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Buchtipp

"Die Geschichte der getrennten Wege": Diese Bücher machen süchtig: Der Hype um Elena Ferrante

Wenn Sie diesen Sommer noch etwas zu lesen suchen, dann entscheiden Sie sich für Elena Ferrante. Gerade ist in Deutschland der dritte Band ihrer Freundschafts-Saga erschienen - und der Hype um die anonyme Autorin wird dadurch nur befeuert. Zu Recht.

Elena Ferrante

Die Altstadt von Neapel: Elena Ferrante nimmt ihre Leser dieses Mal mit in das Italien der 70er-Jahre.

Picture Alliance

Die Fans waren sauer, aber so richtig. Im vergangenen Jahr enthüllte ein Journalist angeblich die wahre Identität von Elena Ferrante  - dabei will die italienische Bestseller-Autorin anonym bleiben. So ist es seit Jahren von ihrem Verlag kommuniziert, so hatten es Fans weltweit akzeptiert. Kein Wunder also, dass nach der Enthüllung, hinter dem Pseudonym stecke die italienische Übersetzerin Anja Raja, das Internet erst einmal tobte. Ferrante-Fans sind leidenschaftliche Fans - und da tut es nichts zur Sache, dass die Behauptung bis heute weder dementiert noch bestätigt wurde.

Dabei ist der Drang, mehr erfahren zu wollen, nur zu gut nachvollziehbar. Wer ist die Frau, die so fesselnd vom harten Aufwachsen in Neapels Armenviertel erzählt? Die so intensiv die Geschichte einer Freundschaft über Jahrzehnte hinweg beschreibt, dabei scheinbar mühelos persönliche Dramen mit der sozialen und politischen Situation damals oder gar wissenschaftlichen Theorien verquickt? Wie viel der Figuren steckt in ihr? Es sind Fragen, auf die es vermutlich nie eine Antwort geben wird. Ferrante schweigt meist, gab bisher nur wenige anonyme Interviews. Ihre Fans lieben sie trotzdem oder gerade deshalb umso mehr.

Das Elena-Ferrante-Fieber ist ansteckend

Vom Ferrante-Fieber ist oft die Rede und fast jeder, der sich einmal ein Herz nimmt und "Meine geniale Freundin" aufschlägt, wird angesteckt. In vier Romanen begleitet Ferrante die hochintelligente Lila und die fleißige Lenù von der Kindheit bis ins hohe Alter. Die beiden konkurrieren schon in der Schule miteinander, pflegen jahrelang eine komplexe Beziehung zwischen Rivalität und Bewunderung, zwischen Zuneigung und Abhängigkeit. 

In Deutschland ist nun der dritte Band dieser Saga erschienen und er wird den Hype um Ferrante nicht lindern, denn auch dieses Buch ist einfach großartig. Die Autorin holt die Leser in das Italien der 70er-Jahre, die Wege der beiden Freundinnen gehen hier noch weiter auseinander. Während Lila aus ihrer gewalttätigen Ehe ausbricht und sich in einer Wurstfabrik die Finger blutig arbeitet, um für ihren Sohn und sich zu sorgen, schafft Lenù den Sprung in die höhere Gesellschaft. Sie heiratet einen Professoren-Sohn, erfährt ersten Erfolg mit ihren Artikeln und einem Buch - und muss dann schmerzlich ihre Ambitionen hinter sich lassen, als sie Mutter wird.

Blut auf den Straßen, Herzschmerz zuhause

In Italien tobt derweil nicht nur an den Universitäten die Revolution, auch auf den Straßen geht es blutig zu. In diesem Spannungsfeld hat jede der beiden Freundinnen mit ihren eigenen Nöten zu kämpfen: Während Lenù mit der Mutterrolle hadert und ihrem Jugendfreund Nino verfällt, sinnt Lila auf Rache an den Mafia-Brüdern aus ihrem Viertel.

Es ist vor allem die faszinierende Figur Lila, der die Leser genau wie die Erzählerin Lenù verfallen. Ferrante schafft es, die persönlichen Schicksale der beiden Frauen mit universellen Aussagen über Freundschaft, Armut, Gewalt, Sexualität und Gesellschaft zu verbinden. Und lässt damit ihre Bücher für sich sprechen.

"Die Geschichte der getrennten Wege" von Elena Ferrante ist gerade im Suhrkamp-Verlag erschienen, übersetzt von Karin Krieger

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