HOME

Tom Rob Smith zum Tod Solschenizyns: Mit dem Obsttransporter in den Gulag

Alexander Solschenizyn hat nicht nur Autoren in seiner russischen Heimat inspiriert. Im Gespräch mit stern.de erzählt Erfolgsschriftsteller Tom Rob Smith, dass er erst "Archipel Gulag" lesen musste, bevor er seinen Bestseller "Kind 44" schreiben konnte, einen Roman über einen Serienmörder im stalinistischen Russland.

Sie haben zweieinhalb Jahre lang für Ihr Buch "Kind 44" in Archiven recherchiert und waren dafür auch in Russland. Wie wichtig waren für Sie dabei die Bücher von Alexander Solschenizyn?

Sie waren überaus wichtig. Wahrscheinlich war "Archipel Gulag" das wichtigste Buch überhaupt, das ich in dieser Zeit gelesen habe. Menschen, denen ich davon vorschwärme, sagen mir, dass sie abgeschreckt seien vom Umfang und dem düsteren Inhalt des Buches, von diesem vagen Gefühl, sich mit einem furchtbaren Teil der Geschichte beschäftigen zu müssen. Aber für mich ist gerade die Pointiertheit das Besondere von Solschenizyns Werk. Er schafft es, aus den Absurditäten dieser Zeit noch Witz zu schlagen. Überall leuchtet dieser große humanitäre Geist Solschenizyns hindurch, das war eine wirkliche Inspiration für mich.

Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Da gibt es diese Zeit, in der Millionen und Abermillionen Menschen im Gulag verschwinden und eine ganze Gesellschaft umgebaut wird. Und gleichzeitig versucht das System zu verschleiern, was es da gerade macht. Solschenizyn beschreibt zum Beispiel, dass auf den Lastwagen, die zum Transport der Gefangenen dienten, außen Abbildungen von Obst und Gemüse zu sehen waren. Er hatte ein sehr gutes Auge für solche Widersprüche.

Sind Ihnen Solschenizyns Bücher auf Ihren Reisen durch das heutige Russland noch begegnet?

Dazu habe ich, ehrlich gesagt, die Menschen, denen ich begegnet bin, nicht befragt. Aber ganz generell schien es mir so, dass diese Zeit in Russland nicht wirklich diskutiert wird. Sie findet in Gesprächen nicht wirklich statt.

Was hat Sie dazu veranlasst, die Geschichte dieses Serienmörders - den es wirklich gab, der seine Taten aber in den späten 70er Jahren verübte - in die Stalinzeit zu verlegen?

Als ich auf die Geschichte des Serienmörders Andrei Chikatilo, dem Ripper von Rostov stieß, lag der besondere Reiz für mich darin, über eine Ermittlung in einer kommunistischen Gesellschaft zu lesen. Ich habe meinen Roman bewusst in eine Zeit verlegt, in der die Gegensätze noch deutlicher zu Tage treten. So konnte ich die Geschichte von einem Menschen erzählen, der mordet, dies aber in einem Staat tut, der ein noch viel größerer Mörder ist. Die größere Gefahr geht in diesem Fall von dem Staat aus, nicht von dem Kriminellen.

Und was haben Sie von Solschenizyn über diesen Staat gelernt?

Er schreibt in einem Vorwort zu "Archipel Gulag", dass das pure Böse des 20. Jahrhunderts nicht einem einzigen Land zuzuordnen ist. Es kann überall auftauchen. Ich wollte mit meinem Buch dem Leser nicht sagen: "Schau auf dieses Russland und was dort passiert ist". Ich wollte, dass er sich fragt: Was hätte ich in einer solchen Situation getan? Diese moralische Frage ist jederzeit relevant, egal, wie weit weg einem die Geschichte vorkommen mag.

Werden Sie die Bücher Solschenizyns nach seinem Tod noch einmal hervorholen?

Ich habe sie nie wirklich aus der Hand gelegt. Bei meiner Lesereise in den USA habe ich in Seattle in einem Antiquariat eine Erstausgabe der drei Bände von "Archipel Gulag" gefunden. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Ich habe diese dicken Wälzer quer durch Amerika geschleppt und immer wieder zur Hand genommen. Und ich glaube, damit werde ich nie aufhören. Dazu sind sie einfach zu gut.

Interview: Cornelia Fuchs
Themen in diesem Artikel
Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.
Füllhorn Rente 63 ?
Wer 2018 NEU in den Ruhestand ging a) und die „abschlagsfreie Rente 63“ mit mindestens 45 Versicherungsjahren kassierte, erhielt im Schnitt 1265 Euro monatlich, 1429 Euro (als Mann) bzw. 1096 Euro (als Frau) RENTE. b) und wer die „normale“ Altersrente kassierte, erhielt monatlich im Schnitt 950 Euro, 1080 € (als Mann) bzw. 742 Euro (als Frau) RENTE. Nach Adam Riese bedeutet das, das erst Zeiten ab dem 18. LJ für die Rentenversicherung gewertet werden, dass männliche Nicht-Akademiker über 45 Arbeitsjahre hinweg mehr als 25 Euro monatlich pro Stunde verdient haben müssten. sprich: ab 1973 ! (zu DM-Zeiten 50 DM Stundenverdienst ! ... als Nicht-Akademiker ??) Meine Erfahrung ist, dass man mit 18 zur Armee musste und das anschließende Studium frühestens im 25 LJ beenden konnte -- also in 1981 ! (25 + 45 = 70. LJ mit Altersrente ohne Abzüge). Ergebnis: erst in 2026 könnten vergleichbare Akamdemiker (nach 45 Vers.Jahren) in VOLLE Rente gehen. PS: Nach Rechnung der „Die Linke“ bräuchte man über 37 Jahre hinweg einen Stundenverdienst von mind. 14,50 Euro (29 DM), um NICHT auf die „Grundsicherung für Altersrentner“ angewiesen zu sein; also den statistischen Wert von 800 Euro mtl. Rentenbezug zu überschreiten. Wer erkennt den Zaubertrick der „abschlagsfreien Rente 63“ ? Wer kennt den Zaubertrick, in weniger Zeit, mit weniger Ausbildung, maximale Top-Renten-Ergebnisse zu erzielen ? (welches nicht einmal die gierigsten Börsenbanker und Versicherungsmakler in einer Demokratie für realisierbar hielten) ?