"Raketen in Rock" Ausgewählte Grausamkeiten aus 40 Jahren

In "Raketen in Rock - 33 1/3 Platten für die Ewigkeit" präsentiert der Autor Tom Tonk aus seiner höchst subjektiven Sicht ausgewählte Grausamkeiten aus fast 40 Jahren Musikgeschichte.

Tom Tonk kennt sich wohl ziemlich gut aus mit Musik. Aber das ist für sein Buch "Raketen in Rock - 33 1/3 Platten für die Ewigkeit" nicht wirklich wichtig. Darin präsentiert der 1965 geborene Autor ausgewählte Grausamkeiten aus fast 40 Jahren Musikgeschichte: Von Del Shannon, Christian Anders, der Charly Schreckschuss Band und den Rodgau Monotones etwa über Kim Wilde, The Replacements oder die Lazy Cowgirls.

Der Schwerpunkt der ausgewählten Werke liegt eindeutig in den späten 70er und früher 80er Jahren - die Zeit, in die die entscheidende Phase von Tonks musikalischer Sozialisation fällt. Das, was danach kommt, ist nicht mehr so wichtig oder klingt genau so wie die anderen Musiker.

Persönliche Erlebnisse mit Musik

In den Besprechungen schreibt Tonk weniger über die Platten als vielmehr über seine persönlichen Erlebnisse mit der Musik und den Bands - alles andere als filigran oder anspruchsvoll, aber bisweilen ziemlich witzig. Denn wie ist es denn mit der Musikkritik und ihren Folgen: "Damit man keinen Fehler macht und sich nicht wie ich aus Versehen die falschen Platten kauft, gibt es geduldiges Papier, auf dem seriöse Theoretiker, die Rock-Lexikas schreiben, ... solche banalen Platten verschmähen", analysiert Tonk.

"Wenn man seine Gurke versenkt..."

Doch wieso müssen gerade die Platten von Frank Zappa, Captain Beefheart oder Soft Machine (damals zu Tonks Zeiten) und heute vielleicht Sting, Blumfeld oder The Strokes die richtigen Platten sein? Gute Musik funktioniert nicht über den Kopf - oder wie es auf dem Buchrücken heißt: Eine gute Platte ist nicht unbedingt dann gut, wenn eine Band auf ihr einen Knaller nach dem anderen zündet, sondern sie bekommt vielmehr just in dem Moment etwas Magisches, "wenn man zum Beispiel seine Gurke versenkt, während sie läuft".

Das ist ziemlich entwaffnend - nicht nur für alle Gurkenbesitzer. Aber genau diese hemmungslose Subjektivität macht Tonks "Raketen in Rock" zu einem der ehrlichsten Bücher mit Musikkritiken überhaupt.

Stephan Köhnlein, AP


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