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"The Legend of the Evil Lake": Die Braut, die um sich haut

Wer sich im Kino die "Legende um den bösen See" erzählen lässt, erlebt asiatische Cinemagie rund um Dämonen, Rache, Martial Arts und eine Liebe, die stärker ist als alte Flüche.

Jaunbie ist verzweifelt. Gerade noch plante sie, ein Bauernmädchen, ihre Hochzeit mit dem erfolgreichen General Biharang, dem besten Offizier der Kaiserin. Nun steht sie am Ufer eines Sees, verfolgt von Schergen des Kaiserhofes, die ihr nach dem Leben trachten. Der letzte Ausweg: ein Sprung in die Fluten. Was sie nicht ahnt: Mit ihr aus dem Wasser steigen wird ein 1000 Jahre alter Dämon, der dem gesamten Kaiserreich blutige Rache geschworen hat. Der koreanische Film "The Legend of the Evil Lake" erzählt in imposanten Bildern ein Martial-Arts-Märchen, in dem niemand gewinnen kann.

Rache und Liebe

Kaum einer der opulenten asiatischen Filme, die es in den letzten Jahren in westliche Kinos geschafft haben, kommt ohne zwei wichtige Zutaten aus: die Rache für erlittenes Unrecht. Und eine Liebe, der kein Opfer zu groß ist. "Rache ist ein Gericht, das am besten kalt genossen wird" - wenn es nach diesem Sprichwort ginge, dann müsste die Rache, die am verfluchten See geübt wird, ein Fünf-Sterne-Menü sein. Im Jahr 57 vor Christus vernichtet in Korea das Heer der Shilla den Stamm der Auta - ein elendes Gemetzel. Mit seinem Blut versickert auch der dämonische Geist des Auta-Anführers im nahe gelegenen See. Doch Dämon haben ja Zeit genug zu warten.

1000 Jahre später ist das Shilla-Reich durch Banditen und Bauernaufstände bedroht. Die Hoffnung des Volkes ruht auf General Biharang. Der gewinnt nicht nur jede Schlacht, sondern auch das Herz der Kaiserin Chinsong. Sehr zum Ärger ihrer Hofschranzen, die seinen Einfluss auf die Herrscherin fürchten. Dabei will Biharang selbst nur zwei Dinge: sich endlich zur Ruhe setzen. Und Jaunbie, ein Bauernmädchen, zu seiner Frau machen.

Die Wahl ist quälend

Doch während Biharang seine letzte Schlacht ficht, rennt Jaunbie um ihr Leben - Attentäter vom Kaiserhof sind hinter ihr her. Ihre Flucht in den verfluchten See nutzt der Geist des Auta-Häuptlings: sie bleibt am Leben, er nimmt Besitz von ihrem Körper und beide machen sich auf, um am Kaiserhof blutige Rache zu üben. Soll das Reich gerettet werden, muss mit dem Dämon auch Jaunbie sterben. Der untadelige General Biharang steht vor der Wahl, wem seine Loyalität gehören soll: dem Reich und der Kaiserin? Seiner besessenen Geliebten, deren Geist noch in ihrem Körper schlummert? Seinem besten Freund, der von der korrupten Palastwache gefangen gehalten wird? Das kann ja nur tragisch enden ...

Spezialisten waren am Werk

Die Geschichte ist in "The Legend of the Evil Lake" nur Mittel zum Zweck, und das merkt man ihr auch an: Logisch ist das nicht immer, was da passiert. Aber wunderschön in Szene gesetzt: Es wird geflucht und geflogen, geliebt und gelitten, gekämpft und gestorben - all das in epischen Ausmaßen und mit einem beeindruckenden Heer an Statisten. Bekannte Meister der asiatischen Filmszene haben dies Schwertkampf-Märchen inszeniert, darunter Zhang Yimous preisgekrönter Kameramann Yue Lu ("Shanghai Serenade"), Requisiteur King-Fat Kung ("Tiger & Dragon") und Action-Spezialist Tak Yuen ("Kiss of the Dragon").

Freud und Leid auch beim Zuschauer

Wenn die besessene Jaunbie im blutbespritzten flatternden Gewand zum fliegenden Angriff auf die Palastgarde übergeht, fällt es leicht, dem Zauber des asiatischen Martial-Arts-Kinos zu verfallen. Große und großartige Schlachten in historischen Kostümen gehören ebenfalls zu den Stärken des Films. In Kauf nehmen muss der Zuschauer aber auch endlos wirkende Dämonen-Beschwörungen und heldenhafte Aufopferungsarien auf dem Schlachtfeld - das verlangt mehr Geduld, als man für den klassischen Hollywoodfilm benötigt. Und auch die nicht ganz fehlerfreien deutschen Untertitel erfordern eine gewisse Duldsamkeit.

In seinem Heimatland Korea lockte der märchenhafte Popcornkino-Streifen mehr als drei Millionen Zuschauer vor die Leinwand. Das wird in Europa wohl nicht zu schaffen sein. Dennoch: Wer im vergangenen Kinojahr die Schlachten in "Troja" und "Alexander" mochte, und wer die Bildgewalt von Filmen wie "Tiger and Dragon" liebt, der wird an "The Legend of the Evil Lake" viel Spaß haben.

Claudia Fudeus
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