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Benjamin Lebert: "Mathe-Durchschnitt wichtiger als mein Bestseller"

Der inzwischen 21-jährige Benjamin Lebert gilt nach seinem Bestseller "Crazy" als "Wunderkind" der deutschen Literatur. Der erfolgreiche Hauptschulabschluss erfüllt ihn persönlich allerdings mit mehr Stolz.

Mit seinem ersten Buch «Crazy» ist er bekannt geworden. Nun wagt Benjamin Lebert den zweiten Versuch. Der 21 Jahre alte Autor hat "Der Vogel ist ein Rabe" vor wenigen Tagen auf den Markt gebracht. "Ich will mein Leben ganz der Literatur widmen», sagt der Jungautor, der nach seiner Rückkehr in seine Geburtsstadt Freiburg privaten Auftrieb bekommen hat. "Ich müsste sterben, wenn ich nicht schreiben könnte." Ein drittes Buch hat Lebert bereits in Planung.

Mit "Crazy" kam der Durchbruch

Mit seinem autobiografisch gefärbten Debütroman «Crazy» hat Lebert als 16-Jähriger den literarischen Durchbruch geschafft. Das Buch wurde in 33 Sprachen übersetzt und hat eine Auflage von 750 000 erreicht. Durch die Verfilmung wurde "Crazy" einem Millionenpublikum bekannt. Mit "Der Vogel ist ein Rabe" versucht Lebert, an diesen Erfolg anzuknüpfen. Das 127 Seiten starke Buch startet mit einer Auflage von 100 000. Leberts Verlag Kiepenheuer & Witsch hofft, dass diese schon Anfang September verkauft sein wird.

Berlin "ein graues Loch"

Im Oktober will Lebert eine Lesereise durch 40 deutsche Städte starten. Beginnen wird sie am 2. Oktober in Heidelberg. Am 19. Oktober wird Lebert in Berlin auftreten, wo er zwei Jahre gelebt hat. «Ich werde kommen, lesen und wieder wegfahren», sagt Lebert, «das muss reichen.» Im Februar war Lebert von Berlin nach Freiburg gezogen. "Berlin ist ein graues Loch. Der Herzschlag der Stadt hat mich müde, fast lebensmüde gemacht." Er habe es in der Hauptstadt nicht geschafft, richtig kreativ zu werden.

"Schreibe aus dem Bauch heraus"

Dabei beschreibt Lebert es als seinen größten Wunsch, Geschichten zu erfinden und seine Leser zu unterhalten. Festlegen will sich der Autor dabei nicht. "Ich schreibe aus dem Bauch heraus." Taktische Überlegungen, beispielsweise in welchem Genre er sich etablieren möchte, spielten für ihn keine Rolle.

Keine Alternative zum Schreiben

«Erfolg, wie ihn die Gesellschaft definiert, ist nicht meine Sache», sagt Lebert. Gerade seine Generation suche den Erfolg, um mit ihm die Einsamkeit zu verdrängen. «Man darf aber Erfolg nicht mit Lebensziel verwechseln», sagt der 21-Jährige. Deshalb widme er sich ganz dem Schreiben. Details zu seinen Zukunftsplänen will er aber nicht nennen. Nur so viel: "Zur Arbeit als Schriftsteller gibt es für mich keine Alternative."

Kein Freund der Öffentlichkeit

Lebert hat sich an den durch «Crazy» verursachten Rummel um seine Person mittlerweile gewöhnt, sagte er. Dennoch: Vor Kamers und Mikrofone tritt er nur ungern. "Ich bin kein Mensch, der die Show liebt." Statt in Talk-Shows oder auf Podien zu sitzen, spaziere er lieber durch einen Wald. "Privat bin ich kein typischer Vertreter meiner Generation", sagt Lebert. Im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen gehe er nicht auf Partys, lege keinen Wert auf die Szene, sondern genieße vielmehr die Stille.

Stolz auf seinen Hauptschulabschluss

Freiburg sei ruhiger und daher für ihn besser geeignet, sagt Lebert, Sohn einer Journalistenfamilie. In der badischen Universitätsstadt gehe es ihm wieder besser, hier finde er Kraft zum Schreiben. In Freiburg hat Lebert nach fünf erfolglosen Versuchen den Hauptschulabschluss absolviert. "Mein Durchschnitt in Mathematik war 2,5. Das erfüllt mich mit mehr Stolz als mein Bestseller."

DPA
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