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"Kiss & Kill": Wollte mal und konnte nicht

Wäre das Schlechte-Filme-Machen ein Wettbewerb, hätte "Kiss & Kill" schon gewonnen. Die Agentenkomödie mit Katherine Heigl und Ashton Kutcher ist eine Beleidigung für ihre Vorbilder.

Von Sophie Albers

Falls Sie für den nächsten Partysmalltalk einen Film brauchen, der als Synonym für das Ende des Abendlandes stehen soll, hier ist er: "Kiss & Kill". Und das nicht, weil er Grenzen niederwalzt wie etwa Lars von Triers "Antichrist". Nein, was diesen Film so unerträglich macht, ist seine Gleichgültigkeit gegenüber der Welt, den Menschen und auch der Hollywoodschen Unterhaltung.

Dummes Mädchen trifft gefährlichen Jungen

Nachdem das liebe Mädchen Jen (Superblondine Katherine Heigl) sitzengelassen wurde, macht es Urlaub an der Côte d'Azur mit seinen Eltern (wundervoller Tom Selleck, unterforderte Catherine O'Hara). Im Hotelaufzug trifft die junge Frau einen enorm gut gebauten Mann. Bevor sie in der Lobby ankommen, ist der Trennungsschmerz vergessen. Der wandelnde Sixpack hört auf den Namen Spencer und wird gespielt von Demi Moores Jungbrunnen Ashton Kutcher. Jen und Spencer heiraten und leben glücklich, zufrieden und reich in Kalifornien - wenn auch mit befremdlich enger Elternbindung.

Was aber nicht mal Jens Papa über ihren Spencer weiß, ist, dass der seine Brötchen jahrelang als - natürlich unglücklicher - Profikiller verdient hat. Um mit Jen in die Neubausiedlung zu ziehen, hat er seinen Job jedoch aufgegeben. Ausgerechnet dort holt ihn drei Jahre später seine Vergangenheit ein. Und Jen muss damit klar kommen, dass ihr trautes Heim plötzlich von Freunden, Kollegen und Nachbarn angegriffen wird. Auch sie sind nämlich Killer und scharf auf das auf Spencer ausgesetzte Kopfgeld. Jen muss sich - ganz ohne Papas Hilfe - entscheiden.

Keine Eleganz, nirgends

Mit etwas freundlichem Willen hört sich das vielleicht an wie eine dieser guten alten Agentenkomödien, die man als Kind an Sonntagnachmittagen vor dem Fernseher lungernd verschlungen hat - wie "Charade" oder "Über den Dächern von Nizza". Heigls Blondheit lässt zuweilen sogar an Doris Day denken. Aber Heigl ist nicht Day und Kutcher definitiv kein Cary Grant.

Die Charaktere von "Kiss & Kill" sind so flach und klischeebeladen wie die Witze von Mario Barth. Brüste und Bizeps anstatt Dialogduelle und komisches Timing. Keine Eleganz, nirgends. Das Seidentuch in Kutchers Hemdausschnitt wirkt wie ein peinlicher Versuch. Während Katharine Hepburn ein Heben der Augenbraue genügt hätte, um klarzustellen, wo der Hammer hängt, findet Heigl vor lauter Geschrei nicht mal den Werkzeugkasten. Eigentlich sollte die anfangs vielversprechende Heigl nach Misserfolgen wie "Die nackte Wahrheit" und "27 Dresses" das hysterische Weibchen langsam mal leid sein.

Lustige Alkoholiker

Bestes Beispiel für die traurige Indifferenz dieses Films, dem die eigene Brutalität natürlich dem angeblichen Zeitgeist entsprechend komplett am Hintern vorbei geht, ist wohl Jens Mutter, Mrs. Kornfeldt. Die ist Alkoholikerin. Und der Film möchte es als Witz verstanden wissen, wenn die ältere Frau mit der seltsamen Familie in keiner einzigen ihrer Szenen nüchtern zu sein scheint.

Zu hart für den Partysmalltalk? Dann schieben Sie einfach noch den Witz nach, dass "Kiss & Kill" anders auch nicht auszuhalten ist.

Wenn Sie eine gelungene Agentenkomödie sehen möchten, schauen Sie sich "Mr & Mrs Smith" und "Grosse Point Blank" an