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Kinostart "So spielt das Leben": Auf den Spuren Doris Days

Holly Berenson (Katherine Heigl) und Eric Messer (Josh Duhamel) verbindet nur eins: Ihre Freunde Alison und Peter. Umso größer ist der Schock, als die Novaks bei einem Autounfall ums Leben kommen und die kleine Sophie als Vollwaise zurücklassen.

Holly ist geschniegelt und durchorganisiert. Messer ist ein lässiger Hallodri mit losem Maul. Schon beim ersten, von Freunden organisierten Date können sich die zwei Singles nicht ausstehen. Allerdings sind beide die Taufpaten von Baby Sophie. Und nach einem tragischen Unglück müssen in der Beziehungskomödie "So spielt das Leben" die zwei Streithähne gemeinsam die Betreuung des Wickelkindes übernehmen und sich zwischen vollen Windeln und beruflichem Stress zusammenraufen.

Der Ausgang dieser am 21. Oktober anlaufenden Romanze ist so vorhersehbar wie das Amen in der Kirche. Doch der Weg von der unfreiwilligen Dreier-WG zur harmonischen Patchwork-Familie ist mit unerwartet pointierten Dialogen und witzigen Nebenfiguren gepflastert. Im Zentrum stehen Katherine Heigl und der eher unbekannte Josh Duhamel, die sich mittels einer verbal gekonnt zugespitzten "Was sich liebt, das neckt sich"-Methode gegenseitig auf die Palme bringen. Katherine Heigl ("Die nackte Wahrheit") tobt sich als Holly in ihrer üblichen Rolle einer patenten Single-Frau, die zugleich ein kleiner Kontrollfreak ist, aus.

Als Besitzerin einer schnuckeligen Café-Bäckerei mit angeschlossenem Catering-Service sorgt die kurvenreiche Blondine, die fast so schön herumzickt wie einst Doris Day, mit Cremetorten für noch mehr Augenschmaus. Duhamel - Messer - ist dagegen ein cooler Fernseh-Techniker mit Basecap, der nichts anbrennen lässt. Der kleine Schreihals Sophie allerdings stellt die beiden ehrgeizigen Singles vor völlig neue Herausforderungen. Regisseur Greg Berlanti inszeniert in seinem Kinodebüt das Füttern, die Toilettengänge und die ersten Gehversuche des Babys inmitten zweier aufgeregter Erwachsener mit viel Gespür für Timing.

Zwei Singles und ein Baby

Neugierige Nachbarspärchen, ein bebrillter Babysitter und eine nur schinbar abgebrühte Aufpasserin vom Jugendamt bilden einen Begleit-Chor, der die Stationen der Paarbildung mal schadenfroh, mal gerührt kommentiert. Den unvermeidlichen Part des perfekten Verehrers, der schlagartige Eifersucht hervorruft und das Happy End vorantreibt, spielt Josh Lucas als Kinderarzt und Schwiegermuttertraum.

Der schnelle Witz und manch unappetitlicher Gag, der sich Windelwechseln zwangsläufig ergibt, erinnern an Berlantis bisherige Karriere als Regisseur von TV-Soaps. Seine Fingerfertigkeit beim Inszenieren leichtfüßig-frivoler Sketche, in der die Reihenfolge zwischen Küssen und anschließendem Babystress umgedreht wird, kann aber nicht verdecken, dass die Komödie dennoch eisernen Gesetzen folgt und Menschen zusammenzwingt, die im wahren Leben nach spätestens einem Jahr nur noch über den Anwalt miteinander reden würden. Immerhin hält die familienselige Nummernrevue einen konstanten Kicherpegel und kann geneigten Zuschauerinnen zwei unterhaltsame Kinostunden bereiten.

Birgit Roschy, APN / APN