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Filmstart "Männertrip": Russell Brand will doch nur spielen

Man kann "Männertrip" sicherlich als rülpsenden Schenkelklopfer genießen, doch vergibt man sich damit den Blick auf eine durch und durch gelungene Komödie. Dieser Film birgt Wahrheiten - und die Authentizität des grandiosen Russell Brand.

Von Sophie Albers

Die göttliche Virginia Woolf hat es ihren Lesern in "Orlando" einst verraten: Ekstase ist es, worauf es im Leben ankommt. Der eine Augenblick, in dem es um alles und nichts geht, in dem alles stimmt und alles zerfällt, in dem Universen kollidieren - auf die gute Art. Und das ist auch die perfekte Erklärung für das Phänomen Russell Brand. Das ist dieser irre Typ, der demnächst Pop-Prinzesschen Katy Perry heiraten will. Der dunkelgelockte Brite ist aber auch, was leider viel zu wenige Leute wissen, vor allem ein begnadeter Stand-Up-Comedian und Selbstzerstörer - und aus eben dieser Quelle speisend auch ein wunderbarer Schauspieler. Damit sind wir endlich beim Film angelangt, um den es hier gehen soll. In seiner Rolle des gefallenen Popstars Aldous Snow in der Hollywoodproduktion "Männertrip" trägt Russell Brand die Ekstase sogar als Tattoo auf der Hüfte.

Ein dicker Witz auf Beinen

"Männertrip" kommt als Komödie daher, als eine dieser rülpsenden, schmerzenden Fremdschäm-aber-alles-wird gut-Geschichten, die im nüchternen Zustand kaum zu ertragen sind. Jonah Hill ("Superbad", "Funny People") spielt einen dicken, gutmütigen Dauerverlierer und Musiklabelangestellten, der einen Ex-Popstar im Dauerdrogenrausch (Russell Brand) für ein Jubiläumskonzert von London nach Los Angeles bringen soll. Doch trotz Jonah Hills "Ich bin dick und deshalb ein Witz auf Beinen"-Humor und klischeebeladenen Schenkelklopfern über das milliardenschwere Geschäft mit dem schönen Schein ist aus Nicholas Stollers Film erstaunlicherweise eine solide Komödie geworden. Und das liegt vor allem an Russell Brand.

Nach Tieftauchgängen im Drogensumpf und diversen Rausschmissen bei TV- und Radioshows ist Brand vor wenigen Jahren auf wundersame Weise die Überfahrt nach Hollywood gelungen. Dort landete der heute 35-Jährige nicht nur in den Armen von Katy Perry, sondern auch einen Leinwanderfolg. "Nie wieder Sex mit der Ex" (2008) hieß die Komödie, in der er das erste Mal den derangierten Popstar Aldous Snow spielte. Dem ging es damals allerdings noch etwas besser als in "Männertrip".

Tragik der Ehrlichkeit

Damals war Snow eine alberne Nebenrolle, nun erspielt sich Brand den Hauptpart. Aldous Snow ist der Anti-Held der Herzen. Das Erstaunliche an "Männertrip" ist die nackte Ehrlichkeit, mit der das Fass ohne Boden, das der Karriereabsturz ist, gezeigt wird. Auch wenn das Publikum zum Lachen animiert wird, ist der kaputte Snow - der es immer noch schafft, eine weitere Absturzrampe zu finden - eine tragische Figur bis auf die Knochen. Selten wird der Preis des Ruhms so grell, bunt und offen ausgemalt wie hier. Und man glaubt Brand jedes Ausrutschen im pilzbefallenen Bodensatz des Showgeschäfts.

Das kommt daher, dass der unheimlich belesene, anstrengende und schnelldenkende Russell Brand die Leidenschaft hat, auf die es im Leben ankommt. "Etwas Sinnloses, Plötzliches, Gewaltsames; etwas, das ein Leben kostet; rot, blau, lila; ein Lebenshauch, ein Schwall (...) Die Ekstase ist es." Ganz so wie Virginia Woolf es beschrieben hat. Das, wozu kaum ein Mensch den Blick und den Mut hat.

Wenn Sie mehr über den talentierten Mister Brand erfahren möchten, lesen Sie unbedingt seine Biografie "My Booky Wook" (bisher leider nur in Englisch). Teil zwei erscheint im Oktober.