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"Toy Story 3" ab heute im Kino Gefahr im Kindergarten


Der Kampf der Spielzeuge geht in seine finale Runde. Ab dem 29. Juli läuft "Toy Story 3" in den deutschen Kinos an. Das letzte Abenteuer von Sheriff Woody, Space Ranger Buzz Lightyear und ihrem Besitzer Andy.

Früher war alles besser, meckert eine Handvoll alte Spielzeugfiguren, die seit langem unbespielt in der Ecke verstauben. Doch es kommt noch schlimmer in dem am 29. Juli anlaufenden Trickfilmabenteuer "Toy Story 3": Der Besitzer der Spielsachen, Andy, ist nun erwachsen und wird zu Hause ausziehen. Weil Mutti will, dass er zuvor ausmistet, landet sein geliebtes Spielzeug versehentlich in einem Kindergarten voller kleiner Racker. Das vermeintliche Paradies entpuppt sich jedoch als Vorhölle.

Wie schaffen es die Macher der Trickfilmschmiede Pixar nur, mit dem Schicksal von kaputten Plastikfiguren Groß und Klein nicht nur zu amüsieren, sondern zu Tränen zu rühren? Das fragen sich zurzeit die amerikanischen Kritiker, die in seltener Einmütigkeit mit dem Publikum die dritte "Toy Story"-Fortsetzung als besten Film des Jahres feiern.

Tatsächlich ist es schier unmöglich, sich dem herzzerreißenden Charme der vergammelten Püppchen zu entziehen. Sie liefern Action und ein bisschen Horror, vermitteln aber vor allem punktgenau menschliche Gefühle - unbefangener und direkter als viele menschliche Charakterdramen.

Der Kinderfilm "Toy Story" über die Abenteuer belebter Spielzeugfiguren von 1995 war nicht nur der erste computeranimierte Langfilm, sondern überzeugte vor allem mit Herz und Humor. Nach dem nicht ganz so perfekten Teil 2 (1999) folgt nun 11 Jahre später ein zum Heulen schönes Finale - zufällig auch der elfte Erfolgsfilm der Pixar-Studios, die noch nie einen Flop produziert haben. Bis zum Happyend müssen Sheriff Woody (Synchronstimme Bully Herbig), Weltraumheld Buzz Lightyear, Schwein Specki & Co jedoch viel durchmachen. Im Kindergarten werden sie rüde herumgeschubst und von der Gang eines psychopathischen Teddybären terrorisiert.

Andys Lieblingsfigur Woody, dem zunächst die Flucht gelingt, kehrt zurück, um seine Freunde zu retten. Beim Versuch zu türmen, landet die Truppe in einem nervenzerfetzenden Showdown fast im Müllverbrennungsofen, was die Filmfreigabe ohne Altersbeschränkung fragwürdig erschienen lässt. Kindern unter sechs Jahren sollte man die rasanten Abenteuer, deren Intensität durch 3D noch erhöht wird, nicht zumuten. Davon abgesehen aber strotzen die perfekt computeranimierten Streiche nur so vor Filmzitaten wie zum Beispiel aus dem Kriegsfilm "Gesprengte Ketten" und vor hübschen Pointen.

Barbie etwa droht Ken damit, seine Disco-Kostüme zu verbrennen, und Buzz Lightyears Elektronik wird auf Spanisch geschaltet - worauf er als heißblütiger Latino dem barschen Cowgirl Jessie den Hof macht. Gruselig ist eine einäugige Babypuppe im Mondschein, bewegend sind die Momente, in denen die Wegwerfmentalität aus der Perspektive des Verlassenwerdens betrachtet wird. So vermittelt die turbulente Odyssee der lädierten Figuren nebenbei eine ganze Bandbreite menschlicher Gefühle, von Liebe über Trauer, Loslassen, Erinnerung und Tod. Es ist zwar ein Kinderfilm, aber so weise, dass sich selbst der zynischste Zuschauer geschlagen geben muss.

Birgit Roschy, APN APN

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