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»KISS OF THE DRAGON«: Ein Chinese schlägt sich durch Paris

»Kiss of the Dragon« soll asiatische Prügelqualitäten mit westlichem Ambiente verbinden. Luc Besson hat das Drehbuch geschrieben. Da kann ja eigentlich nicht mehr viel schiefgehen.

Der chinesische Fahnder Liu Jian reist nach Paris, um mit Hilfe französischer Polizei einen chinesischen Drogenbaron festzunehmen. An seinem Handgelenk trägt er ein Armband mit seltsamen Nadeln. Eine Geheimwaffe, so vielseitig wie ein Schweizermesser - doch erst am Schluss, beim furiosen Showdown, erfährt man, wie toll die Nadeln sind und was es mit dem Filmtitel »Kiss of the Dragon« auf sich hat.

Prügelorgie

Das ist dann auch die intellektuell anspruchvollste Szene dieses Actionfilms. Dazwischen reiht sich eine Prügel- und Mordnummer an die andere, schamhaft verknüpft durch eine so genannte Story. So simpel könnten sensible Zuschauer, deren Sehgewohnheiten nicht mit den immer brutaler werdenden Actionfilmen mitzuhalten vermögen, diesen Streifen beschreiben, aber für die ist »Kiss of the Dragon« nicht gemacht.

Asiatischer Kampfsportfilm für westliches Publikum

Es handelt sich, nach dem Erfolg von »Tiger & Dragon«, einfach um einen weiteren Versuch, die so erfolgreichen asiatischen Kampfsportfilme für ein junges westliches Publikum genießbar zu machen. Der Tribut an diesen Publikumsgeschmack ist der hohe Verbrauch an Kunstblut und das Zurschaustellen fantasievoller Tötungsarten. Und ein höherer Produktionsaufwand, den man dem Film auch ansieht.

Die Handlung ist so unwichtig wie bei den Vorbildern: Liu Jian gerät in die Falle des unüberbietbar fiesen Kommissars Jean-Pierre Richard, der als Drogendealer nicht nur eine grenzenlose Horde von Kung-Fu-Kampfmaschinen befehligt, sondern auch Zuhälter ist, der seine Prostituierten mit Heroin gefügig macht. So auch Jessica, unfreiwillige Zeugin des Mordes, den Richard Liu Jian in die Schuhe schieben will - sie wird von dem korrupten Kommissar erpresst, der ihr Kind in seiner Gewalt hat.

Luc Besson setzt Spitzen

Die Prostituierte mit dem goldenen Herzen trifft zufällig auf Liu Jian und gesteht ihm, dass sie ein einfaches Mädchen aus North Dakota ist und gerne kocht - ein wohlbekanntes Storymuster. Alles trägt den Stempel von Produzent und Drehbuchautor Luc Besson, dessen Stil sich stets am Rande der Persiflage bewegt. Den hat er auch Regieneuling Chris Nahon, einem Werbefilmer, diktiert. Besson übertreibt die Genre-Gesetze und verleiht den Charakteren gerade so viel Tiefe, dass sie nicht vom Wesentlichen ablenken: Die Action-Choreografien sind erlesen.

Action in allen Lagen

Man schlägt sich in der Waschküche eines Luxushotels unter dem Einsatz von Waschmaschinen und Bügeleisen, man prügelt sich durch die Bordküche der Pariser Touristenschiffe, man stellt unglaubliche Dinge mit einer Billardkugel und mit Essstäbchen an. Man rast durch jenen Tunnel, in dem Lady Di ihren Unfall hatte, schießt scharf vom Pont Neuf, und der Held zerlegt ein ganzes Polizeipräsidium mitsamt 23 Karate-Flics.

Bridget Fonda als Prostituierte mit zerfließender Wimperntusche ist trotz ihres Jammers vorwiegend schön, und Tcheky Karyo erwartet das seit langem übelste Schurkenschicksal. Der Pop-Soundtrack hat Stil und verzichtet auf schnulzige Weisen, das Tempo ist gallisch munter; die Inszenierung der Kampfszenen fällt zwar nonchalant schlampig aus, besitzt aber insgesamt Klasse und trockenen Witz. Und der asiatische Kampfsportchampion Jet Li, zu Hause ein Star, erweist sich als würdiger Nachfolger von Bruce Lee.