»DAS LITERARISCHE QUARTETT« Der Literatur-Papst will nicht mehr


Marcel Reich-Ranicki möchte nicht mehr so viele Bücher lesen. »Das Literarische Quartett« wird deshalb am 14. Dezember zum letzten Mal gesendet.

Wer hätte das gedacht? Literatur-Papst Marcel Reich-Ranicki hat das übermäßige Bücherlesen satt. »Zu anstrengend, zu mühselig und dann auch zu langweilig geworden«, sagt der 81-jährige Hauptakteur des »Literarischen Quartetts«.

Auch mit dem Angebot, künftig nur noch vier Bücher pro Sendung vorzustellen, ließ sich Reich-Ranicki nicht zum Weitermachen überreden und wird somit am 14. Dezember, auf eigenen Wunsch hin, seine letzte Sendung bestreiten.

»Ich möchte nicht mehr so viele Bücher lesen, die mich eigentlich nicht interessieren, die aber doch zu den wichtigeren in unseren Tagen gehören, auch wenn sie in vielen Fällen in einem Jahr schon vergessen sind«, begründete er seine Entscheidung.

Von Anfang an lebte »Das literarische Quartett«, das am 25. März 1988 zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, von der literarischen Leidenschaft und dem besonderen Charme des temperamentvollen Starkritikers. Seine wechselnden »Mitspieler« hatten mehr oder weniger nur Statistenrollen inne, agierten bestenfalls als Zuspieler und Schlagwortlieferanten. Mit ihren Rollen waren sie aus diesem Grund nur teilweise zufrieden.

Weniger Durchhaltevermögen als beispielsweise Hellmuth Karasek, hatte Komparse Jürgen Busche, der sich bereits 1989, nach den ersten sechs Sendungen, aus dem »Literarischen Quartett« verabschiedete. Weiterhin versuchten unter anderem Klara Obermüller und Sigrid Löffler, gefolgt von Iris Radisch, Literaturkritikerin der »Zeit«, neben Reich-Ranicki zu bestehen.

»Ich wollte angesichts meines nun wahrlich schon vorgerückten Alters noch etwas Neues versuchen, und deshalb habe ich gebeten, das «Quartett» im Dezember abzuschließen«, sagte Reich-Ranicki. Seine Kollegen wären darüber zwar sehr betrübt gewesen, letztendlich hätten sie jedoch Verständnis gezeigt.

Trotz dem Ende der Sendung wird Marcel Reich-Ranicki, nach Angaben des ZDF-Intendanten Stolte, seinem Sender und Publikum erhalten bleiben. Denn im Jahr 2002 wird er sich in seiner eigenen »Ein-Mann-Show« monatlich pointiert zu kulturellen und kulturpolitischen Fragen unserer Zeit äußern.

Für ein Resümee ist es zwar vielleicht noch zu früh, dennoch ist der Star-Kritiker der Meinung, dass das »Literarische Quartett« mit all seinen Schwächen und Fehlern doch einen erheblichen und letztlich positiven Beitrag zum literarischen Leben in den deutschsprachigen Ländern geleistet hat.


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