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Filmstart "Verlobung auf Umwegen": Landschaft hui, Story pfui

Hollywood scheint einfach keine erfolgreichen Geschäftsfrauen zu mögen: Auch in "Verlobung auf Umwegen" gehen die meisten Lacher auf Kosten einer Karrierefrau, der Bostoner Innenarchitektin Anna. Auf dem Weg zu ihrem geleckten Liebsten trifft sie in der irischen "Wildnis" auf einen granteligen Zausel. Dreimal dürfen Sie raten, was dann passiert.

Anna ist ein tüchtiges Fräulein, das alles ganz arg richtig machen will. Die Bostoner Innenarchitektin weiß genau, was sie will und was zusammenpasst. Und zu ihr passt nun mal der smarte Arzt, mit dem sie seit vier Jahren liiert ist. Weil er ihr aber immer noch keinen Heiratsantrag gemacht hat, nimmt die Heldin der Komödie "Verlobung auf Umwegen" die Sache selbst in die Hand, indem sie sich an einen Brauch ihrer Vorfahren erinnert: Am 29. Februar dürfen in Irland Frauen um die Hand ihres Auserwählten anhalten.

Als ihr Dauerfreund kurz vor diesem Tag beruflich nach Dublin fliegt, jettet Anna hinterher, um ihm einen Antrag zu machen. Zum Glück für Komödienregisseure herrscht in jener Weltgegend unberechenbares Wetter, das Annas Flugplan außer Kraft setzt und sie zur Landung j.w.d. zwingt. Dagegen ist die anschließende Odyssee über die grüne Insel, beginnend bei Annas Ankunft in einem abgelegenen Pub voller Knorzköppe, umso berechenbarer. Wirt Declan, ein unrasierter Zausel, willigt gegen viel Entgelt ein, sie nach Dublin zu fahren.

Im Renault zum Riverdance

Declans Auto ist eine jener kleinen europäischen Klapperkisten, von denen US-Kinogänger scheinbar endlos fasziniert sind. Der alte Renault macht es erwartungsgemäß nicht lange. Und so arbeitet sich die Romanze von den obligatorischen Stöckeln im Schlamm über das Übernachten im urigen B&B mit streng katholischer Wirtin und Doppelbett bis hin zur Riverdance-Einlage von einem Klischee zum nächsten bis zum Happy End vor. Soviel kalter Kaffee wäre gar nicht schlimm, wenn Regisseur Anand Tucker weniger auf jene Sorte grobmotorischen Slapsticks versessen wäre, der so lustig ist wie ein Tritt in einen Kuhfladen.

Dabei sind die beiden Streithähne vielversprechend: Die rothaarige Amy Adams bewies in der Komödie "Sunshine Cleaning" und in "Julie & Julia", dass sie das Zeug zur Charakterdarstellerin hat. Auch Matthew Goode, zuletzt in "A Single Man" und "Match Point" zu sehen, zählt zu den hoffnungsvollen Talenten. Doch in dieser Komödie wächst nie zusammen, was laut Drehbuch zusammengehören soll. Anders als in ähnlich gelagerten Komödien wie "French Kiss" fällt hier die "Was sich liebt das neckt sich"-Phase äußerst uncharmant aus.

Kalter Irish Coffee

Nicht nur gehen die plumpen Scherze stets auf Kosten von Anna, die jenes kindische Verhalten an den Tag legt, auf das Karrierefrauen in einfallslosen Komödien abonniert scheinen. Auch Declan gibt sich so rüde und rücksichtslos, dass wohl nicht wenige in der weiblichen Zuschauer-Zielgruppe hoffen werden, dass sich Anna in ihren Plänen nicht beirren lässt. Fällt also eine der Attraktionen dieses Frauenfilms aus, so bietet die Handlung dennoch eine Kompensation: Wenn Märchenprinzen nichts taugen, gibt's immer noch eine zauberhafte Umgebung zu bewundern. So wie in der aktuellen Schmonzette "Briefe an Julia" die Toskana und demnächst in "Eat Pray Love" die Insel Bali tröstlichen Augenschmaus bieten, so werden in diesem Irland-Film eben ausgiebig die Reize der grünen Insel vorgeführt - die vielleicht keinen Kinobesuch, aber doch eine Reise wert ist.

Birgit Roschy, APN / APN
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