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"27 Dresses": Für immer Brautjungfer

Jane ist Ende 20 und seit acht Jahren heimlich in ihren Chef verliebt. Während sie darauf wartet, dass ihr Prinz ihre Gedanken liest, ist sie als Brautjungfer im Dauereinsatz. "Grey's Anatomy"-Star Katherine Heigl zeigt sich in einer angenehm zynischen Hollywood-Komödie.

Von Sophie Albers

Nein, man fragt sich keine Sekunde, ob die etwas dusselige Blondine den gutaussehenden Rabauken kriegen wird oder nicht. Sie wird ausgeknockt, er hilft ihr auf, Jackpot. In Hollywood halten solche Beziehungen dann ein Filmleben lang. Bis jemand "Cut" ruft.

Über die inhaltliche Tiefe ihres jüngsten Werkes "27 Dresses" macht sich auch Hauptdarstellerin Katherine Heigl keine Illusionen. Es sei eine klassische, formelhaft-romantische Komödie, sagte sie im stern.de-Interview. Aber der Charakter habe ihr gefallen, weil die unglücklich verliebte Jane so unperfekt sei.

So sitzt man also da mit seiner Popcorntüte und guckt zu, wie sich in einer Mischung aus "In den Schuhen meiner Schwester" und "Die Hochzeit meines besten Freundes" der Chef anstatt in Jane in deren Cameron-Diaz-artige Schwester verliebt, wie ein rüpelhafter Klatschreporter (James Marsden) hinter Janes Brautjungfern-Marathon eine große Geschichte vermutet, und wie er sich, während er eigentlich immer das Falsche sagt, in die große Verunsicherung, die Jane mit sich herumträgt, verliebt. Wie Billy Wilder schon sagte: Die ultimative Idee für einen Kinofilm heißt "Junge trifft Mädchen".

Ja, ich will, vielleicht doch nicht"

Und doch stutzt man manchmal, wenn Jane und Kevin, so der Name des Reporters, sich Unfreundlichkeiten an den Kopf schmeißen, ganz real verbohrt auf Standpunkten beharren und eben nicht verraten, was sie denn nun wirklich fühlen. So, als wisse der Film ein bisschen mehr als das übliche "für immer und ewig", als habe er schon mal von Scheidungen und anderen Verwicklungen auf dem Weg ins Happy-End-Nirvana gehört.

Das ist sehr erfrischend im üblichen "Ja, ich will"-Kontext. Und hoffentlich ein neuer Trend in der Traumfabrik, schließlich hat sogar die Über-Zuckerwatte-Packung "Verwünscht" aus dem Hause Disney gerade erst großartige Lacher auf dem Rücken der Romantik geliefert.

Der Weg, den Kevin und Jane in kurzweiligen 107 Minuten zurücklegen müssen, bis sie feststellen, dass das Drehbuch leider ihre Vermählung vorgesehen hat, ist also ziemlich holperig. Angefangen von den eigenen Erwartungen ans Leben und Lieben über die eigentlich überflüssigen Ratschläge von Freunden und Arbeitgebern bis zum großen Showdown, der natürlich trotz aller Dramatik mit "Sie dürfen die Braut jetzt küssen" endet.

Das ist bei aller Begeisterung für die Wiederentdeckung der Screwball-Comedy mit Ballwechsel à la Katharine Hepburn und Spencer Tracy der Augenblick, in dem man sich das alternative Ende von "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" wünscht. Aber der war ja auch von den gefühlskalten Briten.

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