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Bücher-Trends: Single-Romane haben Hochkonjunktur

Das Verlangen nach der großen Liebe ist Thema vieler Romane. Neuerdings stehen nicht mehr nur einsame Frauen im Mittelpunkt, sondern immer öfter auch männliche Singles auf der Suche nach ihrem Glück.

Er sucht sie und sie sucht ihn: Das Verlangen nach der wahren, einzigen Liebe treibt nicht nur viele Singles um, sondern es beflügelt auch viele Autoren, sich des Themas anzunehmen. Wohl kaum ein größerer Verlag, in dessen Programm sich nicht mindestens ein Roman über Freud und Leid des Single-Daseins findet. Natürlich gehen die Geschichten gut aus, die Heldin findet ihren Traummann, und der Leser - oder besser: die Leserin - kann das Buch zufrieden zur Seite legen und zum nächsten greifen. Neu auf diesem besonderen Buchmarkt der Sehnsüchte: Im Mittelpunkt stehen nicht mehr nur einsame Frauen, denen das Glück endlich über den Weg läuft, sondern nun drehen sich die Geschichten manchmal auch um männliche Singles auf der Suche nach dem lebenslangen Glück.

«Die Frau fürs Leben»

sucht der Held in Daniel Bielensteins gleichnamigem Werk - einem mit leichter Hand geschriebenen Zeitgeistroman über die Krise jenseits der Dreißig: «Ich bin Single», bekennt der Protagonist. «Ich gucke zu viel fern und treibe zu wenig Sport.» Bis sich das ändert, hat er allerdings noch durch einige Irrungen und Wirrungen zu gehen, doch am Ende, fast zu spät, erkennt er, wem seine Zuneigung wirklich gehört (Argon Verlag, 310 S., 18 Euro).

Das weibliche Pendant hat sich Bestsellerautorin Ildiko von Kürthy ausgedacht. Ihr neuer Roman

«Freizeichen»

erzählt von Annabel, die mit 31 Jahren noch einmal wissen will, ob der Mann, mit dem sie seit Ewigkeiten zusammen ist, auch die richtige Wahl war. Eine Woche nimmt sich Annabel Zeit, um sich umzuschauen - aufregende Tage, an deren Ende sich einiges verändert hat, auch ihre Frisur (Wunderlich Verlag, 256 S., 17,90 Euro).

Den wohl witzigsten Ausflug in den Alltag unbeweibter Jungmänner hat Björn Erik Sass unternommen. Sein

«Herrenbesuch»

ist wunderbar ironisch geschrieben und erzählt von den beiden Landeiern Kurt und Jens, die im zarten Alter von 26 Jahren ihre Mütter zurück lassen, um in der Großstadt ihr Glück bei Frauen zu versuchen. Doch nicht nur die Konfrontation mit Ingo Schröder, der sogar schon in der Sendung «Herzblatt» mitgemacht hat, zeigt den beiden, dass das Werben um die Gunst der Schönen ein harter Kampf zu werden droht (Kunstmann Verlag, 160 S., 17,90 Euro)

Ein wenig origineller Roman ist hingegen Amanda Brookfields

«Vier Taufen und drei Herzensbrecher»

, eine eher seichte Geschichte von einer Frau am Wendepunkt ihres Lebens: Rachel ist zwar schon 39 Jahre alt, an ein Kind aber hat sie noch nicht gedacht. Erst als der sanfte Robbie ihren Weg kreuzt und sich der smarte Lover Nathan als ziemlich unsensibel entpuppt, erkennt Rachel das, was wirklich zählt (Kabel Verlag, 344 S., 19,90 Euro).

Schnitzlers «Reigen» stand Pate bei dem Großstadtroman

«Alles über Laura»

, mit dem die Britin Susannah Bates in ihrer Heimat einen Erfolg landete: Es geht um eine Gruppe junger Menschen, die sich ver- und entlieben, und allesamt nicht so genau wissen, wem ihre Gefühle eigentlich wirklich gehören. Man lese das Buch als harmlose Komödie, oder besser, als Geschichte über das Leben im heutigen London (Limes Verlag, 550 S., 22,90 Euro 22,90).

Ebenfalls in der britischen Hauptstadt spielt Meera Syals Roman «Sari, Jeans und Chilischoten», auch wenn er wesentlich mehr Hintergrund bietet. Drei junge Inderinnen versuchen, in dem Großstadtdschungel ihren Weg zwischen den alten Traditionen und dem westlichen Leben zu finden (Taschenbuch, Piper Verlag, 384 S., 14,30 Euro - erscheint im Mai)

Eigentlich ist

«Schaumhochzeit»

, der neue Roman der jungen französischen Autorin Karine Tuil, die Geschichte eines Mutter-Tochter-Konflikts. Darüber hinaus ist das große Thema des Buches aber auch - und das stellt es ebenso über die anderen Single-Romane wie seine psychologische Tiefe - der Vergleich zweier Lebensmodelle: hier die traditionelle jüdische Mutter, für die die Berufung einer Frau in der Familie liegt. Dort die unabhängige Tochter, die es vorzieht, in der unverbindlichen Beziehung zu einem verheirateten Mann zu verbleiben (Gustav Kiepenheuer, 194 S., 16,50 Euro).

Ohne Mann, aber mit Kind versucht die Ich-Erzählerin in

«Ein Tag wie Totolotto»

, das Beste aus ihrem Leben zu machen. Renee Zucker hat ein heiteres Buch nicht ohne Tiefsinn geschrieben, von Frauen in nicht gerade geordneten Verhältnissen, die eher in den Tag hinein leben, als an ihre Altersversorgung zu denken. Manchmal ist so ein Leben witzig, manchmal macht es melancholisch, aber langweilig ist es nie (Taschenbuch, Verlag Kiepenheuer & Witsch, 208 S., 7,90 Euro).

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