'Die Englischen Rosen' Kaum Dornen, dafür viel Erleuchtung


Madonas Kinderbuch 'Die Englischen Rosen' soll ein moderneres Frauenbild vermitteln als alte Märchen. Daher findet ein schönes Mädchen, das gut in der Schule ist, am Ende doch noch Freundinnen. Und das ganz schnell.

Mit den Brüdern Grimm würde Madonna (45) nie eine Koproduktion machen. Aschenputtel, Schneewittchen und wie sie alle heißen entsprechen so gar nicht ihrem Frauenbild. "Die sind einfach nur schön, werden von den Prinzen geschnappt, und die erzählen ihnen dann, dass sie sie heiraten wollen. Voll Scheiße", beklagt die Popsängerin in einem 'Times'-Interview. Deswegen hat sie die Sache nun selbst in die Hand genommen und ihr erstes eigenes Kinderbuch geschrieben, 'Die Englischen Rosen'. Es erscheint an diesem Montag in angeblich über 100 Ländern - darunter Deutschland - und 42 Sprachen.

Wie ist das Buch? In erster Linie kurz. Verblüffend kurz. Man hat es in etwa fünf Minuten gelesen, und nach Mutmaßung der Zeitung 'Daily Mail' hat Madonna es in ungefähr einem halben Tag geschrieben. Es enthält sehr viele popfarbene Illustrationen, aber die sind nicht von Madonna. Die Geschichte geht in etwa so: Die Englischen Rosen sind vier Mädchen. Sie lassen ein fünftes Mädchen namens Binah links liegen, weil sie eifersüchtig sind. Denn Binah "war sehr, sehr schön. Sie hatte langes, seidiges Haar und eine Haut wie Milch und Honig. Sie war eine tolle Schülerin und sehr gut in Sport."

Eines Nachts aber erscheint ihnen im Traum eine gute Fee und zeigt ihnen, dass die arme Binah keine Mutter mehr hat - die ist gestorben - und zu Hause ganz viel arbeiten muss. Da haben die Rosen ein schlechtes Gewissen und spielen künftig immer mit Binah. Ende.

Jawohl - die Autorin hat eine Botschaft

Man merkt sofort, das ist eine Geschichte, bei der sich die Autorin etwas gedacht hat. Und das kommt nicht von ungefähr: Madonna befindet sich seit Jahren auf einer spirituellen Reise. Von Haus aus Katholikin, heiratete sie vor drei Jahren anglikanisch, obwohl ihr Ehemann Guy Ritchie das Christentum für "Schwachsinn" hielt. Inzwischen ist sie bei der Trend-Religion Kabbala angelangt, trinkt Kabbala-Wasser, trägt ein Kabbala-Armband und achtet streng darauf, dass ihre Kinder nicht fluchen, auch wenn sie selbst mal in einer Talk-Show 13 Mal "fuck" gesagt hat, weil sie damals gerade "nicht auf einem sehr hohen Bewusstseinslevel" war. Vor allem hat sie die Erkenntnis gewonnen, dass alles irgendwie miteinander zusammenhängt: "Wir sind alle eins."

Der "Wunsch, andere zu erleuchten", lebt nun sehr stark in ihr. Deshalb dieses Buch. Natürlich ist es auch ein bisschen autobiografisch. Sie selbst hat ihre Mutter als Fünfjährige verloren und war in der Schule nicht beliebt. Und heute wird ihre Tochter Lourdes (6) von Gleichaltrigen oft geschnitten, weil alle eifersüchtig darauf sind, dass ihre Mutter Madonna ist. Das Buch lehrt uns alle, die Schönen und Erfolgreichen nicht voreilig abzukanzeln.

Das war nicht ihr letzter Feder-Streich

John Makinson, Chef des Verlags Penguin, zieht bereits Vergleiche zum Klassiker 'Der kleine Prinz'. Und fügt hinzu, dieses Buch sei etwas für Kinder aller Länder und jeder Altersgruppe, aber auch für Erwachsene natürlich. Und übrigens: Demnächst kommen noch vier Bücher von Madonna raus, und dabei geht es dann um spirituelle Unterweisung zu den Komplexen Unsicherheit, Bewältigung von Hindernissen, andere Leute nicht beurteilen und Macht der Worte. Alles wieder in x Ländern und x Sprachen. Müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn da nicht die Kassen klingeln.

Madonna: Die Englischen Rosen
Verlag Hanser, München
48 Seiten
Euro 12,90
ISBN 3-446-20412-1

Christoph Driessen DPA

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