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"Die Wand" neu im Kino: Martina Gedeck ist gefangen im Alpenparadies

Martina Gedeck spielt in der Romanverfilmung "Die Wand" eine Frau, die eingeschlossen von einer unsichtbaren Wand plötzlich in den Bergen auf sich selbst gestellt ist.

Die Einsamkeit ist der beste Ort, um über sich und sein Leben nachzudenken, zu bedauern und zu hadern - könnte man meinen. Nicht so für die namenlose Frau, die in "Die Wand" plötzlich völlig allein in den österreichischen Bergen überleben muss - eingeschlossen von einer unsichtbaren Wand. Sie lässt nicht ihr Leben Revue passieren, sondern lässt sich auf ihr neues Leben allein mit der Natur und Tieren ein und stellt philosophische Reflexionen an.

Julian Roman Pölsler hat den gleichnamigen und lange als unverfilmbar geltenden Roman von Marlen Haushofer (1920 - 1970) mit einer überragenden Martina Gedeck in der atemberaubenden Landschaft des oberösterreichischen Salzkammerguts verfilmt. Dabei verlässt er sich auf die niedergeschriebenen Gedanken der namenlosen Frau - und das auch in Szenen, in denen die eindringlichen Aufnahmen der Landschaft und der Gestalt der Frau vollständig für sich sprechen.

Die Frau will mit einem Ehepaar ein Wochenende in einer Jagdhütte verbringen. Am ersten Abend entschließt sich das Paar ins Dorf zu gehen, die Frau bleibt allein zurück. Als sie am nächsten Tag aufwacht, sind ihre Freunde noch nicht zurückgekehrt und sie macht sich auf den Weg ins Dorf. Doch plötzlich versperrt ihr eine unsichtbare Wand den Weg, eine Wand, die ihr künftiges Gefängnis, aber zugleich auch ihren selbstbestimmten Lebensraum umzäunt.

Monotone Monologe in symbolträchtigen Bildern

Nach zwei Jahren beginnt sie, ihre Geschichte aufzuschreiben. Und fortan erzählt der Film - wie der Roman - in Rückblenden, wie sich diese Frau auf ihr Leben ohne jegliche menschliche Interaktion einstellt, es trotz aller Entbehrungen und Mühen sogar zu genießen beginnt. So lässt sich diese Geschichte auch als die einer inneren Immigration lesen.

Ihre einzigen Gefährten sind ihre Tiere, da ist der Jagdhund Luchs, die Kuh Bella, die Katze und ihr Junges Perle, um die sie ständig in Sorge ist. Sie werden zu ihren einzigen Bezugspartnern und auch wenn sie immer wieder schreibt, dass sie anfänglich noch Hoffnung auf Rettung hatte, scheinen ihr diese stillen und dankbaren Wesen fast lieber als die Menschen.

Pölslers Film ist eine ruhige, oftmals melancholische Studie, die sich ganz unterschiedlich interpretieren lässt. 1963 erstmals erschienen galt der Roman der österreichischen Autorin bei vielen als feministischer Befreiungsschlag einer Frau, die sich aus den Zwängen der Zeit befreit. Auch lässt er sich als Zivilisationskritik lesen, als Utopie. Die teils monotonen Monologe der Frau, die langen Einstellungen und symbolträchtigen Bilder verlangen dem Zuschauer zwar einiges ab, nehmen einen aber doch gefangen.

Von Britta Schmeis, DPA / DPA
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