine verstellbare Sitzfläche sowie Armstützen, die sich in Höhe sowie vertikal und horizontal zur Sitzfläche verschieben lassen. Die Hebel zum Verstellen der Sitzfläche und der Höhe liegen etwas schwer zu erreichen unterhalb der rechten Armstütze. Die Neigungsverstellung für die Kopfstütze ist mit 180 Grad sehr großzügig und ermöglicht sogar Positionen, die kaum einen Sinn ergeben: Wer hat gern die Kante der eigentlich bequemen Kopfstütze im Nacken? 

Etwas Vorsicht ist beim Einstellen der Höhe der Kopfstützen geboten. Die Rastpunkte sind derart fest, dass uns die Chose bei der nötigen Kraft so schnell und unkontrolliert nach unten rauscht und Quetschgefahr besteht, falls die Stütze zu schnell am unteren Anschlag aufsetzt und noch unsere Finger dazwischen sind. 

Die Verkaufsbezeichnung trägt der Stuhl also, gemessen an seinen Verstellmöglichkeiten, zu Recht. Das ist keine Garantie, dass jeder seine individuellen Bedürfnisse mit ihm befriedigen kann, die Chancen stehen aber sehr gut. 

Nach einigen Tagen Büroarbeit kristallisieren sich die Stärken und Schwächen dieses Stuhls klar heraus: Der Mesh-bezogene Rückenteil ist schön luftig und sorgt für trockene Shirts und wenig Schweiß am Rücken. Die fünf Hartgummirollen sind angenehm leise und leichtgängig. Die Armstützen klappern etwas, lassen sich aber sehr exakt einstellen. Wichtig aber: Wir sitzen bequem und ohne Anstrengung oder merkwürdige Verrenkungen auch nach einigen Stunden auf der Sitzfläche, die leicht vorgeformt und entsprechend anschmiegsam ist.

Bürostuhl Test: Eliteseats Ergonomischer Bürostuhl
Den Bürostühlen – schön aufgeräumt – liegen Schrauben und Werkzeug in einem großen Blister bei
© Roland Kontny / stern

Fazit: Auf dem Eliteseat können wir gut sitzen und alle wichtigen Maße und Winkel justieren. Das macht ihn zum Preistipp in diesem Test, in dem es auch deutlich weniger Bürostuhl für deutlich mehr Geld gibt. Er ist ein bisschen wie seine Verkaufsbezeichnung „Ergonomischer Bürostuhl“: zweckmäßig und nahezu selbsterklärend. Mit so einem Paket können wir ganz gut leben. Einen Schönheitspreis wird er aber auf absehbare Zeit nicht gewinnen.

3. Der Schönling: Ofinto Ergonomischer Stuhl Active

Bürostuhl Test: Ofinto Ergonomischer Stuhl Active
Die Rpckenlehne des Ofinto ist mit Mesh bezogen. Das ist atmungsaktiv und bringt auch eine optische Leichtigkeit mit
© Roland Kontny / stern

Aufbauen: Anders als bei den meisten Modellen ist beim Ofinto die Sockelplatte bereits an der Unterseite der Sitzfläche befestigt. Entsprechend viel Kraft brauchen wir, um dieses Teil aus dem Karton zu heben. Dafür aber sparen wir Zeit beim Aufbauen, weil wir nur die Rückenlehne mit ihren integrierten Armstützen an der Sitzfläche mit drei Schrauben anbringen müssen. Der fünfzackige Fuß ist aus einem Guss, hier stecken wir die fünf Rollen ein – fertig. 

Das Zusammensetzen gelingt uns insgesamt einfach und schnell. Noch angenehmer und schneller allerdings gelänge es mit einem Griff am beiliegenden und eher kurzen Sechskant, mit dem wir arbeiten müssen. Eine Greifhilfe, wie beispielsweise bei IKEA üblich, wäre ganz nett.

Ofinto Ergonomischer Stuhl Active
Ofinto Ergonomischer Stuhl Active*
448,00 €

Material und Design: Nun steht er vor uns, der fertig montierte Bürostuhl von Ofinto. Mit seinem Standfuß und dem Rahmen für Rückenlehne und Armstützen aus einem Guss sowie dem grauen, straff gespannten Mesh der Rückenlehne kommt der Stuhl sehr ruhig rüber, die am Rückenteil beginnenden Armstützen lassen die seitliche Ansicht schlank wirken. Insgesamt setzt sich der Ofinto in seiner Gestaltung angenehm vom optischen Einheitsbrei der Bürostuhlwelt ab. Nahezu nahtlose Anschlüsse zwischen den Bauteilen runden diesen positiven Eindruck ab.

Wir entdecken allerdings deutlich sichtbare Spuren am aufsteigenden Teil der Armstützen, die noch von der Montage stammen: Hier berührte die Stütze die Holztischkante und nahm von dort etwas Abrieb mit, den wir auch nicht so eben wegwischen können. Schon beim Auspacken fielen uns auf der Unterseite der Bodenplatte zudem deutliche Schrammen im Metall auf. Da das Paket äußerlich unbeschädigt bei uns ankam, ist es denkbar, dass hier die abschließende Qualitätskontrolle versagt hat. Weil die Schadstelle außerhalb des sichtbaren Bereichs liegt, blicken wir an dieser Stelle großzügigerweise weitestgehend darüber hinweg.

Handhabung und Komfort: Als einziger Bürostuhl in diesem Vergleich lässt sich der Widerstand der Rückenlehne ganz schnell und einfach in vier Stufen über den vorderen Hebel auf der rechten Unterseite verstellen. Bei allen anderen Kandidaten geht das nur über schwergängige Knäufe, die meist schlecht erreichbar auf der Unterseite sitzen. Wir sind sofort Fan von dieser Art der Verstellung. 

An keinem anderen Stuhl lassen sich die Armlehnen in so vielen Achsen justieren, ohne dass es groß klappert oder wackelt. Dafür aber, und das wiegt schwerer, können wir die Armstützen nicht hoch genug einstellen. Bei durchschnittlicher Körpergröße kommen die Ellenbogen nicht in den rechten Winkel, was aus unserer Sicht auf Dauer unbequem und schlicht keine gesunde Haltung ist. Den grundsätzlichen Sitzkomfort beschreiben alle Testenden als in Ordnung.

Bei der Bedienung der Hebel auf der Unterseite kommt dem Nutzenden das Design der Armstützen zugute: Weil sie sehr weit hinten ansetzen, ist kaum etwas im Weg, wenn wir zu den Hebeln links und rechts unterhalb der Sitzfläche greifen. Das ist hübsch und praktisch zugleich. Etwas abrupt dagegen arbeitet die Gasdruckfeder der Höhenverstellung, die Fingerspitzengefühl verlangt. Was fehlt, ist eine Kopfstütze, was uns aber beim täglichen Einsatz im Büro nicht weiter negativ aufgefallen ist, denn wir lehnen uns immer erst nach Feierabend zurück. Im Ernst: Wer weiß, dass er eine Kopfstütze braucht, macht einfach einen Bogen um den Ofinto.

Bürostuhl Test: Ofinto Ergonomischer Stuhl Active
Der aufsteigende Bügel der Armlehne am Ofinto nimmt am Holz-Schreibtisch sichtbar Abrieb mit
© Roland Kontny / stern

Fazit: Hübsch anzusehen ist er, der Ofinto-Bürostuhl. Auch die Verarbeitung ist unserer Einschätzung nach gut, die Materialauswahl ebenso. Für die Konstruktion und die grundsätzliche Haltbarkeit sprechen zudem die selbstbewussten zehn Jahre Garantie des Herstellers. Unserer Einschätzung nach kann der Stuhl diese Zeit locker überstehen und es dank vieler Justierungs-Optionen den meisten Sitzenden auch über mehrere Stunden am Tag bequem machen. Das hebt aber die zu niedrigen Armstützen nicht in die Höhe und macht die fünf Doppelrollen, die mit ihrer einfachen Anmutung nicht zum übrigen Stuhl passen, auch nicht leiser oder schöner. 

4. Der hat ein Rad ab: Ergotopia NextBack Pro

Bürostuhl Test: Ergotopia NextBack Pro
Die Höhenverstellung am Ergotopia gelingt per seitlichem Drücker. Der benötigt relativ viel Kraft
© Roland Kontny / stern

Aufbauen: Wir haben mit der Montage des Bürostuhls von Ergotopia wenig Mühe, alle Teile passen gut in- und aneinander. Nach wenigen Minuten können wir uns setzen und verstauen ein paar Ersatzschrauben in unserer Schreibtischschublade. Die Anleitung erklärt uns auf Seite 5 ausführlich, wie wir den Stuhl richtig einstellen. Wir fühlen uns an die Hand genommen, so darf es gern weitergehen. 

Material und Design: Doch das tut es nicht: Zwischen den Kunststoffteilen der Rückenlehne finden wir unschöne Übergänge, das sichtbare Umlenk-Scharnier für die Kippfunktion des Rückenteils und ein hin- und herschlackerndes Stück der Verkleidung unterhalb des Hebels für die Lehnenverstellung. Auch die Verkleidung der Armlehnen ist kein optischer Leckerbissen. Gemessen an der unverbindlichen Preisempfehlung von rund 400 Euro ein weder optisch noch technisch ansprechender Anblick. Nach einigen Tagen im Gebrauch knackt uns zudem spontan eine der fünf Doppelrollen weg. Das kann immer mal passieren, jedoch macht uns die Führung der Doppelrad-Achse in Kunststoff etwas stutzig. Auf Nachfrage teilt Hersteller Ergotopia mit, diese Konstruktion sei „sehr branchenüblich“. In „seltenen Einzelfällen“ könne es jedoch „durch Materialspannungen oder äußere Einflüsse zu Defekten kommen“. Wir bekommen per Express einen neuen Rollensatz, der anders aussieht als der ursprüngliche.

Ergotopia NextBack Pro
Ergotopia NextBack Pro*
449,00 €
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Handhabung und Komfort: Auch in diesem Kapitel kommt der Ergotopia-Bürostuhl aus unserer Sicht nicht so recht in Fahrt – im wahrhaftigen Sinne: Die schwergängigen Rollen verhindern zwar ungewolltes Verrücken des Stuhls, verlangen aber viel Kraft beim Schieben. Ebenfalls für unseren Geschmack zu schwergängig ist der Taster für die Höhenverstellung. Viel zu leicht verstellt sind dagegen die Unterarmstützen und die eigentlich sehr bequeme Kopfstütze. Letztere veränderte regelmäßig ihre Position, allein schon durch beherztes Auflegen des Kopfes. Quetschgefahr sehen wir bei der vertikalen Verstellung der Lordosenstütze: Fassen wir sie zu weit links oder rechts an und schieben sie nach unten, ist das Einklemmen der Finger zwischen Stütze und dem unteren Rahmen der Rückenlehne nicht auszuschließen.

Kommen wir zur Kernfunktion eines Bürostuhls: Wir sitzen grundsätzlich gut auf dem Stuhl, sein Polster ist nicht zu hart und nicht zu weich, die Druckverteilung gleichmäßig. Die vier Rastpositionen der Rückenlehne lassen sich mithilfe eines Drehschalters auf der rechten Seite perfekt finden. Auch die Sitztiefe ist gut zu justieren. Allerdings ist der dafür nötige Taster auf der linken Unterseite – wie sein Pendant rechts – etwas zu schwergängig. Am eigentlichen Sitzen haben wir kaum etwas auszusetzen.

Bürostuhl Test: Ergotopia NextBack Pro
Ziemlich ärgerlich: Am Ergotopia bricht nach wenigen Tagen ein Rad ab. 
© Roland Kontny

Fazit: Auch ohne das gebrochene Rad hätte es wohl die gleiche Wertung gegeben. Das ist doppelt schade: Zum einen zeigen einige Wettbewerber, dass für das Geld auch eine präzisere Konstruktion möglich ist. Zum anderen sitzen wir wirklich gut auf dem Ergotopia. Aber die kraftintensiven Verstellmechanismen, die wackeligen Armlehnen sowie die schwergängigen Rollen rauben einen Großteil dieses Spaßes wieder. Sollten Sie vor allem Wert auf gutes Sitzen legen, ist der Ergotopia-Bürostuhl aber eine vernünftige Option mit fünf Jahren Garantie auf alles außer Stoff und Polster.

5. Mit Risiken und Nebenwirkungen: Sihoo M18

Bürostuhl Test: Sihoo M18
Auch der Sihoo ist mit einem Mesh-Rücken ausgestattet
© Roland Kontny / stern

Aufbauen: Wir finden die Stuhlteile eher lieblos in den immerhin sehr kompakten Karton gestopft. Das beiliegende Werkzeug hat einen Griff, das ist gut. Auch die Anleitung taugt dank verständlicher Formulierungen und genauer Benennung aller Bauteile. Die in allen Bausätzen obligatorischen Handschuhe fallen beim Bürostuhl von Sihoo allerdings arg klein aus und engen schon mittelgroße Männerhände in ihrer Bewegungsfreiheit ein. Wir ziehen sie wieder aus.

Auf dem ebenfalls beiliegenden Schrauben-Blister stehen die in der Anleitung angegebenen Buchstaben der einzelnen Schraubentypen nicht drauf, was aber sinnvoll und hilfreich gewesen wäre. Eine weitere Ungenauigkeit begegnet uns beim Befestigen der Armstützen: Die Bügel, die wir an der Unterseite der Sitzfläche verschrauben sollen, tragen zwar die Markierungen „L“ und „R“. Die aber finden wir auf der Unterseite der Sitzfläche nicht wieder. Klar, das heißt links und rechts, aber einfacher wäre es, wenn wir nicht über Kopf denken müssten, sondern uns ein weiterer Aufkleber auf der Sitzflächenunterseite verriete, wo wir was anzubringen haben.

Die Gewinde der Schrauben für die Armstützen sind arg lang, das Eindrehen zieht sich ein wenig – und so wahnsinnig bequem ist das Einweg-Werkzeug mit seinem harten Griff auch wieder nicht. Ähnlich sieht es mit der Haltbarkeit aus: Das Sechskant-Werkzeug zeigt deutliche Abnutzungserscheinungen nach dem Eindrehen von ungefähr drei Vierteln aller nötigen Schrauben. Natürlich muss das Werkzeug nicht für die Ewigkeit halten, aber wir sorgen uns spontan um die Dauerbelastbarkeit der weiteren Materialien des Stuhls und seiner Anbauteile. Dann geht etwas kaputt: Eine der Schrauben an der Rückenlehne drehen wir nicht rein, sondern mit ihr die zugehörige Gewindehülse in der Rückenlehne heraus. Sie muss für den Test also mit nur zwei statt der konstruktiv vorgesehenen drei Schrauben an ihrem Platz bleiben. Das hält bis zum Schluss, ist auf Dauer sicher nicht von Vorteil. Insgesamt haben wir für den Zusammenbau des Sihoo-Bürostuhls am meisten Zeit gebraucht, ohne dass er am Ende intakt vor uns stand. Ging also nicht so gut los.

Sihoo M18
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Material und Design: Nach den unschönen Vorkommnissen beim Zusammenbau des Sihoo M18 finden wir auch bei der ersten Nutzung des Bürostuhls ein paar Schwächen. So ist der Mesh-Bezug der Rückenlehne nicht straff genug gespannt, der Rücken bekommt auf Dauer zu wenig Gegenspiel und ein späteres Ausleiern ist nicht unwahrscheinlich. 

Der günstigste Kandidat im Testfeld tut sich an weiteren Stellen schwer, mit der Konkurrenz mitzuhalten: Die Abdeck-Rosette aus silbernem Plastik rutscht immer wieder auf dem fünfarmigen Fuß nach oben, und die nur in der Höhe verstellbaren Armstützen klappern trotz weniger Einstell-Optionen in ihrer Führung. Der Kopfstütze entweicht zudem auch nach mehreren Wochen noch ein deutlich wahrnehmbarer Geruch, und die Sitzfläche färbt – als einzige im Test – bei mehrfachen Reiben mit einem feuchten Tuch ab. Der Qualitätsunterschied zu hochpreisigen Bürostühlen fällt nach genauer Betrachtung insgesamt recht deutlich aus.

Handhabung und Komfort: In die Sitzfläche hat Sihoo Vertiefungen für die Oberschenkel eingearbeitet. Das kommt bei den Testenden grundsätzlich gut an, der Stuhl nimmt uns wohlwollend auf. Auch die Armlehnen haben solche Vertiefungen, die Arme wandern automatisch in die vorgesehene Position. Von alledem haben wir aber wenig, denn wir stellen nach nur wenigen Minuten des Gebrauchs fest, dass die Sitzfläche des Sihoo M18 zu kurz für uns ist. Schon ab einer Körpergröße von 1,75 Metern sind Kniekehle und die Kante der Sitzflächen zu weit voneinander entfernt, es droht eine ungleichmäßige Durchblutung der Oberschenkel, was aus ergonomischer Sicht problematisch ist. Obwohl die Lordosenstütze sowohl in der Höhe als auch in der Tiefe verstellbar ist, lässt sich auch mit diesen Optionen die Sitzfläche effektiv nicht tiefer machen. Wir sitzen schlicht zu weit vorn, die Lordosenstütze lässt uns auch in ihrer zurückhaltendsten Position nicht weit genug nach hinten rutschen – und eine Sitztiefenverstellung gibt es beim Sihoo nicht.

Darum haben wir am Ende auch nicht viel von der geschmeidigen Höhenverstellung, den leichtgängigen Rädern und der Wippfunktion der Rückenlehne, die uns ganz hinten fast schon in eine Mittagsschlaf-Position fallen lässt. Ein Übriges zum sehr überschaubaren Gesamteindruck in Sachen Komfort steuert die selbst in der höchsten Position viel zu niedrige Kopfstütze bei, die uns bestenfalls im Nacken, noch eher aber zwischen den Schulterblättern sitzt. Die Angabe, der Stuhl sei für Personen bis 185 cm Körpergröße passend, können wir nicht bestätigen.

Bürostuhl Test: Sihoo M18
Mäßige Verarbeitung: An einer Stelle drehen wir die Schraube nicht rein, sondern die zugehörige Gewindehülse raus
© Roland Kontny / stern

Fazit: Wie schade um die angenehm vorgeformte Sitzfläche: Die Schwächen und Nachteile wiegen einfach zu schwer, um eine bessere Wertung geben zu können. Es geht mit dem Defekt beim Aufbau los. Dazu die viel zu niedrige Kopfstütze, die klapprigen Armlehnen, die zu kurze Sitzfläche und der schlabberige Hebel für die Sitzhöhenverstellung lassen nicht so richtig Freude aufkommen.

Bürostuhl: Die wichtigsten Fragen & Antworten

Reicht statt eines Bürostuhls nicht auch ein einfacher Drehstuhl?

Auch wenn die Unterschiede nicht gleich sofort ins Auge fallen: Wer lange sitzt und das nicht in der richtigen Haltung, dem drohen Rückenschmerzen, Fehlhaltungen und andere Beschwerden. Darum ist ein auf Ergonomie optimierter Bürostuhl eine gute Wahl, wenn Sie bei der Arbeit viel Zeit im Sitzen verbringen. Im Vergleich zu einfachen Drehstühlen lassen sie sich genau auf die individuellen physiognomischen Bedürfnisse einstellen und bringen Sie dauerhaft in eine gesunde Sitzposition.

Welche Materialien sind empfehlenswert für Sitz- und Rückenfläche?

Grundsätzlich ist auch das eine Frage des persönlichen Geschmacks. Faktisch bieten netzbespannte Rückenlehnen eine bessere Luftzirkulation und eignen sich für warme Büros besser als solche mit Stoffbezug. Letzterer ist dagegen etwas gemütlicher und weniger anfällig für Schäden oder regelmäßige Strapazen. Mitunter elegant, aber ebenfalls nicht sonderlich atmungsaktiv, sind Bezüge aus Kunstleder.

Wie stelle ich den Sitz an meinem Bürostuhl richtig ein?

Stellen Sie die Höhe so ein, dass zwischen den waagerechten Oberschenkeln und dem Rumpf ungefähr ein 90-Grad-Winkel entsteht. Zwischen Sitzkante und Ihrer Kniekehle sollten etwa zwei bis drei Finger breit Platz sein, mehr nicht. Eine nicht arretierte Rückenlehne unterstützt zudem das aktive Sitzen. Hat der Stuhl eine Lordosenstütze, sollten Sie diese im Rücken spüren, ohne dass sie unangenehmen Druck ausübt. Liegen Ihre Arme auf den seitlichen Stützen, sollten die Ellenbogen bei entspannt hängenden Schultern ungefähr einen rechten Winkel bilden.

Worauf sollte ich beim Kauf eines Bürostuhls für das Homeoffice achten?

Sofern Sie in den eigenen vier Wänden bei der Arbeit auf ähnlich lange Zeiten im Sitzen kommen wie im Büro, gelten die gleichen Anforderungen an Ergonomie und Verarbeitung Ihres Stuhls. Üblicherweise ist ein Bürostuhl jedoch kein sonderlich dekorativer Einrichtungsgegenstand und ein eher sperriges Sitzmöbelstück. Dem begegnen einige Hersteller von Bürostühlen mit farbigen Designs und besonders schmalen Modellen. Zu Hause sind die richtigen Rollen besonders wichtig: Sind sie zu hart, beschädigen sie auf Dauer Holz- oder andere nachgebende Böden. Beschädigungen und laute Rollgeräusche bei schwingenden oder anderweitig hallenden Böden können zudem entsprechende Matten verringern.

Wie wichtig ist die Pflege eines Bürostuhls?

Die sollten Sie nicht unterschätzen, denn das regelmäßige Reinigen verlängert die Lebensdauer der Materialien. Das lohnt sich also, zumal der Aufwand nicht sonderlich hoch ist: Staub und Fusseln können Sie einfach absaugen oder mit einer Fusselrolle entfernen. Stoffbezüge sind meist aus Kunstfasern und vertragen in aller Regel milde Reinigungsmittel. Ziehen Sie von Zeit zu Zeit alle Schrauben nach und überprüfen Sie die Rollen auf grobe Verunreinigungen.

Hat Stiftung Warentest Bürostühle getestet?

Ja, zuletzt war das im Jahr 2024 der Fall. Auch zuvor hat die Stiftung in regelmäßigen Abständen Bürostühle untersucht und bewertet. Der jüngste Test von 22 Modellen im Jahr 2024 kostet knapp fünf Euro und lässt sich hier herunterladen

Quellen: Hersteller, Statistisches Bundesamt, Interstuhl