"27 Dresses" Brautjungfer aus Leidenschaft


Die Schauspielerin Katherine Heigl wird bereits als Nachfolgerin von Meg Ryan und Julia Roberts gehandelt. In ihren neuen Film "27 Dresses" macht sie diesem Ruf in einem uramerikanischen Genre alle Ehre: der turbulenten Hochzeitskomödie.

Der Kleiderschrank der New Yorkerin Jane platzt aus allen Nähten. Vom pinkfarbenen Fummel über die rüschenbesetzte Krinoline bis zu einem Alptraum aus "kotzgrüner" Seide steht Jane in der Beziehungskomödie "27 Dresses" eine Riesenauswahl kostbarer Roben zur Verfügung. Doch die Kleider sind nur zur einmaligen Verwendung gedacht: Singlefrau Jane betätigt sich in ihrer Freizeit liebend gern als Brautjungfer. Sie ist sogar so begehrt, dass sie manchmal auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzt. Dabei fällt die umtriebige Brautjungfer dem Lokalreporter Kevin ins Auge, der sich als Hochzeitskolumnist noch ziemlich unten auf der Karriereleiter befindet. Und er interessiert sich nicht nur für Janes Helfersyndrom und ihre Altkleidersammlung.

Jane ist aber seit jeher klammheimlich in ihren Chef George verliebt, der in ihr jedoch nur eine patente Mitarbeiterin sieht. Und als Janes niedliche Schwester Tess auf der Bildfläche erscheint und sich umstandslos an den netten George 'ranschmeißt, beginnt es in dem Aschenputtel zu brodeln. Als sie der nichtsnutzigen Schwester dann auch noch die Hochzeitsfeier ausrichten soll, wird Jane zum ersten Mal in ihrem Leben richtig sauer.

Das Stadium der turbulenten Hochzeitskomödie

Hauptdarstellerin Katherine Heigl, durch die Arztserie "Grey's Anatomy" und besonders durch die Erfolgskomödie "Beim ersten Mal" bekannt, wird in den USA als Nachfolgerin von Meg Ryan und Julia Roberts gehandelt. In ihrer ersten Hauptrolle muss sie, wie so manch anderes Talent vor ihr, das Stadium der turbulenten Hochzeitskomödie überstehen. Dieses uramerikanische und schier nicht totzukriegende Genre hat sich in den letzten Jahren auf die dekorativen Details der Feier selbst erweitert. So beschäftigte sich zuletzt die Komödie "Lizenz zum Heiraten" mit dem Design der perfekten Hochzeitstorte. Und auch hier scheinen Männer längst nicht so wichtig wie Dekor und Klamotten.

Die Existenz eines "Hochzeitskolumnisten" war bislang allerdings unbekannt, doch davon abgesehen entpuppt sich die Komödie als unbefangene filmische Resteverwertung. Es fehlt weder die sarkastische Freundin, die eine Hochzeitsfeier als Jagdrevier für flotte Junggesellen begreift, noch der übersichtliche Konflikt zwischen einer latent-frustrierten und einer sexy-egozentrischen Schwester wie zum Beispiel in der Tragikomödie "In den Schuhen meiner Schwester". Als Second-Hand-Cameron-Diaz fungiert Malin Akerman, die vor kurzem in der Komödie "Nach 7 Tagen - Ausgeflittert" das blonde Gift mimte.

Doch die Komödie hat Tempo und gute Laune und vor allem eine Hauptdarstellerin, die sich nicht zur Barbiepuppe machen lässt. Ob als betrunken herumgrölende Karaoke-Sängerin oder als tüchtiges Frollein voller unterdrückter Energie - stets verströmt sie einen spröden Charme, der auch altbackene Szenarien veredelt. Wie in der Komödie "Beim ersten Mal", in der sie sich als Karrierefrau in einen moppeligen Tunichtgut verlieben musste, kultiviert Katherine Heigl jene süßsaure Miene, die anhaltenden Widerstand signalisiert. Diese Zickigkeit nimmt der Hochzeitskomödie manche leere Kalorie und verleiht ihr das Prädikat "federleicht".

Birgit Roschy/AP


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