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Bücher: Das Geschäft mit Gefühlen boomt

Alle lesen sie, aber keiner gibt es zu - Liebesromane. Den Buchhandel freut's, schließlich ist das Geschäft mit den oft als Trivialliteratur verschmäten Werke sehr erfolgreich.

Sex sells, Herz-Schmerz ebenso. Trotz wirtschaftlicher Flaute und rückgängiger Umsätze im Buchhandel boomt das Geschäft mit den großen Gefühlen: "Etwa 50 Prozent aller verkauften Bücher sind Liebesgeschichten. Das ist eine ganze Menge", sagte Angela Weiß, Herausgeberin der Erotikromanreihe "Plaisirs d’Amour" und Organisatorin des Liebesroman-Kongresses "Booklover" am Freitag in Wiesbaden. Den Leuten gehe es schlecht, also suchten sie in den Romanen die heile Welt.

Lieber heimlich Zuhause als öffentlich in der U-Bahn

"Alle lesen sie, aber kaum einer gibt es zu", hat die Schriftstellerin Marte Cormann von der Vereinigung deutschsprachiger Liebesroman-Autorinnen und -Autoren (DeLiA) beobachtet. Noch immer würden die als Trivialliteratur verschmähten Werke lieber heimlich Zuhause als öffentlich in der U-Bahn gelesen. "Das Klischee, dass nur solche Frauen Liebesromane lesen, die keinen Kerl mehr abkriegen und daher in eine Traumwelt flüchten, stimmt längst nicht mehr", meint Angela Weiß. Einen typische Liebesroman-Leserin - es sind zu 98 Prozent Frauen - gebe es längst nicht mehr.

Zu den Dauerbrennern zählen nach wie vor die so genannten Nackenbeißer. Das klassische Genre ist nach den Titelbildern benannt: Schöne Frau reckt schönem Mann ihre wohl geformte und meist entblößte Schulter entgegen. "Je mehr nackte Haut, desto besser", sagt Peter Lipp vom Bastei Lübbe-Verlag, der sich unter anderem auf historische Liebesromane mit klangvollen Titeln wie "Heißer Zauber einer Nacht", "Magie der Leidenschaft" und "Im Zauberland der Liebe" spezialisiert hat. Verkaufsschlager seien zur Zeit Geschichten mit keltischem Hintergrund. Da dürfen Piraten, Wikinger und Ritter auftauchen - Hauptsache heldenhaft, lautet die Devise.

Unterhaltung und Entspannung

Und auch das Schema läuft meist gleich ab: Held und Heldin treffen sich, verlieben sich, es gibt Irrungen und Wirrungen und es kommt zu einem glücklichen Ende. Im Moments-Verlag erscheinende Titel - darunter "Einzig Dir gehört mein Herz" oder "Im Bann des roten Mondes" - geben sogar eine "Happy-End-Garantie". Das bietet Unterhaltung und Entspannung pur, ist Weiß überzeugt.

Doch die Zeiten sind vorbei, in denen sich die Frauen ausschließlich vom Auserwählten erobern ließen. "Die Protagonistinnen sind stark, selbstbewusst und nehmen sich ihren Herzensmann auch mal selber zur Brust", sagt Cormann, die ihrer Fangemeinde als Liza Kent bekannt ist. Auf den gesellschaftlichen Wandel hat sich auch der Hamburger Cora Verlag eingestellt, der im Jahr mehr als 500 Titel auf den Markt der Sehnsüchte spült. In der "bianca"-Serie etwa tauchen allein erziehende Frauen auf, Patchwork-Familien finden sich und die Heldin darf auch schon mal zwei Männer haben und das alles für 2,20 Euro. "Das ist sensationell im Vergleich zu einer Kinokarte", sagt Redaktionsleiterin Ilse Bröhl.

Warum gibt es keine eigenen Liebesroman-Ecken?

Dabei sind die Grenzen zwischen Groschenroman und Belletristik längst fließend. Denn neben den scheinbar immer gleich ablaufenden Liebesromanen drängen die einschlägigen Verlage auf einen weiteren Markt: die humorvollen Frauenromane nach dem Vorbild von Helen Fieldings "Bridget Jones" oder "Mondscheintarif" von Ildikó von Kürthy. Und selbst die kämpfen in Deutschland nach wie vor um Anerkennung. "Es ist eine Schande, dass es in den Buchläden immer noch keine eigenen Liebesroman-Ecken gibt", empört sich Cormann.

Die Vereinigung deutschsprachiger Liebesroman-Autorinnen und - Autoren hat sich vor einem Jahr aufgemacht, eine Lanze für das Genre voller großer Gefühle zu brechen. Zum zweiten Mal traf sich daher die Branche zum Liebesroman-Kongress. Erstmals vergab DeLiA eine Auszeichnung für den besten deutschsprachigen Liebesroman. Am Donnerstag kürte die Jury die Hamburger Autorin Kathrin Tsainis für ihren Roman "Tagediebe" zur ersten DeLiA-Preisträgerin.

Britta Schmeis/DPA / DPA
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