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»SIGNS - ZEICHEN«: Jetzt geht's aber rund

Um Kornkreise und Aliens geht es in »Signs - Zeichen«, dem neuen übersinnlichen Thriller des Regisseurs von »The Sixth Sense«.

Sorgenvoll streicht der Bauer durchs Feld und betrachtet die Zerstörung. Seine Pflanzen wurden auf der Größe eines Fußballfeldes ringförmig niedergewalzt - und das liegt wohl kaum am neuen Gen-Mais. Ein Lausbubenstreich, ein Unwetter? Bis Graham Hess dämmert, was mit seiner Ernte geschehen ist, klopfen schon Klauenhände an die Hoftür.

»Signs - Zeichen« heißt der dritte Film des in Indien geborenen US-Regisseurs M. Night Shyamalan. Der 32-Jährige gilt seit »The Sixth Sense« und »Unbreakable« als Meister des übersinnlichen Thrillers und wird geliebt für den gepflegten Sadismus, mit dem er seine Geschichten in immer neue Wendungen treibt. Stets geht es um einen gestandenen Mann, der seine wahre Bestimmung entdeckt, um Kinder, die mit instinktiver Hellsichtigkeit den Lauf der Welt durchschauen. Um ein gigantisches Puzzle, das sein Gesamtbild erst kurz vor Schluss offenbart. Und eine dichte Wolke des Unbehagens hält den Zuschauer wie unter einer Glasglocke gefangen.

Das alles bietet auch »Signs« reichlich. Das Science-Fiction-Kammerspiel kreist um die Familie des Bauern Hess, eines ehemaligen Priesters, der vom Glauben abfiel, als er seine Frau bei einem Autounfall verlor. Nun häufen sich die Anzeichen für eine bevorstehende Invasion von Außerirdischen - diese Kornkreise, die womöglich Landebahnen für Ufos sind, das alte Babyfon, das vor sich hinknarzt, obwohl kein Baby mehr im Haus ist.

Hess' Bruder kommt auf die Idee, Mützen aus Stanniolpapier zu basteln, damit die feindlichen E.T.s nicht die Gedanken der Menschen lesen können. Und während man sich kurzfristig in einer Komödie wähnt, erklärt Hess seine Weltsicht: Die einen glauben, nichts passiere ohne Grund, es existiere eine übergeordnete Macht. Die anderen, zu denen er sich zählt, meinen, völlig allein in einem vom Zufall gesteuerten Universum zu sein. An was glaubst du: an Gott? An Außerirdische? An beide? Schwer trägt der Film an diesen Fragen, und nur dank vieler komischer Dialoge und der guten Schauspieler - Mel Gibson als schweigsamer Witwer, Joaquin Phoenix als Landei - ertrinkt er nicht in religiöser Rührseligkeit.

»Signs« war der erste Hollywoodfilm, dessen Dreharbeiten direkt nach den Terroranschlägen begannen - und in beinahe jeder Einstellung ist eine neue Sehnsucht nach Spiritualität spürbar. Mit den Legenden rund um Kornkreise hält sich Shyamalan aber nicht lange auf. Dabei rätseln Spinner und seriöse Forscher über deren Herkunft, seit Ende der 70er Jahre in Südengland erst einfache Ringe und Spiralen auftauchten, später auch komplexere Gebilde. Die Theorien reichen von Wetterphänomenen wie elektrisch geladenen Windwirbeln bis zu Paarungstänzen sexverrückter Igel. Für Mystiker waren die Erdgöttin Gaia oder eben Ufos am Werk.

1991 outeten sich zwei britische Rentner und demonstrierten, wie man mit Pflock, Seil und Holzplanken ein Getreide-Graffito zaubert. 80 Prozent aller Kornkreise, so wurde nachgewiesen, entstanden von Menschenhand. Und der Rest? Die Wahrheit ist irgendwo da draußen.

Matthias Schmidt

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