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Podcast "Woran glaubst Du?": "Bin mit mir im Reinen": Christian Wulff spricht über seinen Sturz als Bundespräsident

Für die erste Ausgabe ihres Podcasts "Woran glaubst Du?" haben Heribert Prantl und Kerstin Humberg gleich einen hochkarätigen Gast eingeladen: Christian Wulff spricht darin auch über seine dunklen Stunden und das Scheitern als Bundespräsident.

Christian Wulff im Podcast "Woran glaubst Du?"

Christian Wulff ist der erste Gast in dem Podcast "Woran glaubst Du?"

Dieses Podcast-Format ist neu: Einmal pro Monat laden Heribert Prantl, der frühere Chefredakteur der "Süddeutschen Zeitung", und die Start-up-Gründerin Kerstin Humberg einen Gast zum Sonntagsfrühstück ein, um in entspannter Atmosphäre über Gott und die Welt zu plaudern. Das ist durchaus wörtlich zu verstehen: In "Woran glaubst Du?", so der Titel dieses Podcasts, soll es auch um religiöse Belange gehen, um die Zukunftsvorstellungen und Werte der Gäste.

Gleich für die erste Folge luden sich die beiden Moderatoren einen hochkarätigen Gast ein: den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff. Einen Menschen, der "kritisiert wurde wie noch kein Politiker in diesem Land", wie es Heribert Prantl in der Anmoderation formuliert. Und gleich die heißen Eisen anpackt. Wie man mit einer so kolossalen Niederlage umgeht, will er von Wulff wissen, der als Konsequenz einer medialen Treibjagd nach nur 598 Tagen sein Amt niederlegte. 

So hat Christian Wulff sein Scheitern verarbeitet

Freunde hatten damals befürchtetet, er könne sich das Leben nehmen. Ob er diesen Gedanken wirklich gehabt habe, will Prantl wissen. "Keine Sekunde" habe er daran gedacht, sich das Leben zu nehmen, antwortet Wulff bestimmt. Nicht nur aus Verantwortungsbewusstsein für seine Kinder. Er habe sich selbst die Frage gestellt: Kann ich zu dem, was ich gemacht habe, und wie ich gelebt und entschieden habe, stehen? "Da war für mich nie ein Zweifel, dass ich mit mir im Reinen war." Der Überzeugung sei er auch heute noch. 

Und so erlebt man in dem Podcast einen aufgeräumten, sehr reflektierten Ex-Politiker, der Zeugnis ablegt, wie ihn seine Elternhaus geprägt hat. Der Vater hat die Familie früh verlassen und Wulff pflegte als 16-Jähriger seine an MS erkrankte Mutter, nebenbei zog er seine jüngere Halbschwester groß.

Dadurch sei er früh erwachsen geworden. Diese Herausforderung gemeistert zu haben, habe ihm andererseits viel Selbstvertrauen für den weiteren Lebensweg gegeben - und ihm auch bei der Bewältigung seines Scheiterns als Bundespräsident geholfen.

Mit seinem Satz über den Islam eckte er an

In der 40 Minuten langen Folge spricht Wulff auch über sein Lebensthema Integration. Mit dem Satz "Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland" hat der 60-Jährige damals eine breite Diskussion angestoßen. Heute sagt er: "Wir sollten uns alle ehrlich machen: Wir sind ein Land der Ein- und Auswanderung" und verweist auf die Bedeutung von Zugewanderten gerade in der Corona-Krise. 

Christian Wulff mag sich aus der Politik zurückgezogen haben, er ist jedoch noch immer ein politisch denkender Mensch - und hat noch immer viel zu sagen.

Der Podcast "Woran glaubst Du" erscheint auf Audio Now.

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